• Trotz Ausbildung ist die Bogenjagd in Deutschland bisher nicht erlaubt.
  • Der Deutschen Bogenjagdverband fordert die Legalisierung der Bogenjagd wegen geringerer Gefährdung – das Bundeslandwirtschaftsministerium lehnt sie bislang aus Tierschutzgründen ab.
  • Auch Sachsens Landesjagdpräsident unterstützt die Bogenjagd, fordert dafür aber dieselben strengen Anforderungen und regelmäßiges Training wie bei der klassischen Jagd.

Ein fester Stand, höchste Konzentration, die Hand zittert kein bisschen. Mit dem Finger wird eine Art Abzug gelöst, der rasiermesserscharfe Pfeil saust los. Die Antilope im Übungsfilm hüpft noch etwas durch die Steppe, aber Ausbilderin Cyntia Hillscher erklärt, warum das Tier jetzt schnell verblutet: "Die Klinge wirkt, indem sie federführende Gefäße zerschneidet und die Arterien sind Ringgefäße, die sich bei Hitze oder durch Druck wieder zusammenziehen. Das machen sie beim Zerschneiden nicht." Stärker blutende Tiere lassen sich schneller von den Jägern auffinden und sterben auch schnell.

Hillscher bildet Bogenjäger aus. In Deutschland darf man mit dem Abschluss aber noch nicht auf die Jagd gehen. Er wird aber im Ausland anerkannt. Notwendigkeit für eine Bogenjagd sieht sie vor allem dort, wo die Tiere in Menschennähe sind. Die Tiere können Krankheiten verbreiten, kritische Infrastruktur schädigen oder andere Tiere gefährden. Daher werden schon jetzt die meisten deutschen Städten bejagt, allerdings mit Schusswaffen.

Legalisierung der Bogenjagd

Hier sei nicht nur die Frage des Lärms ein Problem, sondern auch die Gefährdung unbeteiligter, schildert Oliver Opitz. Wenn man bedenke, dass ein Büchsengeschoss bei einem Abschuss in einem sehr steilen Winkel fünf bis acht Kilometer weit fliegen könne, liege die Reichweite eines Pfeils mit maximal etwa 350 bis 380 Metern um mehr als den Faktor zehn darunter: "Wenn wir einen Pfeil waagerecht abschießen, dann kommt er nach 50 Meter schon am Boden auf. Das heißt, dort haben wir eine extrem geringe Hintergrundgefährdung." Deshalb setzt sich Opitz als Vorsitzender des Deutschen Bogenjagdverbandes für eine Legalisierung der Jagd mit Bogen ein.

Aus dem zuständigen Bundesministerium für Landwirtschaft heißt es auf eine MDR AKTUELL Anfrage jedoch schriftlich: "Da bei der Jagd mit Pfeil und Bogen maximale Schussentfernungen von unter 25 Metern einzuhalten sind, kann nicht gewährleistet werden, dass Wild in der Praxis ausreichend schnell und sicher sowie gegebenenfalls ohne ausreichende Vermeidung von Schmerzen erlegt wird. Eine tierschutzgerechte Erlegung ist somit nicht sichergestellt und zudem grundsätzlich höher zu bewerten als die etwaige Reduktion des Lärms."

Opitz berichtet aber, dass er eine Offenheit in der Bundesregierung wahrnimmt, man befinde sich im Austausch: "Was der Bund aber auch sieht, ist, was in Europa stattfindet. In Europa gibt es eine Wandlung hin zu mehr Zulassung der Bogenjagd, und man sieht auch, dass es einen Bedarf geben könnte." Hier sollen mit weiteren Studien, auch aus dem Ausland, wissenschaftliche Grundlagen zu den Vorteilen der Bogenjagd erstellt werden.

Training bei der Bogenjagd elementar

Unterstützung erhält das Vorhaben aus der klassischen Jägerschaft. Auch Polo Palmen, Sachsens Landesjagdpräsident, unterstützt die Bogenjagd: "Ich halte den Bogen und den Speer für die Ursprungswaffe der Jagd. Insofern würde ich das begrüßen, wenn die Bogenjagd perspektivisch auch genehmigt werden würde. Ich halte die Tötungswirkung eines Pfeiles für vergleichbar mit der Tötungswirkung einer Kugel."

Jedoch mit den gleichen Anforderungen für Bogenschützen wie für die klassischen Jäger: "Das Tier muss dann auch tot sein, wenn der Schütze den Pfeil abfeuert." Eine hundertprozentige Verlässlichkeit gebe es allerdings selbst beim Gewehr nicht. Da hilft laut Palmen nur eins: Training, Training, Training. Man könne das Gerät nicht einfach jahrelang im Schrank hängen haben und dann nach drei oder vier Jahren sagen, es werde schon klappen.

Unabhängig von der gesetzlichen Regelung erfreut sich die Jagdform immer größerer Beliebtheit. Der Bogenjagdverband schätzt die Zahl der deutschen Bogenjäger auf 2.000 bis 3.000. Zum Jagen müssen sie jedoch erstmal weiter ins Ausland fahren.

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