Die schweren Angriffe Israels auf den Libanon mit mehr als 180 Toten und Hunderten Verletzten haben international scharfe Kritik ausgelöst. Zu Wort meldet sich unter anderem der UN-Generalsekretär António Guterres. Dieser zeigt sich „alarmiert über die steigende Zahl ziviler Opfer“, heißt es in einer Mitteilung, die sein Sprecher Stéphane Dujarric veröffentlichte. Die anhaltenden Angriffe Israels auf den Libanon gefährdeten die Waffenruhe im Konflikt zwischen Israel und dem Iran sowie die Bemühungen um einen umfassenden und dauerhaften Frieden in der Region. Guterres fordere alle Parteien auf, die Feindseligkeiten unverzüglich einzustellen, hieß es weiter.

++ Alle Entwicklungen im Nahen Osten im Liveticker ++

Auch Frankreich äußerte deutliche Kritik. ​Der Libanon müsse in die von den USA mit dem Iran vereinbarte Waffenruhe einbezogen werden, forderte Außenminister Jean-Noël Barrot. Israel lehnt dies allerdings ab und will nach eigenen Angaben weiterhin ⁠Stellungen der mit dem Iran verbündeten Terrormiliz Hisbollah im Libanon ins Visier nehmen.

Ein Trümmerfeld: Zerstörung in einem Vorort von Beirut

Barrot forderte auch, dass der Iran auf die Unterstützung der Hisbollah und anderer verbündeter Organisationen wie der Hamas im Gazastreifen und der Huthi-Miliz im Jemen verzichtet. Zudem müsse der Iran seine Pläne zum Bau von Atomwaffen aufgeben und den Einsatz von Drohnen und Raketen beenden.

Seine Amtskollegin, die britische Außenministerin Yvette Cooper, meldete sich am Donnerstag ebenfalls zu Wort. „Ich bin zutiefst besorgt über die eskalierenden Angriffe, die wir gestern von Israel im Libanon gesehen haben“, sagte Cooper dem Sender Sky. „Wir haben die humanitären Folgen gesehen, die massive Vertreibung von Menschen im Libanon“, fügte sie hinzu. Daher müsse die Waffenruhe auch auf den Libanon ausgeweitet werden, forderte die Außenministerin.

Die schärfste Kritik kam aus Spanien: Außenminister José Manuel Albares warf Israel vor, mit den Luftangriffen gegen internationales Recht und die Waffenruhe im Nahen Osten zu verstoßen. „Gestern haben wir gesehen, wie Israel unter Missachtung der Waffenruhe und unter ​Verletzung des Völkerrechts Hunderte von Bomben auf den Libanon abgeworfen hat“, sagte Albares im spanischen Parlament.

Nationaler Trauertag in Beirut

Nach den massiven israelischen Angriffen hält das Land am heutigen Donnerstag einen nationalen Trauertag ab. Alle öffentlichen Einrichtungen im Libanon waren am Morgen geschlossen. Die Hauptstadt wirkte menschenleer, Bewohner blieben in ihren Häusern.

In den getroffenen Vierteln räumten Kräne und schwere Maschinen den Schutt weg, eine Rauchwolke hing am Morgen noch über Teilen der Stadt. Die Menschen stehen teils unter Schock. „Ich habe mein Haus und mein Auto verloren, aber meinen Kindern geht es gut“, sagte eine Bewohnerin, deren zehnstöckiges Wohnhaus im Zentrum Beiruts getroffen wurde, der dpa.

Israel meldet Tod von Hisbollah-Chef Naim Kassem

Israel hatte mit einem überraschenden Großangriff am Mittwoch zahlreiche Ziele im Libanon bombardiert, darunter auch in der Hauptstadt Beirut. Nach jüngsten Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden mindestens 182 Menschen getötet, darunter viele Zivilisten. Rund 900 Menschen sollen verletzt worden sein.

Am Donnerstag lieferte die israelische Armee eine Begründung für den Militärschlag. Man habe am Vortag in Beirut einen Sekretär und engen Berater von Hisbollah-Chef Naim Kassem getötet, hieß es. „Gestern hat die israelische Armee einen Angriff in der Region Beirut ausgeführt und Ali Jussuf Harschi, den persönlichen Sekretär und Neffen des Hisbollah-Chefs, getötet“, erklärte die Armee am Donnerstag.

Harschi sei „ein enger Mitarbeiter und persönlicher Berater“ Kassems gewesen und habe „eine zentrale Rolle bei der Verwaltung und Sicherheit seines Büros“ gespielt, hieß es weiter.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke