Iraner wieder frei – Zweiter Verdächtiger soll seit zwei Jahren ausreisepflichtig sein
Nach dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) in Berlin ist ein zunächst festgenommener zweiter Verdächtiger wieder frei. Wie die „Bild“ nun erfuhr, soll der Iraner bereits seit 2024 ausreisepflichtig gewesen sein.
Während des Anschlags soll sich der Mann neben dem Tatort aufgehalten und eine Kopfverletzung gehabt haben. Da die Frontscheibe auf Höhe des Beifahrersitzes eingeschlagen war, ging man von seiner Beteiligung aus. Der Verdacht konnte sich jedoch nicht erhärten, im Fahrzeug wurden keine DNA-Spuren des Mannes gefunden. Der Mann sei daraufhin entlassen worden, teilte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft am Montag mit.
2011 soll der Iraner dem Bericht nach im Alter von 14 Jahren gemeinsam mit seiner Mutter nach Deutschland gekommen sein. Laut seiner Asylakte soll er wegen mehrfacher gefährlicher Körperverletzung, tätlichen Angriffs gegen Vollstreckungsbeamte, Bandendiebstahl und räuberischer Erpressung vorbestraft gewesen sein.
Auf Anfrage der „Bild“, warum der Mann nicht in Abschiebehaft saß, verwies die Polizei erst auf die Generalbundesanwaltschaft. Dort sagte man, Abschiebungen seien Sache des Landes. Terror-Experte Peter Neumann sagte gegenüber der Zeitung, dieser Fall sei bezeichnend dafür, dass „selbst gut funktionierende Behörden mit der Zahl der Fälle, mit der wir aktuell zu tun haben, überlastet werden. Wir haben zu viele Leute, die abschiebepflichtig sind, und wahrscheinlich zu wenige Plätze in Abschiebehaft, und deswegen funktioniert dieses System nicht.“
CDU-Politiker Alexander Throm sagte der „Bild“: „Völlig unverständlich ist mir, warum ein solcher Seriengewalttäter nicht sofort in Abschiebehaft kommt.“
Der CSD in Berlin war am Samstagabend abgebrochen worden, nachdem ein Autofahrer am Rande der Großveranstaltung in eine Menschenmenge gefahren war. Eine Frau aus Polen wurde getötet, 29 weitere Menschen wurden verletzt. Der Fahrer verließ laut Polizei das Auto und floh.
Am Sonntagabend wurde der mutmaßliche Täter Abdul Ballout getötet. Bei einem Polizeieinsatz in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau sei der 21-Jährige mit einer Stichwaffe auf die Einsatzkräfte zugelaufen. Das Berliner SEK habe auf ihn geschossen. „Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen durch die Berliner Feuerwehr verstarb er noch am Einsatzort“, so die Polizei.
Im vergangenen Jahr hatte der Deutsche mit libanesischen Wurzeln mehrmals versucht, sich im Ausland dem bewaffneten Kampf der Terrormiliz Islamischer Staat anzuschließen. Ein libanesisches Militärgericht habe ihn zu drei Monaten Haft verurteilt. Nach seiner Haftentlassung sei er im November 2025 nach Deutschland zurückgekehrt und noch am Flughafen BER erneut festgenommen worden. Monatelang war er in Untersuchungshaft in Deutschland, ehe er am 12. Mai von einem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Tiergarten „wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat in einem Fall sowie der Zuwiderhandlung gegen ein vollziehbares Verbot nach dem Vereinsgesetz in zwei Fällen zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten“ verurteilt wurde. Das Gericht hob demnach einen bestehenden Haftbefehl auf.
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