Deutscher in St. Petersburg festgenommen, weil er neun Euro an Stiftung spendete
Die russische Polizei hat einen 41-Jährigen in St. Petersburg festgenommen, weil er eine Spende an die verbotene NGO des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny getätigt haben soll. Russischen Medienberichten zufolge gaben die Behörden an, dass es sich um einen Ausländer aus einem europäischen Land handle. Mehrere russische Medien, darunter das Exilmedium „Meduza“, berichten übereinstimmend, dass der Mann deutscher Staatsbürger sei.
Die regionale Online-Zeitung „Fontanka“ meldet, der Mann sei von Beamten der Wirtschaftspolizei, der Kriminalpolizei und des Inlandsgeheimdienstes FSB in seiner Wohnung festgenommen worden. Dabei seien Laptop und Mobiltelefon beschlagnahmt worden. Ihm werde die Finanzierung von Extremismus vorgeworfen, weil er 900 Rubel (etwa neun Euro) an die Nichtregierungsorganisation FBK gespendet haben soll.
Die Stiftung für Korruptionsbekämpfung wurde 2011 von Alexej Nawalny gegründet. Der Kreml-Kritiker starb im Februar 2024 in einem Gefangenenlager in Sibirien. Die FBK ist in Russland als „extremistische Organisation“ verboten und gilt als „ausländischer Agent“.
Bei dem Festgenommenen soll es sich laut Medienberichten um einen ehemaligen Radsportler handeln, der jahrelang in Deutschland gelebt haben soll. Die von russischen Medien veröffentlichten Angaben zu Name und sportlicher Laufbahn entsprechen den Einträgen in öffentlichen Radsport-Datenbanken.
In St. Petersburg soll der Mann Gründer und Betreiber eines Fitnessstudios und Business-Coach sein. In einem Video der russischen Behörden, das russische Medien veröffentlichten, ist der Mann bei seiner Festnahme zu sehen. Darin wirkt er sichtlich irritiert; eine eigenständige Verifizierung der Aufnahmen ist WELT nicht möglich. Dem Bericht zufolge ist er Vater mehrerer Kinder.
„Fontanka“ berichtete am Montag, der Mann sei bereits seit zwei Tagen in Haft. Das Auswärtige Amt teilte auf Anfrage von WELT mit, der Fall sei bekannt und die Mitarbeiter des Generalkonsulats St. Petersburg seien informiert. Weitere Angaben wolle man zum Schutz der Persönlichkeitsrechte nicht machen.
Einer Recherche des russischen Exilmediums „Mediazona“ zufolge gab es seit dem Verbot von FBK 2021 mindestens 225 Verfahren wegen Spenden an die Organisation. Dabei sei die tatsächliche Zahl vermutlich wesentlich höher, da die Strafverfolgungsbehörden nicht alle Informationen veröffentlichten.
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