Nach dem Tod eines Marokkaners bei einem Polizeieinsatz in Bologna hat die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni eine lückenlose Aufklärung der Vorkommnisse verlangt. Es müsse „der Wahrheit auf den Grund“ gegangen werden, schrieb die rechtsgerichtete Regierungschefin am Dienstag im Onlinedienst X. „Es ist zwingend, dass etwaige Verantwortlichkeiten mit der größten Unerbittlichkeit festgestellt werden.“ Die Aufklärung müsse „ohne Vorurteile und Gefälligkeiten wem auch immer gegenüber“ geleistet werden.

Nach dem Tod des 42-jährigen Marokkaners im norditalienischen Bologna, der im Alter von fünf Jahren nach Italien gekommen war und gültige Papiere hatte, waren am Montag Ermittlungen eingeleitet worden. Abderrahim Fakir war Videobildern zufolge von zwei Polizisten, die auf ihm saßen und ihn festhielten, über Minuten mit dem Bauch nach unten auf den Boden gedrückt worden. „Zu Hilfe, zu Hilfe! Es reicht!“, rief er, während Rettungssanitäter danebenstanden und zusahen.

Der Marokkaner blieb dann reglos mit dem Gesicht nach unten auf dem Asphalt liegen, während die Polizisten ihm Hände und Füße fesselten. Nach einer Weile drehten Sanitäter den Mann auf den Rücken und transportierten ihn ab. Die Ermittlungen richten sich nun gegen die zwei Polizisten und die vier Sanitäter. Es wurde auch eine Autopsie des Opfers angeordnet.

Die Hintergründe der Festnahme waren zunächst unklar. Nach italienischen Medienberichten sprachen die beteiligten Polizisten von einer psychiatrischen Krise des Mannes.

Heftige Proteste am Montag

In Bologna kam es am Montag zu heftigen Protesten. Tausende Menschen gingen auf die Straße und forderten Gerechtigkeit für Abderrahim Fakir. Bei Zusammenstößen mit der Polizei wurden 64 Angehörige der Sicherheitskräfte verletzt, wie die Polizei mitteilte. Nach Angaben des Senders Sky TG24 wurden auch elf Demonstranten verletzt. Für Dienstag gab es erneut Aufrufe zu Demonstrationen in verschiedenen Städten, darunter Mailand, Florenz und Neapel.

Aktivisten und Sicherheitskräfte stehen sich bei Auseinandersetzungen in Bologna am Montag gegenüber

Der Fall erinnert an den Tod des Schwarzen George Floyd in den USA, der ebenfalls von Polizisten auf den Boden gedrückt worden und bei dem brutalen Polizeieinsatz gestorben war. Der Fall wurde auch mit dem Vorgehen der umstrittenen US-Einwanderungsbehörde ICE verglichen.

Der Rechtsaußen-Vizeregierungschef Matteo Salvini verteidigte den Polizeieinsatz. Die Beamten hätten sich „professionell verhalten“, sagte er am Montag. Die Senatorin Ilaria Cucchi von den Grünen hingegen prangerte eine „unmenschliche Tat“ an und warf der Regierung vor, „Hass und Rassismus“ zu fördern.

Die Schwester von Fakir, Khadija, erhob schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Der Zeitung „Corriere della Sera“ sagte sie: „Die Polizei muss uns beschützen. Wenn jemand aufgeregt ist, dann muss man ihn beruhigen und ihn nicht wie einen Hund töten.“

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