Donald Trump tat etwas für ihn völlig Untypisches. Eigentlich ist der US-Präsident bekannt für seine Unpünktlichkeit bei Auftritten. Um zehn nach acht Ortszeit – so wie es auf dem Plan stand – betrat er am Mittwochabend im texanischen Dallas die Bühne des Parteitags der Republikaner.

Wenigstens einen Teil der Rede sollte in jenen Zeitraum des Abends fallen, in dem die Amerikaner ihre TV‑Sender wechseln – die Halbzeitpause des Saisoneröffnungsspiels der NFL. Ausgerechnet am Abend von Trumps großem Auftritt spielen die New England Patriots gegen die Seattle Seahawks, ein Rematch des Super Bowls und ein Highlight für alle Footballfans.

Der zweitägige Parteitag der Republikaner erfolgt auf Trumps Wunsch. Eigentlich halten amerikanische Parteien nur alle vier Jahre eine große Versammlung ab, um ihren Präsidentschaftskandidaten zu nominieren. Über Parteiprogramme oder andere Personalien wird nicht basisdemokratisch entschieden.

Der US-Präsident wollte seine Parteifreunde und Anhänger jedoch versammeln, um sie auf den Wahlkampf einzuschwören. In Umfragen sieht es für die Republikaner nämlich denkbar schlecht aus. Seine eigene Zustimmungsrate ist auf einem historischen Tiefststand und seine Partei könnte die Mehrheit im Repräsentantenhaus und sogar im Senat verlieren.

So will Trump die Stimmung drehen

Damit das nicht passiert, versprach der Präsident den Amerikanern eine Belohnung, sollte seine Partei gewinnen. Wenn die Republikaner das Repräsentantenhaus und den Senat gewinnen, erhielte jeder erwachsene Amerikaner eine „Trump-Dividende“ von 5000 US-Dollar. „Wenn die Republikaner gewinnen, gewinnt ihr“, rief Trump. Er deutete an, dass das Geld aus dem US-Haushalt kommen werde und durch die Einnahmen aus den Zöllen finanziert werde. Die Demokraten könnten solch ein Versprechen nicht abgeben, „weil sie das Wort Zoll nicht kennen“.

Bei 275 Millionen erwachsenen Amerikanern würden sich die Kosten auf 1,3 Billionen Dollar belaufen – ein Vielfaches dessen, was Washington derzeit mit Zöllen erwirtschaftet. Das Geld käme jedoch mit einer Auflage, so Trump: Es müsse in den USA ausgegeben werden. „Wir wollen nicht, dass ihr es in Kanada, China oder Deutschland ausgebt“, sagte er.

Anhänger von Trump beim Parteitag

Trump versprach darüber hinaus, selbst Wahlkampf in Bundesstaaten und Wahlkreisen zu machen, in denen es eng ist. „Ich komme so oft nach Texas, dass ihr sagt: ‚Schafft ihn weg‘“, rief er. In dem riesigen Bundesstaat deuten die Umfragen auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen des Republikaners Ken Paxton gegen den Demokraten James Talarico für den Senatssitz. Sollte Trumps Partei den Sitz verlieren, würde zum ersten Mal seit 33 Jahren wieder ein Demokrat den Lone Star State im Senat repräsentieren.

Was Trump zu den Top-Sorgen der Amerikaner sagt

Mit seinem Geld-Versprechen will Trump auch die größte Sorge der Menschen adressieren. Für 29 Prozent der Amerikaner ist die wirtschaftliche Lage die größte Sorge zur Zeit und das wichtigste Thema für ihre Wahlentscheidung im November. Das ergab eine Umfrage von Pew Research Ende Juli. Trump gab sich abseits der Ankündigung der Einmalzahlung im Fall eines Wahlsiegs jedoch wenig Mühe, den Wählern Abhilfe zu versprechen. Das Thema der Bezahlbarkeit sei ein „Schwindel“, erfunden von den Demokraten, sagte er. Seine Regierung habe bereits dafür gesorgt, dass die Preise sinken.

