Donald Trump macht Politik in Echtzeit – an den Märkten. Noch während der US-Präsident vergangene Woche mit Tim Cook, Elon Musk, Jensen Huang und Co. im Schlepptau zum Staatsbesuch nach China reiste, liefen im Hintergrund seine Börsengeschäfte. Ob Zufall oder nicht: Genau die Positionen von Apple, Tesla und Nvidia wurden in seinem eigenen Depot im Vorfeld aufgestockt.

Nicht nur auf die Firmen seiner Reisegenossen setzt Trump schon seit Längerem. Sein Depot, das zeigt sich immer deutlicher, ist vorrangig in genau jene Tech-, Rüstungs- und Industrieaktien investiert, deren Zukunft unmittelbar von seinen eigenen Entscheidungen und Äußerungen abhängt. Trumps jüngste China-Reise mit der Spitzenriege des Silicon Valley und der US-Industrie ist damit nicht nur ein außenpolitisches Signal. Sie ist erneut Anlass für Alarmstimmung unter Aufsichtsbehörden und Kritikern, die die Börsengeschäfte des Präsidenten als „beispiellos riskant“ kritisieren – oder sogar strafbaren Insider-Handel wittern.

Der Eindruck eines Präsidenten, der gleichzeitig Staatsverträge verhandelt und in die Profiteure dieser Deals investiert, verfestigt sich einmal mehr durch die nun vom Weißen Haus offengelegten Transaktionen, wie Recherchen des US-Magazins „Fortune“ und der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ zeigen. Wie ein roter Faden zieht sich die Verzahnung von aktueller Politik, eigenem Portfolio und marktbewegenden Auftritten durch die 3170 Transaktionen allein im ersten Quartal dieses Jahres.

Den zentralen Einblick liefert ein 113-seitiger Bericht (Kurzfassung, siehe Link) des Office of Government Ethics (OGE). Demnach tätigte ein Brokerage-Konto, das auf Donald Trump registriert ist, im ersten Quartal im Schnitt rund 60 Trades pro Handelstag. Die OGE-Meldungen arbeiten mit großen Spannweiten anstatt exakten Werten: Zusammengerechnet liegt das Volumen der Käufe zwischen etwa 126 und knapp 400 Millionen Dollar, das der Verkäufe zwischen 86 und 296 Millionen Dollar – insgesamt also zwischen rund 220 und 750 Millionen Dollar, die innerhalb von drei Monaten bewegt wurden. Kein Präsident zuvor dürfte nur ansatzweise so aktiv im Aktienhandel gewesen sein.

Schwerpunkte bei den führenden Tech-Firmen sind für sich genommen nicht ungewöhnlich, zählen sie doch zu den Lieblingsaktien der Amerikaner im vergangenen Jahr. Doch genau in diesem Bereich ist das Volumen des „Trump-Depots“ immens. Besonders ins Auge fallen vier Transaktionen in der höchsten Kategorie von 5 bis 25 Millionen Dollar, allesamt Verkäufe großer Positionen, unter anderem von Microsoft-, Amazon- und Meta-Aktien. Während das Trump-Depot diese Papiere abstieß – die entsprechenden Firmenchefs waren nicht Teil seiner China-Reise – wurden enorme Positionen in anderen Tech-, Rüstungs- und Energieaktien aufgebaut.

Bemerkenswert sind dabei zwei der größten Deals, etwa der Kauf von Boeing-Aktien. Denn auf der China-Reise stand der Konzern aus Seattle plötzlich im Mittelpunkt. Offiziell ging es beim Besuch von Staatschef Xi Jinping um Geopolitik. Hinter den Kulissen aber wurde über Milliardenverträge für Flugzeuge, Chips, Cloud-Infrastruktur und E-Autos verhandelt. Mit klarem Ergebnis: China hat sich bereit erklärt, mindestens 200 Boeing-Flugzeuge zu kaufen – wobei die Bestellung sogar auf 750 Flugzeuge ausgeweitet werden könnte.

Demokraten sprechen von „Wahnsinn“

Ebenfalls fragwürdig: Das Investment in Dell zwischen einer und fünf Millionen Dollar. Vor etwa einem halben Jahr kündigte Trump an, allen amerikanischen Kindern ein „Trump-Depot“ zu schenken – inklusive Startkapital. Möglich macht das Vorhaben die wohl größte Spende aller Zeiten: Die Eheleute Michael und Susan Dell gaben bekannt, dass sie 250 Dollar auf individuelle Anlagekonten für 25 Millionen Kinder unter zehn Jahren in den USA einzahlen werden. Das würde einer Gesamtsumme von 6,25 Milliarden Dollar entsprechen. Und kurz bevor Trump Anfang Mai schließlich öffentlich erklärte, es sei „eine großartige Zeit, Dell zu kaufen“, wurde die Position im eigenen Depot aufgestockt – die Aktie erlebte einen Kurssprung von 12 Prozent.

Auch die Käufe von Intel-Aktien, ebenfalls in der Spannbreite zwischen einer und fünf Millionen Dollar, werfen Fragen auf. Der kalifornische Chiphersteller profitiert massiv von staatlichen Förderungen der US-Regierung. Und nur kurz bevor Trump öffentlich die zentrale Rolle des Konzerns für die Halbleiter-Strategie der USA betonte, wurde die Position im Depot aufgestockt.

