Russland hat angesichts eines möglichen Vergeltungsangriffs auf Kiew die Bewohner der ukrainischen Hauptstadt und ausländische Diplomaten erneut dazu aufgefordert, die Stadt zu verlassen.

„Wir erinnern die Zivilbevölkerung von Kiew und die Mitarbeiter ausländischer diplomatischer Vertretungen erneut daran, dass sie die Stadt rechtzeitig verlassen müssen“, erklärte das Verteidigungsministerium. Im Falle eines ukrainischen Angriffs werde Moskau „mit gleicher Münze zurückzahlen“.

Das Auswärtige Amt in Berlin wertete die russischen Drohungen als Anzeichen für fehlenden Verhandlungswillen des russischen Präsidenten Wladimir Putin. „Ein gezielter Angriff auf eine diplomatische Vertretung wäre ein weiterer schwerer Verstoß Russlands gegen humanitäres Völkerrecht“, hieß es aus dem Ministerium.

Die Behörde stehe „in ständigem Kontakt“ mit der deutschen Botschaft in Kiew und evaluiere die Sicherheitslage „fortlaufend“. „Wir lassen uns hiervon nicht einschüchtern und werden die Ukraine weiter unterstützen und den Druck auf Russland erhöhen“, hieß es weiter.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wiederum warnte Vertreter mit Russland verbündeter Staaten davor, am Samstag an der Weltkriegsparade in Moskau teilzunehmen. „Wir haben auch Meldungen aus einigen an Russland angrenzenden Staaten erhalten, wonach deren Vertreter vorhaben, nach Moskau zu reisen“, sagte Selenskyj am Donnerstag in seiner allabendlichen Videoansprache und fügte an: „Ein seltsamer Wunsch, gerade in diesen Tagen. Wir raten davon ab.“

Zuvor hatte das russische Verteidigungsministerium der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge eine Feuerpause vom 8. bis zum 10. Mai angekündigt. Ursprünglich war sie für den 8. und 9. Mai anberaumt. An diesen Tagen feiert Russland den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland mit einer Militärparade in Moskau. Die Ukraine wirft der Regierung in Moskau vor, die Waffenruhe diene lediglich dem Schutz der Parade vor ukrainischen Drohnenangriffen. Kiew bot stattdessen eine unbefristete Feuerpause ab dem 6. Mai an, was Russland bislang ignoriert.

Putin will bei der Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau am Samstag eine Rede halten. Im Anschluss sind bilaterale Treffen geplant, unter anderem mit dem slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico, dem malaysischen König Sultan Ibrahim und dem laotischen Präsidenten Thongloun Sisoulith, teilt Kreml-Berater Juri Uschakow mit. Wegen der Gefahr eines ukrainischen Angriffs auf die Feierlichkeiten gelten verschärfte Sicherheitsvorkehrungen für Putin.

Erstmals seit Ende März wollen Vertreter der USA und der Ukraine über ein Ende des seit mehr als vier Jahren herrschenden russischen Angriffskrieges beraten. Der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umerow wird dazu am Donnerstag in Miami im Bundesstaat Florida erwartet, wie das Weiße Haus bestätigte. Die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine Beendigung des Krieges liegen derzeit auf Eis. Die USA, die in den Gesprächen vermittelt hatten, konzentrieren sich derzeit auf den Konflikt mit dem Iran.

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