Selenskyj baut Regierung um – Chef von Energiekonzern soll Ministerpräsident werden
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will den bisherigen Leiter eines staatlichen Energiekonzerns zum Regierungschef machen. Den Antrag zur Ernennung von Serhij Korezkyj zum Ministerpräsidenten reichte er im Parlament ein, wie Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk bei Facebook schrieb. „Das Parlament wird ihn in Kürze entsprechend dem festgelegten Verfahren prüfen“, fügte er hinzu. Wann die Abstimmung darüber erfolgen soll, gab Stefantschuk nicht bekannt. Es wird davon ausgegangen, dass sie bereits am Donnerstag erfolgt.
Korezkyj leitete bisher den staatlichen Energiekonzern Naftogaz. Selenskyj hatte ihn zuvor bei einer Pressekonferenz im Hinblick auf die laufenden Vorbereitungen für den kommenden Winter als besonders geeignet bezeichnet.
Serhij Korezkyj leitete bisher den ukrainischen Energiekonzern NaftogazAm Sonntag hatte Selenskyj eine Regierungsumbildung verkündet, die unter anderem den Rücktritt der ukrainischen Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko beinhaltete. Am Dienstag stimmte die Oberste Rada, das Parlament, ihrem Rücktritt zu. Dieser zog automatisch die Entlassung des gesamten Ministerkabinetts nach sich. Der bisherige Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow gab am Mittwoch in einem Beitrag bei Telegram zu verstehen, dass Selenskyj ihn nach nur etwa sechs Monaten nicht mehr nominieren dürfte.
„Es war eine große Ehre, dem ukrainischen Volk als Verteidigungsminister zu dienen“, erklärte Fedorow. In einer langen Stellungnahme auf Telegram zählte er die Erfolge seines Ministeriums auf, dessen Leitung er im Januar übernommen hatte. Fedorow verwies insbesondere auf die Entwicklung der Produktion und Nutzung von Drohnen. „Wir haben in vier Monaten mehr Drohnen beschafft als im gesamten vorangegangenen Jahr“, erklärte er. In einer zweiten, kürzeren Stellungnahme legte er seine Misserfolge dar.
Fedorow war jüngster ukrainischer Verteidigungsminister
Mit einem Alter von 35 Jahren bei seiner Ernennung war Fedorow der jüngste Verteidigungsminister, den die Ukraine je hatte. Er hatte die Leitung des Ministeriums mit dem Auftrag übernommen, der ukrainischen Kriegsmaschinerie nach vier Jahren Krieg neue Energie einzuhauchen. Er war ein früher Befürworter des zunehmenden Einsatzes von Drohnen gewesen, die mittlerweile unverzichtbar an der Front sind. Im Gespräch für den Schlüsselposten des Verteidigungsressorts ist der derzeitige Innenminister Ihor Klymenko.
Auslöser für die Umgestaltung des Kabinetts ist dabei nach unbestätigten Medienberichten das Ausscheiden der ukrainischen Botschafterin in den USA, Olha Stefanischyna, aus dem diplomatischen Dienst. Anlass sollen wiederum Korruptionsermittlungen wegen eines Immobilienkaufs im ersten Kriegsjahr in ihrer Zeit als Ministerin für EU- und Natointegration sein. Stefanischyna hatte den Botschafterposten erst im August 2025 angetreten. An ihrer Stelle soll den Berichten zufolge Swyrydenko Botschafterin in Washington werden.
Die Ukraine wehrt sich seit Februar 2022 gegen eine russische Invasion. Es ist seitdem der dritte Wechsel des Regierungschefs und der vierte Austausch des Verteidigungsministers.
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