Auch andere Tech-Firmen, die im „Trump-Depot“ stark vertreten sind, haben seit Amtsantritt Anfang 2025 Aufträge in Milliardenhöhe aus Washington erhalten. Egal ob Nvidia, Palantir, Microsoft, Apple, Boeing oder Intel: Die Recherchen von „Fortune“ und „Bloomberg“ zeigen, dass in den Monaten vor der China-Reise genau in jene Konzerne investiert wurde, deren Chefs Teil der Reisedelegation waren oder deren Geschäfte besonders eng mit US-Staatsaufträgen verflochten sind.

Juristische Folgen muss Trump vorerst nicht fürchten. Sollte es sich tatsächlich um einen strafbaren Insider-Handel handeln, müssten dafür starke Nachweise vorgelegt werden. Ohne Beweise aus E‑Mails, internen Protokollen oder Zeugen sind die Hürden für ein Verfahren hoch. Genau das würden führende Demokraten in den USA aber gerne anstrengen. Das OGE wiederum registriert die Handelsbewegungen, ahndet verspätete Meldungen – vermeidet aber jede inhaltliche Bewertung. Die letzte klare Warnung eines OGE‑Direktors stammt noch aus Trumps erster Amtszeit, als Walter Shaub dessen Trust-Konstruktion im Jahr 2017 als Interessenkonflikt kritisierte und später aus Protest zurücktrat. Er sehe unter Trump „nicht mehr viel, was er im Amt erreichen könne“, so Shaub damals.

Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren – eine der schärfsten Trump-Kritiker – hält es indes für „wahnsinnig“, wenn ein Präsident Aktien von Nvidia halte, während sein eigener Handelsgesandter mit Nvidia über die Zukunft der Halbleiter-Lieferketten verhandle. Trumps Handelsmuster seien „beispiellos“, wird ein ehemaliges Mitglied der Finanzaufsicht vom Sender „NBC“ zitiert. Kein anderer Präsident habe ein derart aktives Trading-Konto geführt, während er gleichzeitig mit Entscheidungen zu Militäreinsätzen, Zöllen und Industrieprogrammen ganze Märkte bewegt.

Neben den Tech-Riesen konzentriert sich das Trump-Depot auch auf weit unbekanntere Firmen mit spezialisierten Geschäftsbereichen. Unter den Käufen finden sich Aktien von ServiceNow, Workday, PTC und Broadcom. Im großen Stil eingekauft wurden auch Papiere von Rüstungs- und Ölkonzernen: Exxon und Chevron stehen auf der Liste, aber auch Energieunternehmen wie Phillips 66 und Rüstungsriesen wie Lockheed Martin und General Dynamics. Auch das sind allesamt Branchen, die direkt von Entscheidungen des Präsidenten über den Krieg im Iran, aber auch von Subventionen und Industrieförderung abhängen. Dazu kommt: Während der Irankrieg anderen Sektoren massiv schadet und die Inflation anheizt, stehen Rüstung und Öl als große Gewinner da, da sie ihre Absatzmengen erheblich steigern konnten.

Und das ist nicht der einzige Bezug zum Irankrieg. Die Käufe, so zeigen die Recherchen, waren in den vergangenen Wochen immer dann besonders auffällig, als es neue Entwicklungen in der Politik gab. Als Trump beispielsweise neue Sanktionen und Zölle ins Spiel brachte, wurden breite US-Aktien-ETFs im Depot reduziert.

Und als der Iran die Blockade in der Straße von Hormus startete, stiegen Staatsanleihen und Gold-ETFs an. Kurz darauf, nachdem Trump in einer Rede deeskalierende Signale gesendet hatte, schichtete das Depot in Öl- und Rüstungswerte um. Schon vor mehreren Wochen wurden Vorwürfe des Insider-Handels im Umfeld des Präsidenten laut, wie WELT damals berichtete.

Das Weiße Haus bestreitet unterdessen, dass ein Interessenkonflikt vorliege. Ein Sprecher sagte, die Anlageentscheidungen würden von Banken und Asset Managern getroffen, teils über automatisierte Strategien. Überhaupt werde das Vermögen des Präsidenten über einen Trust von seinen Söhnen Eric und Donald Jr. verwaltet.

Genau an dieser Darstellung aber gibt es erhebliche Zweifel. Wenngleich Trump nicht jeden einzelnen Kauf oder Verkauf anweist, bleibt es sein Depot. Es läuft auf seinen Namen und wird deshalb in seinen persönlichen Ethikformularen erfasst. Inwieweit das Portfolio im Plus liegt, geht aus dem OGE-Bericht nicht eindeutig hervor, vermutlich aber steht unter dem Strich ein deutlicher Zuwachs.

Seit Anfang 2025 ist Trumps Vermögen rasant gestiegen; je nach Schätzung liegt der Zugewinn grob zwischen anderthalb und drei Milliarden Dollar, getrieben hauptsächlich von Krypto-Projekten, Lizenzen und wiedererstarkten Immobilienwerten. Aktuell wird sein Vermögen auf 6,5 Milliarden Dollar geschätzt.

Was zu guter Letzt auch noch in dem OGE-Bericht steht: Der US-Präsident hat die Frist zur Offenlegung der Transaktionen verpasst, ihm wurde deshalb eine Geldstrafe aufgebrummt. Sie beträgt 200 Dollar.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Jan Klauth ist US-Korrespondent mit Sitz in New York.

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