Höhere Altersgrenze für Reservisten: Bis 70 an die Front?
- Verbandschef Bastian Ernst will Altersgrenze für Reservisten von 65 auf 70 anheben.
- Reservistenverband will Zustimmungspflicht der Arbeitgeber für Wehrübungen kippen
- Keine genauen Zahlen – Ernst fordert umfassendes Wehrkonzept.
- Pistorius will neue Verteidigungsstrategie vorstellen.
Der neue Chef des Reservistenverbands, Bastian Ernst, ist dafür, die Altersgrenze für Reservisten anzuheben. Um die Verteidigungsfähigkeit zu stärken, sollte das Höchstalter von 65 auf 70 Jahre steigen, sagte er MDR AKTUELL. Die Leute blieben inzwischen länger fit und "viele wollten auch über das 65. Lebensjahr hinaus ihren Beitrag zur Verteidigung des Landes leisten".
Ernst stellte klar, dass es dabei nicht um Kampfeinsätze als Infanterist oder im Panzer gehe. Vielmehr sollten die Fähigkeiten erfahrener Reservisten genutzt werden – etwa im Sanitätswesen, in der Verwaltung oder Führung. Die Gesellschaft setze ja auch am Arbeitsmarkt auf ältere Menschen, wie die sogenannte Aktivrente zeige. Außerdem sei der Dienst immer noch für jeden freiwillig.
Zustimmungspflicht der Arbeitgeber sollte ausgesetzt werden
Wenn der Reservistenverband Nachwuchsprobleme beklagt, muss man aus Sicht von Ernst alle Altersgruppen ansprechen. Der Verband wolle in der Breite wachsen. Zugleich stellte er das aktuelle Prinzip in Frage, dass neben den Reservisten auch der Arbeitgeber den regelmäßigen Wehrübungen zustimmen müsse.
Angesichts der aktuellen Bedrohungslage sollte das Prinzip der Freiwilligkeit auf Seiten der Arbeitgeber entfallen, findet er. Das könnte für Wehrübungen über eine Dauer von etwa zwei Wochen pro Jahr gelten. Die Reservisten sollten aber weiter selbst darüber bestimmen.
Ernst fordert umfassendes Reservisten-Wehrkonzept
Bastian Ernst ist der neue Präsident des deutschen ReservistenverbandsBildrechte: picture alliance/dpa | Elisa SchuErnst betonte, dass diese Ideen in ein umfassendes Reservisten-Wehrkonzept eingebettet werden müssen. Das Bundesverteidigungsministerium brauche erstmal einen Gesamtüberblick und eine genaue Planung für die nächsten Jahre. Dazu gehörten auch Ausrüstungs- und Materialfragen.
Wie viele Reservisten es aktuell gibt, ist Ernst zufolge unklar. Bekannt sei, dass acht bis neun Millionen Menschen bei der Bundeswehr gedient hätten und rund 60.000 Reservisten beordert, also von der Bundeswehr fest eingeplant und damit schnell verfügbar seien. Der Reservistenverband habe etwa 110.000 Mitglieder. Die neue Wehrerfassung müsse da jetzt genauere Zahlen liefern.
Pistorius will neue Wehrstrategie vorstellen
Die Bundeswehr soll bis 2035 auf mindestens 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten sowie 200.000 Reservisten anwachsen. Diese Reserve soll wesentlich aus den Männern und Frauen aufgebaut werden, die den neuen Wehrdienst leisten, für den seit Jahresbeginn die gesetzlichen Grundlagen da sind.
Am Mittwoch will Verteidigungsminister Boris Pistorius die deutsche Militärstrategie vorstellen sowie das neue Fähigkeitsprofil der Bundeswehr. Die Militärstrategie soll beschreiben, wie Deutschland Bedrohungen begegnen will.
Quelle: MDR, dpa, KNA (kjs,ans)
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