Deal mit Maduros „Folterknecht“ – wie die US-Regierung ihre Glaubwürdigkeit verspielt
Die Rückendeckung kommt von Venezuelas brutalstem Unterdrücker. Diosdado Cabello, der „Folterknecht“ des linksextremen Regimes in Caracas, stellte sich hinter das jüngst von US-Präsident Donald Trump angekündigte spektakuläre Ölabkommen zwischen den USA und Venezuela.
Cabello ist amtierender Innenminister und der Befehlshaber der gefürchteten „Colectivos“ und Milizen, die während der Amtszeit von Nicolás Maduro für Folter und außergerichtliche Hinrichtungen von Oppositionellen verantwortlich waren.
In seiner eigenen TV-Show drohte er Opposition und regierungskritischen Journalisten mit dem Schlagstock und hetzt seit 25 Jahren gegen die „imperialistischen Feinde“ in den USA, die es auf das Öl Venezuelas abgesehen hätten. Nun haben sich die Amerikaner Zugang zu den Vorkommen gesichert – mithilfe der Sozialisten, die davor ein Vierteljahrhundert lang gewarnt hatten.
Das Abkommen sieht vor, dass die USA zu 35 Prozent am zweitgrößten venezolanischen Ölkonzern beteiligt werden, dem die Regierung von Venezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodríguez für 100 Jahre die Lizenz zur Förderung von Öl erteilt hat. Washington erhält das Vorrecht zum Kauf von 20 Prozent des Öls. Rodríguez nennt den Vertrag historisch. Er werde schon bald Verbesserungen für das venezolanische Volk bringen. Vor allem aber zementiert der Vertrag erst mal ihre Macht.
Für die übergangene venezolanische Opposition, die eigentlich die Präsidentschaftswahlen 2024 mit ihrem Kandidaten Edmundo González gewonnen hatte, ist das ein Tiefschlag. Die Enttäuschung über den gefühlten Seitenwechsel der US-Regierung ist überall greifbar.
Adressat der Wut ist US-Außenminister Marco Rubio, der die Beziehungen zwischen Washington und Caracas nach Maduros Verhaftung Anfang Januar koordiniert. Rubio galt als der große Hoffnungsträger der unterdrückten Opposition, weil er sich stets für die Demokratiebewegungen und gegen die sozialistischen Unterdrücker aussprach. Nun aber kooperiert er mit dem Regime in Caracas.
Einen konkreten Fahrplan für einen demokratischen Übergang, etwa einen Termin für Neuwahlen, gibt es nicht. „Meiner Meinung nach sollte das so schnell wie möglich geschehen, aber auf angemessene Weise. Sonst kommt es wieder zu Chaos“, sagte Rubio zum Abschluss einer Lateinamerika-Reise.
Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado nennt die fehlende Transparenz des Öl-Vertrags „besorgniserregend“ – und geht erstmals auf Distanz zu Washington. „Die Bodenschätze unseres Landes gehören nicht einem illegitimen Regime, sondern dem venezolanischen Volk.“
María Corina Machado gewann, auf Nominierung von Marco Rubio, 2025 den FriedensnobelpreisMachado lebt weiterhin im Exil. Vieles deutet darauf hin, dass Caracas und Washington bislang ihre Rückkehr verhinderten. Machado verweist darauf, dass der Interimspräsidentin Rodríguez jede demokratische Legitimation fehle. Der venezolanische Harvard-Ökonom Ricardo Hausmann rechnete in einem TV-Interview knallhart mit dem Ölabkommen ab. „Es ist ein korruptes Machwerk, das Millionen von uns in die Armut treibt.“
Ein paar Tage zuvor ging Hausmann Rubio auf X direkt an: „Sie haben gerade jegliches Vertrauen verloren, das die Venezolaner je in Sie hatten“, schrieb er. Rubio habe entschieden, die Macht der USA einzusetzen, „um mit unseren Unterdrückern ins Bett zu gehen.“
Auch in Florida, dem Heimatstaat Rubios und einer Hochburg der Exil-Venezolaner und -Kubaner, ist das Unbehagen über den Deal zu spüren. Die republikanische Kongressabgeordnete Maria Elvira Salazar richtete in den sozialen Netzwerken eine eindeutige Warnung an die eigene Regierung: „Tun Sie heute, was notwendig ist, aber verlieren Sie dabei das Ziel nicht aus den Augen: ein freies und demokratisches Venezuela.“
Das Weiße Haus wies die Darstellung zurück, dass der Deal die Demokratisierung Venezuelas verzögern würde. „In keiner Art und Weise behindert das einen demokratischen Übergang, der passieren muss“, sagte ein US-Beamter bei einem Briefing mit Journalisten in Washington. Im Gegenteil, man würde mit dem Abkommen die Grundlage für einen demokratischen Regierungswechsel schaffen.
Wahlen sollten in Venezuela „früher als später“ stattfinden, einen konkreten Zeitplan will man aber nicht vorgeben. „Wahlen sind kein Selbstzweck“, sagte der US‑Beamte. „Unser Ziel ist, dass Venezuela eine stabile Republik wird. Und dafür müssen wir eine Wirtschaft aufbauen, die diese am Leben hält.“
Washington setzt darauf, dass die Lizenzgebühren für die Ölförderung den Menschen im Land zugutekommen. „Das Modell soll dafür sorgen, dass die neue Regierung nicht ein Land erbt, das sich im freien Fall befindet“, sagte er. Dafür müsse man eben in den existierenden Strukturen arbeiten.
Tobias Käufer ist Lateinamerika-Korrespondent. Im Auftrag von WELT berichtet er seit 2009 über die Entwicklungen in der Region.
Gregor Schwung berichtet für WELT seit Juli 2026 als US-Korrespondent aus Washington, D.C. Zuvor war er außenpolitischer Korrespondent in Berlin.
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