Die wahre Entlastung käme jedoch erst nach den Wahlen, so Trump. „Der Iran-Krieg wird kurz nach den Midterms enden“, kündigte er an. Dann sinke nämlich der Ölpreis und damit der Benzinpreis. Bis dahin könne der Krieg gegen den Iran nochmal eskalieren, sagte Trump. „Wir haben Bewegung im Pickaxe-Berg registriert“, sagte er. „Ich warne den Iran davor, Spielchen zu spielen, andernfalls werden wir sie hart treffen.“

Wie das „Wall Street Journal“ im Juli berichtete, gehen israelische Geheimdienste davon aus, dass Teheran tausende Zentrifugen zur Anreicherung von Uran in das Bergmassiv verlagert hat. Trump hatte seitdem mehrmals mit dem Gedanken gespielt, den Berg zu bombardieren, dies aber bislang nicht getan.

Seine wichtigste Wahlkampf-Botschaft

Trump bezeichnete die Midterms als „die wichtigste Wahl“, bei der über seine Präsidentschaft entschieden werde. „Tut so, als stünde ich auf dem Wahlzettel. Nur noch einmal“, sagte er. Damit geht Trump eine Wette ein. Nur 38 Prozent der Amerikaner attestieren ihm gerade einen guten Job, ganze 58 Prozent einen schlechten, wie eine Umfrage der „New York Times“ ergab. Dies verschafft den Demokraten einen Vorteil, enttäuschte Trump-Wähler auf ihre Seite zu ziehen. Mit seiner Ansage, sich selbst zur Abstimmung zu stellen, hofft Trump, seine eigene Basis zu mobilisieren. Trumps Anhänger bestehen zu einem gewichtigen Teil aus Menschen, die nicht zu den traditionellen Wählern der Republikaner gehören, und zu Hause bleiben, wenn es sich nicht um Präsidentschaftswahlen handelt. Trumps Kalkül ist also, dass er seine treuen Anhänger in größerer Zahl zum Wählen bewegen kann, als die Demokraten seine enttäuschten Anhänger.

Um seine Basis zu motivieren, malte er ein dunkles Bild einer demokratischen Mehrheit im Kongress an die Wand. „Ihr werdet eure Steuersenkungen, eure Sicherheit und euer Vermögen verlieren“, sagte er. „Ich bitte euch, lasst uns den Job beenden.“

So war die Stimmung

Nicht alle namhaften Republikaner haben sich auf den Weg nach Dallas gemacht. Politico hatte im Vorfeld 70 Abgeordnete befragt, ob sie zum Parteitag anreisen würden. 45 gaben an, nicht vor Ort sein zu können, und nannten dafür Gründe wie Wahlkampfauftritte, Spendengalas, Hochzeiten und Familienfeiern. Manche nannten auch die fünfstellige Summe, die die Partei von ihnen für ihre Anwesenheit verlangt hätte. Der Vorsitzende des Bewilligungsausschusses, Tom Cole, sagte, er könne nicht nach Dallas reisen, weil er zum Tontaubenschießen verabredet sei.

Trump ließ sich davon nicht unterkriegen. Er genoss seinen ersten Wahlkampfauftritt seit langer Zeit sichtlich. „Ich habe hier eine Menge Spaß, weil ihr mich alle liebt“, rief er. Zwar blieben die obersten Ränge der Arena leer und nicht überall waren die Reihen voll besetzt, doch das Publikum hing während der rund 90-minütigen Rede an seinen Lippen. Trump sorgte mit zahlreichen Witzen und Imitationen von sich selbst und anderen Politikern für reichlich Gelächter im Saal.

Gregor Schwung berichtet für WELT seit Juli 2026 als US-Korrespondent aus Washington, D.C. Zuvor war er außenpolitischer Korrespondent in Berlin.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke