In Caen im Nordwesten Frankreichs ist ein Mann mit einem Auto in eine Menschenmenge gefahren und hat dabei mindestens einen Menschen getötet und zehn weitere verletzt. Laut David Clavière, Präfekt des Département Calvados, in dem Caen liegt, wurden sieben Menschen schwer verletzt, drei weitere Menschen leicht. Die Feuerwehr sprach in einer ersten Bilanz zuvor noch von vier Schwer- und sechs Leichtverletzten.

Die Zeitung „Le Figaro“ berichtete unter Berufung auf Polizeiangaben, dass davon auszugehen sei, dass die meisten der Opfer Ausländer seien – insbesondere aus Afghanistan, Ägypten und Bangladesch. Bei dem Toten handelt es sich nach Angaben von Augenzeugen um einen jungen Afghanen im Alter von 18 oder 19 Jahren. Auch alle Verletzten sind ersten Erkenntnissen zufolge Männer, wie Caens Sicherheitsbeauftragter Bruno Coutanceau sagte. Der jüngste ist demnach 17 Jahre alt.

Ein Video, das die Regionalzeitung „Ouest-France“ veröffentlichte, zeigte ein Großaufgebot an Einsatzkräften vor Ort. Wie aus Polizeikreisen verlautete, hatte der Mann sein Auto gegen 22.15 Uhr in eine Menschenmenge in der Nähe des Bahnhofs der Stadt gesteuert. Das Viertel wurde von den Einsatzkräften weiträumig abgesperrt.

Laut dem News-Portal „actu.fr“ soll der Fahrer mit einem BMW auf Höhe einer Haltestelle in die Menschen gefahren sein. Zuvor soll es laut Medienberichten zu einer Schlägerei in einer nahegelegenen Bar gekommen sein. Die weiteren Hintergründe der Tat sind unklar.

Täter zwanzig Kilometer entfernt festgenommen

Der Tatverdächtige sei gefasst worden, erklärten die Behörden in der Nacht zu Donnerstag. Der 26-Jährige war zunächst geflüchtet, konnte aber in der Gemeinde Ouistreham, rund zwanzig Kilometer nördlich von Caen, festgenommen werden.

„Eine Person russischer Herkunft wurde festgenommen“, sagte Präfekt Clavière. „Er ist den Geheimdiensten nicht bekannt, und bei der Polizei ist er lediglich wegen Verkehrsdelikten aktenkundig.“ Clavière, sagte, der Mann habe die Fußgänger „absichtlich“ überfahren. Wie „Le Figaro“ berichtete, soll es sich bei dem Fahrer um den in Russland geborenen Ibrahim I. handeln. Eine Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Der stellvertretende Staatsanwalt von Caen teilte unterdessen mit, dass ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes und vorsätzlicher Gewaltanwendung mit einer Waffe eingeleitet wurde. Aktuell gehe die Staatsanwaltschaft nicht von einem „terroristischen Akt“ aus. Die Ermittler werten unter anderem die Aufnahmen von Überwachungskameras aus.

Caen liegt in der Normandie und ist mit knapp 110.000 Einwohnern die größte Stadt im Département Calvados.

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