Absage an Magyar – Schach-Großmeisterin Polgar will nicht Präsidentin Ungarns werden
Die ungarische Schach-Großmeisterin Judit Polgar hat einen Vorschlag von Ungarns Regierungschef Péter Magyar abgelehnt, die neue Präsidentin des Landes zu werden. „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich die Kraft habe, die historische Verantwortung für die Vereinigung einer gespaltenen Nation zu übernehmen“, schrieb Polgar am Montag in Onlinediensten. „Daher kann ich die Einladung nicht annehmen.“
Magyar hatte zuvor auf Facebook erklärt, dass er Polgar am Montag treffen und sie um die Übernahme des Amtes der Staatschefin bitten wolle. „Unser Land braucht Einheit, Frieden und einen Präsidenten, auf den alle Ungarn stolz sein können“, erklärte Magyar.
Die 49-jährige Polgar gilt als die größte Schachspielerin aller Zeiten. Sie war rund ein Vierteljahrhundert lang die Nummer eins der Frauen im Schach und ist bis heute die einzige Frau, die es unter die besten Zehn aller Kategorien weltweit geschafft hat.
Polgar errang aufsehenerregende Siege gegen Schachlegenden, etwa 2002 gegen den Russen Garri Kasparow. Immer wieder schilderte sie sexistische Vorurteile in der Schachwelt, gegen die sie sich durchsetzen musste. 2014 zog sie sich aus dem Schach-Wettkampfsport zurück.
Polgar hat kaum Verbindungen zu Parteien und genießt in Ungarn große Bekanntheit. Für das Präsidentenamt war ihr Name in einem offenen Brief vorgeschlagen worden, der von verschiedenen ungarischen Persönlichkeiten unterzeichnet worden war – darunter dem Erfinder des Zauberwürfels, Erno Rubik.
Der bisherige Präsident Tamas Sulyok, ein Vertrauter von Ex-Regierungschef Viktor Orbán, hatte aufgrund einer Verfassungsänderung sein Amt verloren. Das ungarische Parlament hatte in der vergangenen Woche eine Verfassungsänderung zu seiner Absetzung verabschiedet. Sulyok kritisierte die Verfassungsänderung am Samstag zwar, sagte jedoch, er habe keine Möglichkeit, dagegen vorzugehen. Sein letzter Tag als Staatsoberhaupt war am Sonntag.
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