Ob beim Golfen, im Hubschrauber oder im Oval Office: Natalie Harp ist immer ganz nah dran an Donald Trump. Die 35-Jährige begleitet den 80-jährigen US-Präsidenten nahezu rund um die Uhr. So gehörte sie auch zu dem kleinen Kreis von Vertrauten, die Trump nach einer iranischen Bedrohung bei seinem heimlichen Flugzeugwechsel in der Türkei begleiten durften. „Sie ist die Einzige, die mich so sehr liebt wie meine Frau und meine Kinder“, soll Trump über Harp gesagt haben. „Sie wird mich nie verlassen.“

Doch jetzt wird die bislang kaum bekannte „Special Assistant to the President“ selbst zum Politikum. Ausgelöst hat die aktuelle Debatte der demokratische Senator Jon Ossoff. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Georgia spottete er über Trump: „Während die Seeleute auf der Lincoln seinen Krieg führen, während er unsere Munitions- und Ölreserven erfolglos aufbraucht, verschläft der Präsident seine Besprechungen“, sagte Ossoff. „Er will den Job nicht machen. Er will seinen Ballsaal bauen und mit Natalie in ihrem offenbar schutzlosen fliegenden Palast reisen, einem Geschenk des Emirs von Katar“, zitieren der „Guardian“ und die „New York Times“ aus seiner Rede.

Umgehend konterte das Weiße Haus auffällig scharf: „Natalie Harp ist eine der loyalsten und am härtesten arbeitenden Mitarbeiterinnen im Team von Präsident Trump“, erklärte die scheidende Sprecherin Karoline Leavitt.

Doch die enge Verbindung der Assistentin zum Präsidenten sorgt im Washingtoner Politikbetrieb schon länger für Aufsehen.

Selbst Harps Bruder Preston sagte dem TV-Sender CNN, seine Schwester sei von Trump „besessen“ und sprach von einer „sehr ungesunden Beziehung“. Zwar betonte er, die Bindung zwischen seiner Schwester und Trump sei aus seiner Sicht nicht romantischer Natur, doch mehrere US-Medien berichteten, der Secret Service habe ihre außergewöhnliche Fixierung auf den Präsidenten sogar als Sicherheitsrisiko eingestuft. So soll Harp zeitweise ohne abgeschlossene Sicherheitsfreigabe im Umfeld des US-Präsidenten gearbeitet haben. Das Weiße Haus bestätigte die Berichte allerdings bislang nicht.

Die eigentliche Sorge vieler Beobachter geht jedoch in eine andere Richtung: „Sie äußert nie Zweifel, stellt keine Fragen“, wird ein Trump-Berater von CNN zitiert. „Trump mag die Aufmerksamkeit und die Tatsache, dass sie zu 100 Prozent hingebungsvoll und loyal ist.“ Die „New York Times“ beschreibt die Kalifornierin aufgrund ihrer Stellung als zentrale Gatekeeperin, die Nachrichten außerhalb der üblichen Hierarchien direkt an Trump weiterleitet. Einige Berater befürchten, der Präsident bekomme dadurch hauptsächlich vorselektierte Inhalte zu sehen.

Sie druckt dem Präsidenten Artikel aus

Zudem steht Harp offenbar weitgehend außerhalb der üblichen Hierarchien im Trump-Team. Unter anderem soll die 35-Jährige auch den Truth-Social-Account des Präsidenten mitbetreuen, über den Trump regelmäßig für Schlagzeilen sorgt. Im Weißen Haus hat man ihr deshalb schon den Spitznamen „Human Printer“ verpasst. Denn mit einem mobilen Drucker im Gepäck versorgt sie Trump permanent mit ausgedruckten Artikeln, Social-Media-Beiträgen und anderen Informationen.

Allerdings sorgt sie damit auch immer wieder für Ärger. Laut „Wall Street Journal“ steckte angeblich Harp hinter dem später gelöschten Video, in dem Barack Obama als Affe dargestellt wurde, sowie hinter einem KI-Bild, das Trump als Jesus zeigt. Abgestimmt mit dem Kommunikationsteam sei dies nicht gewesen, heißt es.

Wo immer sich Trump befindet: Natalie Harp ist nicht weit entfernt

Als Beleg für die auffällige Verbundenheit zwischen Harp und Trump dienen vorrangig persönliche Briefe, aus denen die „New York Times“ zitiert. Nach einem gemeinsamen Aufenthalt in Schottland schrieb sie an den Präsidenten: „Ich möchte, dass zwischen uns immer alles in Ordnung ist.“ Außerdem habe sie vor lauter Arbeit „vergessen, zu essen“ und sogar „vergessen, zu schlafen“. Der Brief endete mit den Worten: „Von ganzem Herzen, Natalie.“ In einem weiteren Schreiben soll sie Trump laut dem Buch „Regime Change“ sogar erklärt haben: „Du bist alles, was für mich zählt.“

Ein Grund für diese außergewöhnliche Loyalität liegt laut Beobachtern in Harps eigener Lebensgeschichte. Die Kalifornierin erkrankte als Jugendliche an Knochenkrebs und machte später Trumps „Right to Try“-Gesetz dafür verantwortlich, dass sie Zugang zu einer experimentellen Behandlung erhalten habe, berichtet die „Washington Post“. Experten halten einen direkten Zusammenhang zwar für eher unwahrscheinlich. Doch das spielt für Harp offenbar keine Rolle. In einer Dokumentation erklärte sie: „Ich hatte Krebs, und er hat mein Leben gerettet. Er hat dieses Gesetz unterschrieben.“ Trump sei ihr „barmherziger Samariter“.

Dieser wiederum wurde durch einen Fernsehauftritt auf Harp aufmerksam. Ein Jahr später lud er sie als Rednerin zum Parteitag der Republikaner ein. Dort dankte Harp Trump öffentlich mit den Worten: „Ohne Sie wäre ich gestorben.“ Nach eigenen Angaben hielt Trump auch nach ihrer Erkrankung Kontakt zu ihr und erkundigte sich regelmäßig nach ihrem Befinden.

Natalie Harp als Rednerin bei der „Faith & Freedom Coalition Conference“ im Jahr 2019

So wurde aus der Krebsüberlebenden zunächst eine Wahlkampfhelferin, später eine Moderatorin des rechtskonservativen Senders One America News Network und schließlich Trumps Mitarbeiterin im Weißen Haus. Wie weit ihre Hingabe geht, zeigt eine Episode, die in Washington längst als legendär gilt. 2023 soll bei einem Gerichtstermin Trumps in New York kein Platz mehr in der Fahrzeugkolonne frei gewesen sein. Kurzerhand habe sich Harp in den Kofferraum eines SUV begeben, um den Präsidenten nicht aus den Augen zu verlieren.

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