„Bitte komme mir keiner mit Free Spech“ – Merz spricht sich erneut gegen Anonymität im Netz aus
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich erneut für eine Klarnamenpflicht im Internet ausgesprochen und dabei eine scharfe Abgrenzung vom amerikanischen Verständnis der Meinungsfreiheit vorgenommen. Bei einem Treffen in Berlin mit Preisträgern des Bundeswettbewerbs „Jugend forscht“ sagte Merz am Dienstag: „Bitte komme mir keiner mit Free Speech. Das hat mit Free Speech nichts mehr zu tun.“
Das sei allenfalls ein „libertäres Politikverständnis“ aus Teilen der USA, das er nicht teile. Eine liberale Gesellschaft müsse in der Lage sein, die Bürger zu schützen, auch „vor falschen Informationen, vor persönlichen Herabsetzungen, vor Diskriminierung“, sagte der Kanzler.
Ausgangspunkt war die Frage eines Teilnehmers, wie sich eine Klarnamenpflicht mit Informantenschutz und investigativem Journalismus vereinbaren lasse. Merz ging auf diesen Einwand nicht direkt ein. Stattdessen warnte er vor einer zunehmenden Verrohung im Netz, anonymen Hasskampagnen und von Bots erzeugten Inhalten.
Der Kanzler, der nach eigenen Worten noch in der „analogen Welt“ groß geworden sei, zog einen Vergleich zu klassischen Medien. Gegen Zeitungen, die Falschbehauptungen verbreiteten, habe man rechtlich vorgehen können. Diese Möglichkeit habe zu einer gewissen „Hygiene“ beigetragen. Im Internet dagegen könnten Nutzer unter Pseudonymen oder Fantasienamen auftreten, was die Klärung von Verantwortlichkeiten erschwere.
Merz argumentierte, eine liberale Gesellschaft müsse Bürger auch vor Falschinformationen, persönlichen Herabsetzungen und Diskriminierung schützen. Als weiteres Argument für eine Klarnamenpflicht nannte er den Schutz von Wissenschaftlern und Forschern vor Einschüchterung und Bedrohungen. Zudem verwies er auf von Bots generierte Nachrichten, von denen nach seiner Darstellung zuletzt insbesondere die AfD in Sachsen-Anhalt profitiert habe.
Bei „Jugend forscht“ nehmen Kinder und Jugendliche im Alter von 15 bis 21 Jahren mit Projekten aus Naturwissenschaft und Technik teil. Der Fragesteller hatte sich mit seinem Bruder mit quantensicheren Telekommunikationssystemen beschäftigt.
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