„Sonst hätten sie ja die Grünen gewählt“ – Chrupalla und Künast gehen in TV-Talk aufeinander los
Der deutliche AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt hat im ntv-Talk „Blome & Pfeffer“ zu einem teils heftigen Schlagabtausch zwischen Parteichef Tino Chrupalla und Grünen-Politikerin Renate Künast geführt.
Als Chrupalla die Renten- und Gesundheitsreformen der Bundesregierung pauschal als Belastung darstellte, verlor Künast endgültig die Geduld.
„Die Reformen, die eingeleitet wurden, bei der Rente oder der Gesundheit, sind definitiv Verschlechterungen für den Bürger. Der Bürger muss draufzahlen. Das ist Fakt“, sagte Chrupalla. Künast reagierte ungewöhnlich scharf und mit einem schrägen Vergleich: „Man kann wirklich nekrophile Neigungen haben und alles schlechtreden!“
Chrupalla gibt Einblicke in die Sondierungsgespräche von Magdeburg
Zuvor lieferten sich beide ein Wortduell zu Sachsen-Anhalt. „Die ersten Gespräche sind geführt worden“, erklärte er. Auf mögliche Partner für eine Regierungsbildung – zu einer Mehrheit im Magdeburger Landtag fehlen der AfD drei Mandate – wollte er sich jedoch nicht festlegen. „Wir lassen uns aber auch nicht von den Medien treiben.“ Klar sei: „Wenn wir regieren, müssen wir liefern. Das ist unser Anspruch!“
Das Wahlergebnis nutzte Chrupalla für eine Spitze gegen die ehemalige Verbraucherschutzministerin Künast (70): „Die Menschen haben uns gewählt, mit 43,8 Prozent, sonst hätten sie ja die Grünen gewählt, wenn ihr Programm so toll ist.“ Künast warf der AfD daraufhin vor, „gegen Menschen“ zu hetzen und von „linksgrün versifft“ zu reden.
Sie bemängelte zudem, dass die AfD – nicht nur in Sachsen-Anhalt – den Wählern vieles verspreche, was gar nicht zu halten sei. Als Beispiel nannte sie Wahlkampfaussagen, die sie dem Wahlkampfteam rund um Ulrich Siegmund zuschrieb, in denen es geheißen habe: „… und am ersten Tag (einer möglichen Regierung, d. Red), gehen wir ran an die Finanzierung der NGOs“ – was rechtlich jedoch gar nicht möglich sei, deutete die studierte Juristin dann an.
Beim Streit um die Deutschlandfahne erlaubt sich Chrupalla einen Scherz
Eine gehisste Deutschlandfahne, so die Grünen-Politikerin, löse „ja gar kein Problem, oder wie gut jemand die Nationalhymne singen kann“. Als konkrete Probleme in Sachsen-Anhalt nannte sie dann die Abwanderung von Unternehmen, aber auch von Einwohnern. In der Tat hat das ostdeutsche Bundesland Sachsen-Anhalt in den letzten fünf Jahren etwa 60.000 Einwohner verloren, was einem Rückgang von ungefähr drei Prozent entspricht. Dies liegt aber vor allem an den niedrigen Geburtenzahlen bei gleichzeitig hohen Sterbezahlen, einem demografischen Wandel also, den auch andere deutsche Regionen so erleben.
Genau deshalb brauche das Land – so wie ganz Deutschland – aber doch nun mal Zuwanderung, und eben, so beharrte Künast, keine gehissten Deutschlandfahnen, auch wenn dies womöglich „schön aussehe“. „Immerhin sagen Sie das“, konterte Chrupalla, fast schon versöhnlich und mit einem Lächeln.
Bei einem Thema waren sich die Kontrahenten einig
Beim Thema Bürgergeld bzw. Grundsicherung ging der Streit dann aber weiter. Chrupalla erklärte: „Wir haben im Bürgergeld 45 Prozent Ausländer, und da müssen wir ran.“ Künast wies die Zuspitzung zurück: „Wir brauchen in diesem Land Ausländer.“ Deutschland benötige Zuwanderung auch, um Innovationen voranzutreiben.
Bei einem Thema dann aber waren sich die beiden so unterschiedlichen Kontrahenten weitgehend einig: in ihrem Blick auf Friedrich Merz. „Seine Zeit ist abgelaufen“, sagte Chrupalla über den Bundeskanzler. Künast attestierte Merz gar ein Leben im „Paralleluniversum“ und spottete: „Vielleicht ist bei ihm die Erde eine Scheibe.“
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