Ein Autofahrer hat am Rande des Christopher Street Day in Berlin mehrere Menschen angefahren. Es gibt ein Todesopfer, bestätigte die Polizei. 14 weitere Menschen würden wegen Verletzungen derzeit behandelt, sagte Polizeisprecher Florian Nath. Vier Menschen seien lebensgefährlich verletzt.

Die Polizei sei mit „starken Polizeikräften im Einsatz“ und fahnde mit Hochdruck nach dem Täter oder den Tätern, sagte ein Sprecher. „Die Verletzten werden aktuell von Rettungskräften behandelt.“ Polizisten leuchteten den Bereich zwischen Potsdamer Platz und der Südseite des Tiergartentunnels aus. Sie suchten nach Spuren.

Die Abschlusskundgebung des Christopher Street Days (CSD) vor dem Brandenburger Tor wurde abgebrochen. Die Veranstalter riefen die Besucher am Samstagabend auf, das Gelände zu verlassen.

Das ist über den Tathergang bekannt

Kurz vor 22 Uhr soll ein Fahrer mit einem weißen Fahrzeug im Großen Tiergarten über den Ahornsteig parallel zur Lennéstraße gefahren sein und mehrere Menschen angefahren und womöglich auch umgefahren haben, teilte die Polizei mit. Das Auto kollidierte dann mit einem Baum. Der Fahrer habe das Fahrzeug verlassen und sich in unbekannte Richtung entfernt. Die Hintergründe sind noch unklar. „Wir wissen momentan noch nichts über irgendwelche Motivlagen, über die Person des Täters oder Ähnliches“, sagte ein Sprecher.

Die „Bild“-Zeitung veröffentlichte ein Foto eines weißen Transporters, bei dem es sich um das Tatfahrzeug handeln soll. Laut der Zeitung soll auch die Spezialeinheit GSG 9 alarmiert worden sein.

„Bitte verlasst das Gelände ruhig und geordnet. Bitte meidet die Siegessäule und den Tiergarten. Verlasst das Gelände Richtung Hauptbahnhof“, teilten die Veranstalter bei Instagram mit. Auf dem großen Bildschirm am Brandenburger Tor stand in Signalfarben das Wort „Evakuierung“. Der Bereich wurde weiträumig abgesperrt. Wo gerade noch Menschen gefeiert haben, waren nur noch Einsatzfahrzeuge und Blaulicht zu sehen. Am Straßenrand saßen Menschen und weinten.

Bei diesem Transporter soll es sich um das Tatfahrzeug handelnDie Polizei bittet die Bürger, den Bereich um den Tiergarten zu meidenAuch zahlreiche Rettungskräfte der Feuerwehr sind im EinsatzCSD-Teilnehmer verlassen das Gelände

Das sind die ersten Reaktionen aus der Politik

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sprach von einem „Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft“. „Nach einem friedlichen und bunten CSD wurde die Versammlung für ein tolerantes und friedliches Berlin auf brutalste Art attackiert“, teilte er mit.

„Berlin ist die Stadt der Freiheit – und unsere Freiheit ist heute aufs Schrecklichste angegriffen worden“, erklärte Wegner weiter. „Meine Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien und Freunden.“

Wegner dankte den Veranstaltern dafür, dass die Veranstaltung sofort abgebrochen und evakuiert worden sei: „Ich denke, das war eine wichtige Maßnahme, die sehr, sehr gut funktioniert hat. Auch mit den Veranstaltern, mit dem CSD-Verein in enger Abstimmung und gut organisiert. Und deswegen bin ich nicht nur der Berliner Polizei dankbar, sondern wirklich auch dem Veranstalter, der dafür gesorgt hat, dass es hier einen ganz ruhigen Abfluss gab, keine Panik auftrat, sondern dass die Menschen diesem Platz verlassen konnten.“

Der Berliner Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler warnte vor Spekulationen über den Hintergrund. Danach gefragt, ob es irgendwelche Hinweise für einen politischen oder kriminellen Hintergrund gebe, sagte der SPD-Politiker, dazu könne man im Moment noch nichts zu sagen. Es sei auch besser, noch nicht zu spekulieren. „Es hat sich ja auch nicht in der Veranstaltung selber abgespielt, sondern tatsächlich im Tiergarten.“ Das mache die Sache nun auch unübersichtlich.

Gaebler, der Innensenatorin Iris Spranger während ihres Urlaubs vertritt, zeigte sich bestürzt über den Vorfall – insbesondere bei einer Veranstaltung, bei der Hunderttausende „für Vielfalt, für Zusammenleben und für Achtung voreinander demonstriert haben“. „Und insofern ist das natürlich noch mal ein Beweis dafür, dass man das nicht oft genug machen kann“, sagte Gaebler.

Hunderttausende Menschen nahmen am Samstag in Berlin an der diesjährigen Großkundgebung zum CSD teil. Die Demonstration mit rund 80 Trucks führte bis zur Siegessäule und sollte mit der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor enden. Dort trat unter anderem Sängerin Sarah Connor auf.

Die jährlich organisierten CSD-Kundgebungen erinnern an den 28. Juni 1969, als die Polizei die Schwulenbar „Stonewall Inn“ in New York stürmte. Es folgten tagelange Zusammenstöße mit Aktivisten, die als Geburtsstunde der modernen Schwulen- und Lesbenbewegung gelten.

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