Kurz vor Ablauf eines Ultimatums von Donald Trump an Teheran hat der US-Präsident mit einer weiteren Drohung nachgelegt. Auf seiner Social Media-Plattform Truth Social schrieb er: „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben und nie wieder zurückkehren.“ Er wolle nicht, dass das geschehe, aber es werde „wahrscheinlich“ so kommen.

Trump bekräftigte in seinem Post auch die Darstellung, dass im Iran bereits ein „Regime Change“ stattgefunden habe – und man es nun mit anderen, „klügeren und weniger radikalisierten“ Personen zu tun habe. Vielleicht könne „etwas revolutionär Wunderbares geschehen“, schrieb er – und schob hinterher: „Wer weiß das schon?“

Trump schrieb weiter: „Wir finden es heute Nacht heraus, in einem der wichtigsten Momente in der langen und komplexen Geschichte der Welt. 47 Jahre Erpressung, Korruption und Tod werden endlich enden. Gott segne das großartige Volk des Iran!“

Trump hatte bereits zuvor mit einer „völligen Zerstörung“ aller iranischen Kraftwerke und Brücken gedroht, falls Teheran nicht bis Mittwochnacht um 2 Uhr (MESZ) die Straße von Hormus öffnen werde. Er sagte, die USA könnten innerhalb von vier Stunden eine „völlige Zerstörung“ herbeiführen. „Das ganze Land kann in einer Nacht ausgelöscht werden.“

Angriffe auf Iran gehen weiter

Am Dienstagmittag meldete der Iran landesweite Angriffe auf seine Verkehrsinfrastruktur. Neben der Bombardierung einer Eisenbahnbrücke waren auch mehrere Autobahnen Ziel von Luftangriffen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete. In der Provinz Ost-Aserbaidschan sei eine Autobahn nach Einschlägen von Geschossen gesperrt worden. Das Krisenmanagement der Provinz forderte die Bevölkerung auf, nicht notwendige Reisen bis auf Weiteres zu unterlassen.

In derselben Provinz sei außerdem eine Autobahnbrücke auf der Strecke zwischen der Millionenstadt Tabris und der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Sandschan attackiert worden, berichtete die Zeitung „Etemad“.

Die staatliche und englischsprachige Zeitung „Tehran Times“ meldete Angriffe auf das Schienennetz in Karadsch, einer Millionenstadt westlich von Teheran. In Karadsch kam es laut der Nachrichtenagentur Isna in einigen Stadtteilen zu Stromausfällen, nachdem ein Umspannwerk von Geschossen getroffen wurde.

Das israelische Militär hatte die Bevölkerung im Iran zuvor davor gewarnt, mit dem Zug zu reisen oder sich in der Nähe von Bahnstrecken aufzuhalten. Wer sich dort aufhalte, gefährde sein Leben, hieß es in einem auf Farsi formulierten Post auf der Plattform X.

Der Iran meldete zudem neue Explosionen auf der Insel Charg im Persischen Golf. Die Nachrichtenagentur Mehr berichtete, die Insel werde angegriffen. Dort hatte das US-Militär bereits Mitte März Luftangriffe ausgeführt. Im Persischen Golf südlich des iranischen Festlands liegen mehrere Inseln von strategischer Bedeutung für die Führung in Teheran. Sie spielen auch wirtschaftlich eine wichtige Rolle. Die iranische Insel Charg etwa ist das wichtigste Exportterminal für iranisches Erdöl im Persischen Golf. Ein großer Teil der Ölproduktion wird von dort verschifft.

Angesichts der Drohungen von Donald Trump verurteilte EU-Ratspräsident António Costa jegliche Angriffe auf zivile Ziele. „Jeder Angriff auf zivile Infrastruktur, insbesondere auf Energieanlagen, ist illegal und inakzeptabel“, erklärte Costa. „Das gilt für den Krieg Russlands in der Ukraine und das gilt überall.“

Neben Costa gibt es auch aus den USA zahlreiche Stimmen, die Trumps Äußerungen kritisieren. Der Fraktionsführer der Demokraten im US-Senat, Chuck Schumer, schrieb auf X: „Frohe Ostern, Amerika. Während ihr euch auf den Weg in die Kirche macht und mit Freunden und Familie feiert, tobt der Präsident der Vereinigten Staaten wie ein durchgedrehter Verrückter in den sozialen Medien.“ Trump drohe mit Kriegsverbrechen und verprelle Verbündete. „Unser Land verdient so viel Besseres.“

Iran lehnt Waffenruhe ab

Der Iran lehnt unterdessen eine Waffenruhe ab. Laut Staatssender Irib übergab Teheran Vermittlern ein zehn Punkte umfassendes Papier mit eigenen Forderungen wie einer Beendigung des Kriegs, Kriegsreparationen sowie der vollständigen Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen das Land.

Die Revolutionsgarden, die das eigentliche Sagen im Iran haben, fordern zudem das Recht auf Uran-Anreicherung, das Auflösen aller US-Stützpunkte aus dem Persischen Golf sowie die Kontrolle der Straße von Hormus durch den Iran. Ein US-Beamter habe die Antwort des Irans als „maximalistisch“ bezeichnet, schrieb der Reporter des US-Nachrichtenportals „Axios“, Barak Ravid, auf X. Es sei unklar, ob dies Fortschritte hin zu einer diplomatischen Lösung ermögliche.

Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, warnte angesichts der weitgehend blockierten Straße von Hormus vor einer Zuspitzung der Probleme bei der Ölversorgung. „Man muss sich bewusst sein, dass der März zwar sehr schwierig war, der April aber noch viel schlimmer werden wird“, sagte Birol in Paris der Zeitung „Le Figaro“.

„Sollte die Meerenge tatsächlich den ganzen April über gesperrt bleiben, werden wir doppelt so viel Rohöl und Raffinerieprodukte verlieren wie im März. Wir stehen vor einem ‚schwarzen April‘“, sagte Birol. „Ich bin heute sehr pessimistisch, weil dieser Krieg eine der Lebensadern der Weltwirtschaft lahmlegt. Nicht nur Öl und Gas, sondern auch Düngemittel, Petrochemikalien, Helium und vieles mehr.“

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