Die am Flughafen Leipzig-Halle gefundene Sprengstoff-Drohne hat deutschlandweit für Aufsehen gesorgt. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach angesichts des Anschlagsversuchs von einer „neuen Bedrohungslage“. Er vermied bislang eine direkte Benennung Russlands als möglichen Schuldigen.

Nicht nur hierzulande halten Experten allerdings kaum einen anderen Akteur für fähig, eine Operation dieser Art durchzuführen. Auch im Ausland ist man sich sicher, dass die Verantwortlichen für den Vorfall in Moskau zu suchen sind. Ein Blick in die internationale Presse:

„Neue Zürcher Zeitung“: Die deutsche Bevölkerung muss Opferbereitschaft zeigen

„Keine Frage: Die hybride Kriegsführung, die von Russland ausgeht, gefährdet die innere Sicherheit in Deutschland enorm“, schreibt die „Neue Zürcher Zeitung“ aus der Schweiz. Der Leipziger Flughafen sei ein wichtiges Drehkreuz der Nato, und Nato-Infrastruktur zu sabotieren, sei ein Spezialgebiet russischer Geheimdienste. „Dem Kreml ist es wiederum schon seit langem ein Dorn im Auge, dass Deutschland in absoluten Zahlen der größte Unterstützer der Ukraine ist.“

Angesichts dieser Bedrohung, die „höchst real“ sei, stelle sich die Frage: „Inwieweit würden die Bürger Einschnitte im zivilen Leben mittragen, damit sie der Staat effektiv bekämpfen kann? Es ist davon auszugehen, dass sich ihre Opferbereitschaft in Grenzen hält.“

Dass die deutsche Regierung nach Möglichkeiten suche, „um der russischen hybriden Kriegsführung angemessen begegnen zu können“. Sie sollte dabei allerdings „nicht die falsche Erwartung wecken, dass sie die Sicherheit der Bürger jederzeit und überall garantieren kann.“

„The Guardian“: Europa hat kaum noch Druckmittel gegenüber Russland

„Auch wenn die Identität der Täter bislang unbekannt ist, deuten die ersten Hinweise deutlich auf eine von Russland orchestrierte Operation hin“, schreibt der in London erscheinende „Guardian“. Jede Art von Plastiksprengstoff sei normalerweise nur für Staaten oder gut organisierte Terrorgruppen zugänglich, „nicht für leichtsinnige Hobby-Drohnenpiloten, die aus Spaß experimentieren“. Die Drohnenbombe von Leipzig markiert demnach „eine gefährliche Eskalation für Europa“.

Der Leipziger Flughafen ist ein sensibles Ziel, da er als europäische Basis der ukrainischen Antonov-Maschinen und zugleich als Nato-Drehkreuz dient. Der „Guardian“ verweist darauf, dass der Flughafen nicht zum ersten Mal Ort eines Drohnen-Zwischenfalls ist und sich in ein europäisches Muster fügt: „Im Juli 2024 explodierte dort eine über DHL verschickte Brandbombe. Eine zweite Sendung gelangte nach Großbritannien und fing in einem Lagerhaus in Birmingham Feuer. Zwei weitere ähnliche Pakete wurden in Polen entdeckt.“

Russland könne bislang Brandanschläge, Störungen und Aufklärung mit Drohnen „mit vergleichsweise geringer Konsequenz“ durchführen. „Moskau unterliegt wegen des Angriffs auf die Ukraine bereits einer breiten Palette westlicher Sanktionen und dürfte davon ausgehen, dass der Westen nur noch über begrenzte zusätzliche Strafmaßnahmen verfügt, die er tatsächlich einzusetzen bereit wäre.“

„Le Figaro“: Die deutsche Drohnenabwehr ist ineffizient

Auch die französische Zeitung „Le Figaro“ verweist auf die Bedeutung des Flughafens Leipzig-Halle: „Aufgrund seiner sehr zentralen Lage im Herzen Europas hat er sich zu einem wichtigen Drehkreuz für Material und Transporte der Nato entwickelt. Die Allianz richtete dort bereits 2006 eine Basis ein, die seit der russischen Invasion in der Ukraine besonders intensiv genutzt wird.“ Deutschland sei bereits seit Jahren „Ziel zahlreicher Überflüge durch Drohnen oder andere nicht identifizierte Flugobjekte“.

