Nachdem der Korrespondent der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ („FAZ“), Michael Martens, auf einer Pressekonferenz gefragt hatte, wie man der Ukraine helfe könne, „mehr russische Soldaten zu töten“, sorgt der Vorfall weiter auf höchster Ebene der russischen Politik für Aufregung. Dmitri Medwedjew, stellvertretender Vorsitzender des russischen Sicherheitsrates und ehemaliger Ministerpräsident des Landes, sagte der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti zufolge: „Ich werde diesem Menschen nichts Böses wünschen, aber auch nichts Gutes. Eines Tages wird er seinen Teil der Verantwortung tragen müssen.“

Was Medwedjew mit der angedeuteten Verantwortung genau meinte, ließ er offen. Der Vorsitzende der Partei Einiges Russland betonte, dass man im „Raucherzimmer“ sagen könne, was man wolle. „Aber wenn man eine Frage öffentlich stellt, muss man damit rechnen, dass es eine Antwort geben wird.“

Michael Martens hatte den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Samstag bei einer Pressekonferenz in Belgrad gefragt, was die Europäer tun könnten, um der Ukraine dabei zu helfen, mehr russische Soldaten zu töten. Nach Angaben der „FAZ“ bezog sich die Frage auf aktuelle Debatten unter Verteidigungsexperten darüber, wie die russische Armee in personelle Schwierigkeiten gebracht werden könnte, um Russland zu Friedensverhandlungen zu bewegen.

Auf seinem X-Account schrieb Martens nach Kritik, bei der Frage habe es sich um eine Anspielung auf ein Zitat des britischen Politikers Winston Churchill gehandelt. Der damalige britische Premierminister Churchill soll die Entscheidung über die Unterstützung der jugoslawischen Widerstandsgruppen im Zweiten Weltkrieg auf eine militärische Frage zugespitzt haben: „Wer tötet die meisten Deutschen, und wie können wir ihnen helfen, noch mehr zu töten?“

Das russische Außenministerium hatte bereits am Sonntagabend mit scharfer Kritik an dem Journalisten reagiert. Es bezeichnete ihn unter anderem als „braunen Propagandisten“ und warf ihm vor, Russen zu entmenschlichen und Hass gegen Russland zu legitimieren. Zudem bezeichnete das Ministerium die Äußerung des Journalisten als „revanchistisch“ und kritisierte, dass die Frage im Westen nicht verurteilt worden sei.

Die Pressestelle der „FAZ“ hatte erklärt, die Frage des Reporters sei missverständlich formuliert gewesen. Dies bedauere man. Es sei nicht die redaktionelle Linie der Zeitung, dass möglichst viele russische Soldaten getötet werden sollten. Die „FAZ“ wies allerdings „Diffamierungen und Drohungen“ gegen ihren Korrespondenten als „inakzeptabel“ zurück. Zur Pressefreiheit gehöre das Recht, Fragen zu stellen, gerade auf einer Pressekonferenz.

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