• Klimathema keine kurzfristige Krise
  • Notstandsbegriff wird abgewertet
  • Gremium mit Ex-Gesundheitsminister Lauterbach

Der Klimatologe Jochem Marotzke hat die Forderung der "Paneuropäischen Kommission für Gesundheit und nachhaltige Entwicklung" an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kritisiert, aufgrund einer eskalierenden Klimakrise den weltweiten Gesundheitsnotstand auszurufen.

Klimathema keine kurzfristige Krise

Der Direktor des Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg sagte MDR AKTUELL, es gehe "hier um den fast verzweifelten Versuch um eine Aufmerksamkeit". Er glaube aber, dass man bei einem so langfristigen Thema wie dem Klimathema nicht weiterkomme, wenn man versuche, "so zu tun, als ob es sich um eine kurzfristige Krise handeln würde".

Marotzke sagte, er sei zunächst überrascht gewesen, als er von der Forderung gehört habe. Die Mitglieder des Expertengremiums seien sehr erfahrene Politiker, die natürlich genau wüssten, dass es irgendwann nicht mehr zieht, wenn man "zu oft 'Feuer' ruft". Aber in diesem Falle, glaube er, "haben sie es bewusst gemacht".

Notstandsbegriff wird abgewertet

Der Klimatologe betonte, er tue sich schwer mit dieser Forderung und sei auch völlig zwiegespalten. Schaue man sich etwa an, was konkret die Gruppe fordere, "dann ist fast alles sehr vernünftig und wichtig". Dazu gehört Marotzke zufolge etwa die Forderung, das Verbrennen fossiler Brennstoffe herunterzufahren.

Andereseits befürchte er aber, dass durch die Forderung, einen Notstand auzurufen, der Notstandbegriff abgewertet werde, warnte Marotzke: "Also wenn ich so einen Begriff inflationär gebrauche, hat er irgendwann keine Schlagkraft mehr. Und insofern hab ich große Zweifel daran, dass es die politische Wirksamkeit haben wird, die gewünscht ist."

Gremium mit Ex-Gesundheitsminister Lauterbach

Die von der WHO eingestezte paneuropäischen Kommission hatte am Sonntag gefordert, die Klimakrise zur "gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite" zu erklären. Dem elfköpfigen Expertengremium gehört unter anderem auch Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach an.

Der SPD-Politiker forderte, die WHO müsse der Bekämpfung der Klimakrise mehr Aufmerksamkeit widmen. Jährlich sorgten die Folgen der Verbrennung fossiler Brennstoffe in Europa für 600.000 Todesfälle, dazu kämen 60.000 Hitzetote. Eine "gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite" war unter anderem für die Covid-Pandemie ausgerufen worden.

MDR (dni)

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