Zwar habe die deutsche Regierung im Dezember 2025 das Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum eingerichtet, „Le Figaro“ erinnert jedoch an die Kritik an dem Zentrum, wonach es nicht effizient genug arbeitet. „Nach dem beispiellosen Vorfall in Leipzig dürfte dieser Plan nun wohl überarbeitet werden müssen.“

„De Telegraaf“: Der Krieg kommt näher

„Mit dem versuchten Anschlag auf dem Flughafen von Leipzig – einem wichtigen Knotenpunkt für Militärtransporte in die Ukraine – ist der Drohnenkrieg einen Schritt näher gerückt“, schreibt die niederländische Zeitung „De Telegraaf“. „Nach einer Reihe von Vorfällen mit Spionagedrohnen in Europa war Deutschland nun vermutlich das Ziel des ersten Angriffs mit einer Bombendrohne.“

Auch „De Telegraaf“ vermutet Russland hinter dem Vorfall, da es „dabei ist, den hybriden Krieg gegen den Westen mit allen damit verbundenen Risiken zu eskalieren“. Ziel des Kremls sei es, Europa zu destabilisieren und die Unterstützung für die Ukraine zu untergraben.

„Das Auftauchen einer mit dem Sprengstoff Semtex beladenen Drohne in einem Nato-Mitgliedstaat muss dem Bündnis große Sorge bereiten: Der hybride Krieg hat nun möglicherweise eine neue, äußerst gefährliche Phase erreicht.“

„Tages-Anzeiger“: Russland eskaliert seine hybride Kriegsführung

„Vieles deutet darauf hin, dass die Spur nach Russland führt“, schreibt auch der ebenfalls in Zürich erscheinende „Tages-Anzeiger“. „Im Kreml gehört der hybride Krieg seit den 2010er-Jahren zur staatlichen Strategie. Gemeint sind Cyberangriffe, Sabotageaktionen und andere Aktionen, mit denen westliche Gesellschaften destabilisiert werden sollen. Seit der Invasion in der Ukraine haben sie stark zugenommen.“

Für Russland spreche außerdem die mutmaßliche Verwendung des Sprengstoffs Semtex. „Spekulationen, wonach Einzelpersonen mit prorussischer Gesinnung eigenmächtig handelten, gelten bei Fachleuten hingegen als unwahrscheinlich.“

Der Vorfall markiere „eine neue Eskalation der hybriden Kriegsführung“. Es stelle sich die Frage, ob hier noch von ‚hybridem Krieg‘ gesprochen werden kann, „oder ob schon die Schwelle zu einer Militäroperation erreicht ist.“

„Politico“: Der Kreml will Einfluss auf die Ost-Wahlen nehmen

Die europäische Ausgabe von „Politico“ (gehört wie WELT zu Axel Springer) hebt auf die möglichen innenpolitischen Konsequenzen des Vorfalls ab: „Eine mit Sprengstoff beladene Drohne, die am Flughafen Leipzig entdeckt wurde, schürt Befürchtungen über eine mögliche ausländische Einflussnahme auf die bevorstehenden deutschen Landtagswahlen“, schreibt das englischsprachige Nachrichtenportal. „In diesen Wahlkämpfen haben insbesondere Politiker vom rechten Rand vor einer weiteren Eskalation gegenüber Moskau gewarnt.“

Ohnehin werde dem Kreml vorgeworfen, zu versuchen, Einfluss auf die Wahlen im September in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern nehmen zu wollen. „In diesen ostdeutschen Bundesländern ist die Sympathie für Russland vergleichsweise ausgeprägt, und die AfD könnte dort erstmals die Regierung eines Bundeslandes übernehmen.“

Der Vorfall könnte gezielt dafür sorgen, dass in Deutschland ein „Gefühl der Unsicherheit“ entsteht, was populistischen Parteien zugutekommen könne. „Der Drohnen-Vorfall könnte in Deutschland die Sorge verstärken, dass die Unterstützung der Ukraine den Krieg zunehmend näher an das eigene Land heranrücken lässt.“

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