Und dann kam Trump raus und sagte: „Alle lieben mich. Ich liebe alle“
Ich war diese Woche beim Nato-Gipfel in Ankara dabei – und es war ein Gipfel voller spektakulärer Momente. Ich hatte dort mein zweites Interview mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte. Das erste fand Anfang des Jahres bei der Sicherheitskonferenz in München statt. Rutte ist und bleibt ein unerschütterlicher Optimist. Der Mann, den ihr im Fernsehen seht, ist derselbe, den ihr hinter den Kulissen trefft: unermüdlich darauf bedacht, die Allianz zusammenzuhalten.
Und in dieser Ära der Nato bedeutet die Familie zusammenzuhalten hauptsächlich eines: Daddy glücklich zu machen. Und wer ist Daddy? Natürlich Donald Trump. Rutte hat sich beim Gipfel in Ankara regelrecht verbogen, um sicherzugehen, dass der Präsident das Treffen mit einem guten Gefühl verlässt.
Das war zu Beginn des Tages keineswegs garantiert. Trump saß neben Rutte vor Beginn des eigentlichen Gipfels und kritisierte scharf, wie die Nato den Konflikt mit dem Iran gehandhabt hatte, wie sie mit Grönland umging. Er drohte Spanien mit Handelssanktionen. Den Iran nannte er wörtlich „scum“ – also Abschaum. Rutte saß still daneben und schaute zu.
Dann kam der Umschwung – und er war radikal: das große Meeting der 32 Staats- und Regierungschefs. Nachrichten aus dem Saal erreichten mich hinter den Kulissen. Trump komplimentiert jeden. Die Stimmung ist herzlich. Es werden Witze gemacht. Es ist fast ein Liebesfest.
Leute, die mir aus dem Saal schrieben, sagten: „Das ist etwas schockierend – aber gut.“ Und dann kam Trump raus und sagte: „Alle lieben mich. Ich liebe alle – sogar die, von denen ich dachte, ich möge sie nicht so sehr. Sie haben wirklich einen Zahn zugelegt. Das war die geeinteste Nato, die ich je erlebt habe.“
Ruttes Taktik: Trump hatte recht – mit allem
Die Stimmungsschwünge waren spürbar – im Saal, außerhalb des Saals, überall auf dem Nato-Campus. Aber der rote Faden dahinter war klar: Ruttes Taktik lautet, Trump in allem rechtzugeben. Er hatte recht, Europa zu mehr Ausgaben zu drängen. Er hatte recht, beim Iran hart zu sein. Er hatte recht, die Verbündeten unter Druck zu setzen, damit sie militärisch mehr leisten.
Viele Verbündete sind genervt von dieser Haltung. Aber das positive Ende des Gipfels war maßgeblich Ruttes Kurs zu verdanken. Was das inhaltlich bedeutet? Große Frage. Denn viele Verbündete sehen Trump inzwischen als „mehr bellen als beißen“. Er droht, zieht zurück, droht, zieht zurück. Aber der Gipfel endete besser, als wir alle erwartet hatten.
Für die Delegierten und Diplomaten, die Trump nicht regelmäßig begegnen, ist dieser Mann nach wie vor ein absolutes Phänomen. Überall auf dem Gipfelgelände drehte sich alles um ihn: Was wird er sagen? Was wird er tun?
Die völlig verspätete Pressekonferenz von Trump nach Ende des Gipfels war – ich sage es so, wie es war – irre. Ausländische Journalisten stürmten regelrecht in den Saal. Wir saßen wie Sardinen, ich auf dem Boden, umgeben von lauter Kollegen. Die Atmosphäre fühlte sich an wie eine Show. Wie das Warten auf einen Celebrity-Auftritt. Die Spannung, bevor er die Bühne betritt.
So fühlt sich Weltpolitik im Jahr 2026 an.
Dasha Burns ist Playbook Chief Correspondent und White House Bureau Chief bei der WELT-Partnerpublikation „Politico“.
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