Ex-Merkel-Berater warnt vor russischen „Vergeltungsschlägen auf Deutschland“ – Kiesewetter empört
Erich Vad, Brigadegeneral a. D. der Bundeswehr, hat bei Markus Lanz in der gleichnamigen Sendung am Donnerstagabend ein düsteres Bild gezeichnet. Es wurde nicht nur die Frage „Wie weiter in der Ukraine?“ diskutiert, sondern auch die Frage: Wie sieht der Krieg der Zukunft aus?
Vad, militärischer Berater der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), warnte in Bezug auf Russland: „Es kommt der Tag, wo sie Vergeltungsschläge auf Europa, auf Deutschland durchführen. Erst konventionell und wenn es sein muss, gehen sie eine Etage höher.“
Der 69-Jährige plädierte für den Wiederaufbau diplomatischer Beziehungen mit Russland. Auf Nachfrage sagte er, dass der jetzige Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) „die Gesprächskanäle dringend wieder aufnehmen“ müsse. Die USA würden dies seit eineinhalb Jahren tun, „und wir sind stolz drauf, dass wir mit den Russen nicht reden“, sagte der frühere General, der seit dem Einmarsch Russlands in der Ukraine immer wieder als „Putinversteher“ kritisiert wurde. Stärke zeigen und dialogbereit sein würde sich nicht ausschließen, betonte Vad.
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Seine Warnung: „Als Militärexperte treibt mich das um: Wir werden, wenn wir so weitermachen, in einem Krieg mit Russland landen.“
Kiesewetter widerspricht bei „Markus Lanz“ energisch
Das sah Verteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter (CDU) anders und widersprach: „Die Bundesregierung steht an der Seite der Ukraine.“ Deswegen könne sie nicht Verhandlerin zwischen Russland und der Ukraine sein. „Wir müssen alles tun, dass dieses Land eine Chance auf Selbstbestimmung hat.“ Kiesewetter stimmte Vad aber zu, dass es einen „europäischen Sitz in möglichen Verhandlungen“ geben müsste.
Angesprochen auf die von Merz vorgeschlagene Idee eines Sonderstatus der Ukraine in der EU, sagte Vad: Eine EU-Mitgliedschaft sei „hochgefährlich“. Es sei richtig, die Ukraine an Europa zu binden und dem Land beim Wiederaufbau zu helfen. Aber mit einer Mitgliedschaft „holen wir den Krieg und den Konflikt mit Russland nach Europa“. Hier entspann sich ein heftiger Wortwechsel.
„Das ist doch dummes Gerede“, sagt Erich Vad
Kiesewetter: „Nein, die Ukraine schützt uns gerade. Sie bildet Bundeswehrsoldaten aus.“
Vad: „Herr Kiesewetter, Sie wären ein super ukrainischer Verteidigungsminister (...). Ich will einen Krieg hier nicht haben in Deutschland, weil Deutschland im Zentrum ist. Wir sind Aufmarschgebiet der Nato, logistische Drehscheibe der Nato. Wenn es einen europäischen Krieg gibt, läuft er in unserem Land.“
Kiesewetter: „Sie überbewerten Deutschland und machen anderen Nachbarländern Angst.“
Markus Lanz im Gespräch mit CDU-Politiker KiesewetterVad: „Nein, das ist die große Gefahr. Dann werden sie russische Raketeneinschläge hier in unserem Land haben.“
Kiesewetter: „Sie machen unseren Bürgern Angst.“
Vad: „Sie machen mir Angst mit Ihrem politischen Gerede, mit Ihrer Rhetorik, die einfach in einen Krieg treibt.“
Kiesewetter: „Sie haben vor vier Jahren schon die Ukraine aufgegeben. (...) Sie lagen in allen Ihren Einschätzungen falsch.“
Vad: „Das ist doch dummes Gerede.“
Kiesewetter: „Die Ukraine ist auf dem Weg, mit technologischer Überlegenheit ihre Menschen zu schützen. Und das Schicksal der Menschen lässt sie kalt.“
Vad: „Nein, das ist nicht wahr. Ich will Ihnen mal eins sagen, Herr Kiesewetter. Dieser Krieg läuft jetzt im 5. Jahr.“
Kiesewetter: „Schreien Sie doch nicht. Sie sind ja richtig außer sich.“
Vad: „Es sind hunderttausende Russen und junge Ukrainer ums Leben gekommen. Alle diejenigen, die nicht das Geld hatten, sich ins Ausland abzusetzen, wie 300.000 wehrfähige Ukrainer nach Deutschland. Fahnenflüchtige, Hunderttausende junge Männer wollen sich dem Wehrdienst entziehen. Ich kann das verstehen, weil das eine Blutmühle ist, die keinen Sinn macht, weil wir keine politischen Ziele setzen.“
Doch Kiesewetter betonte erneut die Stärke der Ukraine. Das Land sei mittlerweile in der Lage, „sich zu wehren“. „Das macht ja auch Putin schwach“, fügte er an.
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