Demonstranten legen Feuer in Notlager in Ceuta – Polizei reagiert mit Tränengas und Gummigeschossen
Die Situation zwischen Migranten, Einheimischen, Polizei und Militär in Ceuta spitzt sich weiter zu: Demonstranten haben in einem Lager von Migranten in der spanischen Nordafrika-Exklave Feuer gelegt und die sofortige Rückführung der Menschen nach Marokko gefordert. Am Strand Benítez, wo Migranten seit Wochen campieren, waren in Fernsehbildern Personen zu sehen, die immer wieder Gegenstände ins Feuer warfen.
Polizisten trennten die Demonstranten von den Migranten, die sich auf eine Mole zurückgezogen hatten. Aufnahmen des spanischen Fernsehens zeigten zudem, wie Polizisten am Strand gegen Protestierende vorgingen, die zu einem Schlafplatz der Flüchtlinge vorgedrungen waren. Bei den Zusammenstößen wurden auch Habseligkeiten der Migranten in Brand gesetzt.
Zuvor hatten Demonstranten bereits versucht, Fahrzeuge des Roten Kreuzes mit Lebensmitteln und Wasser für die Migranten zu stoppen. Dutzende Bürger hatten Helfer mit einer Sitzblockade zuvor daran gehindert, zu den Flüchtlingen vorzudringen, um Lebensmittel an sie zu verteilen.
Viele Protestierende schwenkten spanische Flaggen und skandierten „Sie sollen gehen!“ und „Raus mit dem Roten Kreuz!“. Am Mittwochabend hatte die Polizei wütende Bürger und Migranten mit Tränengas auseinandergetrieben. Videoaufnahmen zeigen zudem offenbar, wie die spanische Polizei mit Gummigeschossen gegen die Demonstranten vorgeht.
Flüchtlinge haben unterdessen am Donnerstag ein spanisches Militärfahrzeug mit Steinen und anderen Gegenständen beworfen. Ein Soldat wurde dabei leicht verletzt. Die Polizei nahm daraufhin zwölf Menschen fest, die alle marokkanische Staatsbürger waren.
Die Wut der Bürger scheint unterdessen nur weiter zu wachsen. Ende Juli waren bei einem Massenandrang bis zu 80.000 Migranten von Marokko aus nach Ceuta gekommen, viele schwimmend. Mindestens 96 von ihnen kamen dabei nach offiziellen Angaben ums Leben. Die meisten der Migranten kehrten kurz darauf zurück, aber mehrere Tausend harren weiter in der Exklave aus. Am Strand, in den Straßen von Ceuta und in den umliegenden Hügeln kommt es seitdem zu Vermüllung und teilweise bürgerkriegsähnlichen Zuständen.
Die Bürger in Ceuta fühlten sich „im Stich gelassen“, sagte die in der Exklave für Finanzen zuständige Kissy Chandiramani dem Sender SER zu den Demonstrationen. Die Menschen hätten zwar ein Recht auf Protest, Hass werde die Krise aber auch nicht lösen, fügte sie hinzu. Viele Bürger machen die Flüchtlinge für Sicherheits- und Hygieneprobleme verantwortlich.
Die konservative spanische Opposition fordert, die Menschen zurückzuschicken. Internationale Verträge und spanische Gerichtsurteile untersagen aber Kollektivabschiebungen und schreiben eine Einzelfallprüfung vor. Besonderen Schutz genießen unbegleitete Minderjährige. Es soll sich um etwa 1500 Kinder und Jugendliche handeln. 500 besonders gefährdete von ihnen, vor allem Mädchen, sollen auf das spanische Festland gebracht werden.
Die linke spanische Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez steht wegen der Krise unter starkem Druck. Die Opposition wirft ihr Versagen vor und dass sie die Bewohner Ceutas im Stich lässt. Zudem gibt es aus der Regierung widersprüchliche Angaben, ob es eine Warnung vor dem Massenandrang gab.
Während Verteidigungsministerin Margarita Robles betonte, der ihrem Ministerium unterstehende Geheimdienst CNI habe die Behörden einen Tag vor dem Massenandrang gewarnt, betonten Innenminister Fernando Grande-Marlaska und andere Regierungsmitglieder, es habe keine Warnung vor einem Andrang dieses Ausmaßes gegeben. Am 3. September will sich Sánchez im Parlament zu der Krise erklären.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke