„Hinterfragen, warum Leute so dermaßen am Rad drehen“ – Krumbiegel zeigt Verständnis für AfD-Wähler
Der Sänger der Leipziger Band Die Prinzen, Sebastian Krumbiegel, hat für mehr Verständnis gegenüber AfD-Wählern geworben, ohne deren Wahlentscheidung zu billigen. „Ich bin weit davon entfernt, jeden, der AfD wählt, zu beschimpfen“, sagte der 60-Jährige im „Playboy“.
Er verstehe etwa „Leute auf dem Land“, die sich wegen fehlender Infrastruktur oder mangelnder Angebote an Kneipen oder Klubs abgehängt fühlten. Dies sei zwar „natürlich kein Grund, rechtsaußen zu wählen“, aber es sei nötig, zu „verstehen, warum Menschen das tun“, ergänzte Krumbiegel. „Das sind ja trotz allem keine Zombies.“
Zugleich grenzte sich der Musiker von rassistischen und antisemitischen Positionen ab. „Wer rassistischen oder antisemitischen Unsinn erzählt, dem muss man sagen – bis hierhin und nicht weiter.“
Krumbiegel äußerte sich besorgt über einen weltweiten „Rückfall in nationalstaatliche und völkische Gedanken“. Die politischen Entwicklungen seien „ziemlich beängstigend, und das nicht nur im Osten“. Aber es sollte hinterfragt werden, „warum die Leute so dermaßen am Rad drehen“. Den Menschen müssten wieder Angebote gemacht werden, die ihr Leben besser machten und nicht alles kaputtgespart werden.
Zuletzt hatte der Sänger im April anlässlich des 81. Jahrestags der Befreiung des nationalsozialistischen Konzentrationslagers Mittelbau-Dora vor einem Wiedererstarken reaktionärer und antisemitischer Entwicklungen gewarnt.
„Mit Worten geht es los, die Worte finden in Talkshows statt und mittlerweile auch in Parlamenten – und nicht nur von ganz rechts, sondern teilweise eben auch von Konservativen“, sagte Krumbiegel in seiner Rede während der Gedenkveranstaltung zur Lagerbefreiung. Der Korridor zwischen konservativen und reaktionären Haltungen sei oft sehr schmal.
Die US-Truppen fanden bei der Befreiung am 11. April 1945 einige hundert kranke und sterbende Häftlinge vor, die die SS bei der Räumung des Lagers zurückgelassen hatte. Die meisten waren in den Tagen zuvor auf „Todesmärsche“ geschickt worden.
Krumbiegel, der für sein Eintreten für Menschenrechte, Demokratie und Antifaschismus bekannt ist, forderte zugleich, jeglichem Antisemitismus entgegenzutreten, „sowohl dem von rechts als auch von links und von religiös-muslimischer Seite“.
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