Nur in einem Wahlkreis ist die AfD chancenlos – Eine Zahl zeigt das CDU-Debakel am deutlichsten
Die CDU hat ihr Ergebnis bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nicht nur halbiert. Sie hat erstmals in der Geschichte des Bundeslandes auch alle Direktmandate verloren. Vor fünf Jahren gewann die CDU noch in 40 von 41 Wahlkreisen, dieses Mal sicherte sich die AfD 38 Direktmandate.
Die Hochburgen der AfD liegen im Süden, wo die Partei sich bei der Landtagswahl 2016 bereits einige Wahlkreise sichern konnte. Dieses Mal knackten elf AfD-Kandidaten sogar die absolute Mehrheit und erhielten mehr als 50 Prozent der Erststimmen, darunter auch AfD-Stratege Hans-Thomas Tillschneider (54,6 Prozent) in Querfurt. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sicherte sich mit rund 49,0 Prozent sein Direktmandat in Genthin.
Alle Entwicklungen nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Liveticker.
Am größten ist die Zustimmung für AfD-Kandidat Reiner Kretschmann in Eisleben mit 55,6 Prozent. Er lässt den CDU‑Kandidaten René Barthel mit 21,4 Prozent deutlich hinter sich. Der Abstand beträgt mehr als 34 Prozentpunkte – so viel wie in keinem anderen Wahlkreis.
Knapp wurde es für die AfD nur in den Großstädten Magdeburg und Halle (Saale). Im Wahlkreis Magdeburg III fehlten CDU-Ministerpräsident Sven Schulze (31,7 Prozent) nur 1165 Stimmen zum Wahlsieg. Der ging an AfD-Mann Christian Mertens (35,2 Prozent), Schulze zieht über die Landesliste in das Parlament ein. Es ist der knappste AfD-Sieg im Land.
Linke gewinnt drei Wahlkreise in Magdeburg und Halle
Dass die AfD drei Direktmandate verpasste, liegt daran, dass die beiden Großstädte Magdeburg und Halle jeweils in vier Wahlkreise eingeteilt waren. Drei davon gingen an die Linke, doch wirklich chancenlos war die AfD nur in einem Wahlkreis: In Halle III schlug Linken-Kandidat Jannik-Loris Balint den AfD-Kandidaten deutlich (39,9 zu 17,8 Prozent). Mit leichtem Vorsprung gewannen auch in Halle II Gitta Susann Hartenstein-Wiermann (29,6 gegen 24,9) und in Magdeburg II Mustafa Groener (29,4 zu 23,4) gegen die AfD.
Balints Wahlkreis in Halle umfasst unter anderem die Altstadt und das Paulusviertel – einen bei Studenten und Akademikern beliebten Gründerzeitbezirk. Die Wähler im linken Lager setzten auf ein Stimmen-Splitting: Während Balint fast 40 Prozent holte, kam die Linke bei den Zweitstimmen nur auf 13,8 Prozent. Stärkste Partei in Halle III wurden bei den Zweitstimmen die Grünen mit 33,7 Prozent.
Das Stimmen-Splitting zeigt sich auch in Halle II und Magdeburg II, wo die Linke zwar die Direktmandate, aber nur 12,2 und 12,6 Prozent der Zweitstimmen holte und sich der AfD geschlagen geben musste.
Wie schon bei der Bundestagswahl setzte die Linke einerseits stark auf das Thema Mieten und bot im Haustürwahlkampf in den beiden Großstädten des Bundeslandes Beratungen an. Zudem mobilisierten die drei Gewinner der Direktmandate ihre Anhänger auch durch die Teilnahme an Anti-AfD-Demonstrationen. Und insbesondere der 27-jährige Groener, Sohn eines Ostdeutschen und einer Marokkanerin, machte Wahlkampf in migrantischen Milieus.
Groener, Schichtarbeiter bei Bosch, bezeichnet sich als demokratischer Sozialist und kokettierte auf Instagram damit, eine Art Zoran Mamdani, der New Yorker Bürgermeister, nur mit ostdeutschem Dialekt zu sein. Er warb auch auf Arabisch um Stimmen, vertrat propalästinensische und antiisraelische Positionen und setzte im Wahlkampf wie auch Balint auf Unterstützung durch den Neuköllner Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Kocak.
AfD holt in allen Gemeinden die Mehrheit
Trotz der vereinzelten Linken-Erfolge ist die AfD die klare Gewinnerin der Landtagswahl. Das zeigt auch der Blick auf die Ergebnisse auf Gemeindeebene. Vor fünf Jahren holte die CDU noch in den meisten Gemeinden die Mehrheit der Erst- und der Zweitstimmen, mit einigen Ausnahmen zugunsten der AfD, der SPD (im Harz) und der Freien Wähler (in der Altmark).
Am Sonntag sicherte sich die AfD sowohl bei den Erst- als auch bei den Zweitstimmen in allen Gemeinden des Landes die relative Mehrheit – oft aber auch die absolute Mehrheit aller Stimmen. Den höchsten Sieg holte die AfD in Schnaudertal im Burgenlandkreis mit 70,6 Prozent der Erst- und 64,7 Prozent der Zweitstimmen, das schlechteste Ergebnis in Halle (Saale) mit 30,1 Prozent der Erst- und 29,9 Prozent der Zweitstimmen.
Damit liegt das schlechteste Zweitstimmenergebnis der AfD noch immer über dem besten Zweitstimmenergebnis der CDU mit 23,3 Prozent in Steigra im Saalekreis. Doch wohl kaum eine Zahl illustriert den Machtverlust der CDU deutlicher als das Erststimmenergebnis auf Gemeindeebene: In nur noch 17 von 218 Gemeinden kommt die Partei auf mehr als 30 Prozent. Für eine Regierungspartei ist das zu wenig.
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