Die Bundeswehr hat seit dem 15. Januar fast 200.000 Briefe an 18-jährige Männer und Frauen verschickt. Das teilte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums in Berlin am Wochenende auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit. Demnach wurden bis zum 24. April 194.000 dieser Anschreiben verschickt.

Die Maßnahme ist Teil des Wehrdienst-Modernisierungsgesetzes, das der Bundestag Ende des vergangenen Jahres beschlossen hatte. Die Anschreiben, die per QR-Code zu einem Online-Fragebogen führen, sollen den Angaben zufolge jungen Menschen frühzeitig Orientierung bieten und zugleich die „personelle Einsatzbereitschaft der Bundeswehr“ langfristig stärken. Der Wehrdienst bleibt freiwillig. Männer allerdings müssen den Fragebogen beantworten; Frauen können dies freiwillig tun.

Zur Resonanz auf die Aktion ließen sich derzeit noch keine verlässlichen Aussagen machen, so die Sprecherin des Verteidigungsministeriums. Das habe unter anderem mit dem sukzessiven Versand der Anschreiben sowie den unterschiedlichen Fristen für den Rücklauf zu tun. Erst im Laufe des Jahres seien „valide Rückschlüsse“ möglich.

Bekannt ist allerdings, dass die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Im ersten Quartal dieses Jahres haben bereits 2656 Menschen einen entsprechenden Antrag gestellt – mehr als im gesamten Jahr 2024, wie das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln mitteilte. Vor zwei Jahren gab es 2249 solcher Anträge, im vergangenen Jahr insgesamt 3879.

Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine im Jahr 2022 steigt die Zahl der Menschen wieder, die den Dienst an der Waffe verweigern. Seit der Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 gab es nur wenige Hundert Anträge pro Jahr. 2022 näherte sich die Zahl der Anträge wieder dem vierstelligen Bereich – 951 waren es damals. 2023 waren es dann 1079.

Das Bundesverteidigungsministerium, das einen deutlichen Personalaufwuchs bei der Bundeswehr anstrebt, sieht darin „kein Alarmzeichen“, wie eine Sprecherin in Berlin sagte. Der Trend sei „nicht so überraschend“. Gerade auch wegen des neuen Wehrdienstes beschäftigten sich mehr junge Menschen mit der Bundeswehr. Dass sich dann auch mehr dafür entschieden, einen solchen Antrag zu stellen, überrasche nicht, sagte die Sprecherin. Sie wies zudem darauf hin, dass 2010 – dem letzten Jahr vor der Aussetzung der Wehrpflicht – rund 131.000 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung gestellt wurden.

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