„Das ist Bullshit“, sagte Rubio – so liefen Trumps Beratungen zum Iran-Angriff
Ein Bericht der „New York Times“ gibt Einblicke in die internen Beratungen im Weißen Haus vor dem Angriff der USA und Israels auf Iran am 28. Februar. Der Text stammt von den „New York Times“-Reportern Maggie Haberman und Jonathan Swan und basiert nach Angaben der Autoren auf Recherchen für ihr kommendes Buch „Regime Change: Inside the Imperial Presidency of Donald Trump“. Die Autoren stützen sich dabei auf zahlreiche Gespräche mit Personen, die anonym über interne Sitzungen und sensible Vorgänge sprechen.
Im Zentrum des Berichts steht ein Treffen am 11. Februar im Weißen Haus, bei dem Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei Präsident Donald Trump und seinem engsten Kreis für einen Angriff auf Iran geworben haben soll. Netanjahu habe dabei nicht nur für einen militärischen Schlag geworben, sondern auch die Aussicht auf einen Sturz des Regimes in Teheran in den Raum gestellt. Das iranische Raketenprogramm könnte innerhalb weniger Wochen zerschlagen werden. Das Regime wäre dadurch so geschwächt, dass es die Straße von Hormus nicht mehr blockieren könne.
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Nach Darstellung der „New York Times“ präsentierte die israelische Seite vier Ziele: die Tötung des Obersten Führers, Ajatollah Ali Chamenei, die Schwächung von Irans militärischer Schlagkraft, einen Aufstand im Inneren und schließlich einen Regimewechsel.
Trumps Motivation für den Iran-Krieg
US-Geheimdienste kamen laut dem Bericht jedoch schon einen Tag später zu einer deutlich nüchterneren Einschätzung. CIA-Chef John Ratcliffe habe Trump erklärt, dass die ersten beiden Ziele erreichbar seien, die Szenarien eines Volksaufstands und eines Regimewechsels aber realitätsfern wirkten. Laut der Zeitung nannte Ratcliffe diese Überlegungen „lächerlich“. Außenminister Marco Rubio habe daraufhin zugespitzt: „Mit anderen Worten: Das ist Bullshit.“
Generalstabschef Dan Caine soll die israelischen Pläne ähnlich skeptisch beurteilt haben. Er habe Trump gesagt: „Sir, meiner Erfahrung nach ist das die übliche Vorgehensweise der Israelis. Sie übertreiben ihre Versprechungen, und ihre Pläne sind nicht immer gut durchdacht. Sie wissen, dass sie uns brauchen, und deshalb drängen sie uns so sehr.“
Trotz dieser Warnungen habe Trump sich zunehmend für einen Angriff interessiert. Die „New York Times“ beschreibt ihn als deutlich entschlossener gegenüber dem Iran, als es manche Vertreter seines „America First“-Lagers wahrhaben wollten.
Der Iran ist für Trump offenbar ein Sonderfall. Laut dem Bericht betrachtete er das Land seit Langem als besonders gefährlichen Gegner und war deshalb eher bereit als bei anderen Konflikten, große Risiken einzugehen, um Irans Kriegsfähigkeit und einen möglichen Weg zur Atombombe zu zerstören. Zweitens spielte offenbar auch ein persönliches Motiv mit hinein. Im Hintergrund stand laut dem Text, dass der Iran nach US-Erkenntnissen einen Anschlag auf Trump geplant habe — als Vergeltung für die Tötung des iranischen Generals Qassim Suleimani im Jahr 2020.
Kriegsminister Pete Hegseth drängte am stärksten auf eine Militäraktion. Rubio war laut Bericht skeptischer. Besonders kritisch sei dagegen Vizepräsident J.D. Vance gewesen. Er habe intern gewarnt, ein Krieg gegen Iran könne regionale Instabilität, hohe Opferzahlen, einen Bruch mit Trumps politischer Basis und schwere wirtschaftliche Folgen auslösen. Die Sorge vor einer Blockade der Straße von Hormus und steigenden Benzinpreisen habe dabei eine wichtige Rolle gespielt.
In einer letzten Sitzung im Lagezentrum am 26. Februar seien die Positionen dann offen ausgesprochen worden. Die Besprechung soll etwa anderthalb Stunden gedauert haben. Vance habe Trump gesagt: Ich halte das für keine gute Idee, aber wenn du es tun willst, werde ich dich dabei unterstützen.
Rubio habe eine begrenzte Zielsetzung empfohlen: Wenn das Ziel ein Regimewechsel oder ein Aufstand sei, sollten die USA es nicht tun. Wenn das Ziel jedoch darin bestehe, das iranische Raketenprogramm zu zerstören, dann sei das ein erreichbares Ziel.
„Ich glaube, wir müssen es tun“, soll Trump gesagt haben. Einen Tag später habe er an Bord der Air Force One den Befehl erteilt: „Operation Epic Fury ist genehmigt. Kein Abbruch. Viel Glück.“
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