Streamer geht „Spiegel“-Journalistin verbal an – AfD-Spitze distanziert sich
Die AfD distanziert sich vom parteinahen Streamer „Aktivist Mann“. In einer Erklärung von Tino Chrupalla und Alice Weidel, Bundessprecher der AfD, heißt es: „Ein zivilisierter Umgang miteinander versteht sich in einer kultivierten Gesellschaft eigentlich von selbst. Natürlich auch dann, wenn man gänzlich anderer Meinung ist als das Gegenüber.“
„Beleidigungen und verbales Bedrängen“ verbiete sich für Medienschaffende. „Die AfD wird es nicht tolerieren, wenn dieser Grundsatz bei künftigen Partei-Veranstaltungen verletzt wird - auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene gleichermaßen und zwar ohne Ansehen der Person.“
Bereits zuvor war bekanntgeworden, dass sich der AfD-Bundesvorstand am kommenden Montag mit dem Auftreten des Streamers bei der Wahlparty am Sonntagabend in Sachsen-Anhalt befassen wolle. Die WELT-Partnerpublikation „Politico“ hatte darüber berichtet.
Daraufhin hatte sich „Aktivist Mann“, der mit richtigem Namen Matthäus Westfal heißt, selbst auf X zu Wort gemeldet. „Wer sich distanziert, verliert“, schrieb er. Dass er der AfD im Wahlkampf zu „wichtigen Prozentpunkten“ verholfen habe, interessiere Alice Weidel und Tino Chrupalla offenbar nicht, beklagte er sich. „Mich wundert es nicht. Nichts neues in Deutschland (sic!)“, schrieb er weiter.
Auf der AfD-Wahlparty am Sonntag in Magdeburg hatte Westfal der „Spiegel“-Journalistin Ann-Katrin Müller mehrere Fragen gestellt, obwohl diese sichtbar nicht mit ihm sprechen wollte. „War die Propaganda von links-extremer Seite doch zu schwach?“, „Sind Sie Deutsche, fühlen Sie sich deutsch?“, „Identifizieren Sie sich als Deutsche? Dann tun Sie was für Ihr Heimatland“, fragte er aggressiv.
Bereits im Wahlkampf war Westfal mehrfach negativ aufgefallen. Einen „Spiegel“-Redakteur hatte er vor laufender Kamera geschubst und mit den Worten angebrüllt: Was soll das? Was sind denn Sie für ein Medium? Sie kennen doch nur Gewalt.“
Auch WELT-Reporter Lutz Stordel bekam die Wut von Westfal zu spüren. Bei einem Wahlkampftermin in Zerbst sprach Westfal Stordel an und fragte, offenbar ohne eine Antwort haben zu wollen: „Was seid ihr für ein hinterhältiger Sender? Was seid ihr für Fake News? Die alternativen Medien überholen euch eh. Ihr habt keine Chance.“ Einen anderen YouTuber hatte Westfal gefragt: „Was ist mit dir los? Bist du Jude, oder was?“
Influencer „Aktivist Mann“ (l.), hier mit Björn HöckeAuch der AfD-Bundestagsabgeordnete Jan Nolte distanzierte sich nun von Westfal. Auf X schrieb er: „Er war ja abends auch noch in dem Hotel, in dem die Wahlparty ihren Ausklang fand. Auch dort fiel er extrem unangenehm auf, versuchte Hintergrundgespräche mit Journalisten mitzufilmen, ging jedem auf die Nerven und laberte die Leute extrem peinlich voll.“
Westfal beschreibt sich selbst als „Gonzojournalist“, also als Journalist, der sein eigenes Erleben in den Vordergrund stellt und dabei mit absichtlichen Übertreibungen und Emotionen arbeitet.
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