Ukraine greift „russisches Amazon“ an – „Das Einzige, das noch zur Eskalation birgt“
Bei ukrainischen Angriffen auf Russland wurde am Wochenende ein Logistikzentrum des Versandhändlers Wildberries – dem russischen Pendant zum US-Händler Amazon – getroffen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP, die sich auf russische Behördenangaben beruft, sei der Angriff schwerwiegend gewesen: So sollen bei der Attacke auf zwei Einrichtungen des Versandhändlers acht Menschen getötet worden sein.
Die unabhängige russische Nachrichtenseite „iStories“ sprach auf Telegram davon, dass eine Fläche von 359.600 Quadratmetern abgebrannt sei. Zudem seien mehr als 50 Personen verletzt worden.
Der russische Online-Versandhändler Wildberries teilte lediglich mit, dass am Wochenende ein Logistikzentrum in Koledino nahe Podolsk aus Sicherheitsgründen lediglich evakuiert worden sei. Der Betrieb sei aber wieder aufgenommen worden.
Anwohner von Elektrostal beobachten den Brand beim russischen Versandhändler WildberriesSelenskyj schrieb im Onlinedienst X von Angriffen auf zwei „bedeutende Logistikzentren in den Regionen Moskau und Tambow“, die mehr als 500 und fast 700 Kilometer von der Frontlinie entfernt seien. Diese Zentren seien für die Lieferung „von mit Sanktionen belegten Bauteilen für die Drohnenproduktion und Navigationsausrüstung“ genutzt worden.
Demgegenüber führte Russland am Wochenende eine seiner bislang größten Attacken mit ballistischen Raketen auf Kiew aus. Die russische Armee habe das ukrainische Staatsgebiet mit insgesamt mehr als 40 Raketen verschiedener Typen attackiert, die meisten davon seien auf die ukrainische Hauptstadt gerichtet gewesen. Von 25 ballistischen Raketen seien 17 abgefangen worden, erklärte die Luftwaffe.
Ein Mensch sei getötet worden, erklärte Selenskyj, 16 weitere Menschen wurden nach seinen Angaben verletzt. Auch in Odessa wurde ein Jugendlicher getötet und zwölf Menschen seien verletzt. In Charkiw seien vier Menschen bei russischen Angriffen getötet worden, erklärte der zuständige Gouverneur.
Russland attackiert ukrainischen Logistikkomplex
Russland bestreitet, Zivilisten ins Visier zu nehmen. Moskau erklärte, es habe militärische Einrichtungen und Logistikzentren in Kiew sowie Hafeninfrastruktur der ukrainischen Armee in der Schwarzmeerstadt Odessa angegriffen.
Der österreichische Militärexperte und Oberst des Bundesheeres, Ulrich Reisner, schilderte gegenüber „ntv“, bei den russischen Attacken handelte es sich um einen gezielten Gegenangriff.
Russland habe nämlich das ukrainische Wildberries-Gegestück ins Visier genommen: „Sie haben einen sehr wichtigen Logistikkomplex namens AMTEL angegriffen. Auch hier sind große Lagerhallen mit über 100.000 Quadratmetern beschädigt oder zerstört worden (...) Wir sehen hier, dass beide Seiten bei den strategischen Luftangriffen Schritt für Schritt, Woche für Woche immer weiter eskalieren, weil es die einzige Ebene ist, die noch Möglichkeiten zur Eskalation birgt.“
An der Front könnten nämlich weder die Ukrainer noch die Russen vor oder zurück. Dort herrsche weitgehend Stillstand, so Reisner. Da die russische Armee aber dennoch über ein so großes Potenzial an Raketen verfüge, dass sie über den Winter hinaus einen „massiven strategischen Luftkrieg“ gegen die Ukraine führen könne, versuche die Ukraine, ihren Druck auf Russland „bis zur Unerträglichkeit zu erhöhen“.
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