Journalistin im Libanon getötet – US-Botschaft rät Amerikanern zur Ausreise
Bei einem israelischen Luftangriff im Südlibanon sind nach libanesischen Angaben drei Menschen getötet worden, darunter eine Journalistin. Das teilte das libanesische Gesundheitsministerium mit. Der Vorfall habe sich in dem Ort al-Tiri ereignet. Die Journalistin arbeitete demnach für die Zeitung „Al Achbar“, die der proiranischen Hisbollah-Miliz nahesteht.
Auch die Zeitung bestätigte den Tod ihrer Mitarbeiterin. Sie sei unter Trümmern eingeschlossen gewesen und tot aufgefunden worden. Eine weitere Journalistin wurde demnach verletzt.
Mitarbeiter des Roten Kreuzes bergen die Leiche der getöteten JournalistinDer libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam kritisierte Israel. Die „gezielten Angriffe“ auf Journalisten sowie die Attacken auf Rettungsteams stellten Kriegsverbrechen dar, schrieb er auf der Plattform X. Israels Angriffe auf Medienschaffende seien keine Einzelfälle.
Nach Angaben der libanesischen Nachrichtenagentur NNA wurden zunächst zwei Menschen bei einem israelischen Luftangriff in al-Tiri getötet. Die israelische Armee teilte dazu mit, es seien zwei Fahrzeuge identifiziert worden, die aus einem von der proiranischen Hisbollah-Miliz genutzten Gebäude gekommen seien.
In der Mitteilung war die Rede von „Terroristen“, die sich auf bedrohliche Weise israelischen Bodentruppen genähert hätten, die den südlichen Teil des Libanons kontrollieren. Die Luftwaffe habe daraufhin eines der Fahrzeuge angegriffen. Anschließend sei auch das Gebäude beschossen worden.
Israel prüft Vorfall
Die Armee sei sich Berichten bewusst, denen zufolge zwei Journalistinnen verletzt worden seien, hieß es weiter. Sie dementierte Angaben, laut denen Rettungsteams daran gehindert worden seien, das Gebiet zu erreichen. Man prüfe den Vorfall. Das Gebiet der israelischen „Sicherheitszone“ sei allgemein bekannt. Die israelische Armee ziele nicht auf Journalisten ab, achte aber auch auf die Sicherheit der eigenen Truppen.
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Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) hatte Israel zuvor auf X vorgeworfen, anhaltende Luftangriffe verhinderten, dass Rettungskräfte die Journalistin, die sich unter Trümmern befinde, erreichen könnten. Über die zweite Journalistin gab es zunächst keine weiteren Angaben.
Israelische Soldaten sind trotz Vereinbarung einer Waffenruhe weiterhin im Südlibanon stationiert. Israel hat dort nach eigenen Angaben eine sogenannte „Sicherheitszone“ eingerichtet, die zum Schutz der nordisraelischen Ortschaften vor Hisbollah-Angriffen dienen solle. Die libanesische Führung spricht dagegen von einer Besatzung ihres Staatsgebiets.
US-Botschaft rät Amerikanern zur Ausreise aus dem Libanon
Unterdessen legt die US-Botschaft in Beirut Amerikanern dringend nahe, den Libanon zu verlassen. „Die Sicherheitslage ist weiterhin komplex und kann sich schnell ändern“, teilte die Botschaft in einer Sicherheitswarnung mit. US-Bürger sollten ausreisen, solange es noch kommerzielle Flugverbindungen gebe. Wer im Libanon bleibe, sollte Pläne für Notfallsituationen erstellen und die aktuellen Entwicklungen verfolgen, hieß es.
Es gibt derzeit Hinweise darauf, dass die Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon wackelt. Ein Abgeordneter der libanesischen Hisbollah-Miliz, Hussein Hadsch Hassan, sagte einem libanesischen TV-Sender, die Organisation sei der Waffenruhe nicht mehr verpflichtet. Zuvor hatten Israel und die proiranische Hisbollah sich mehrfach Verstöße gegen die zehntägige Waffenruhe vorgeworfen, die in der Nacht auf Freitag in Kraft getreten war.
An diesem Donnerstag sind in Washington weitere Gespräche auf Botschafterebene zwischen beiden Ländern geplant.
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