Ungarns früherer Außenminister und EU-Kommissar Péter Balázs macht Premier Viktor Orbán kurz vor der Wahl am 12. April schwere Vorwürfe. „Putins wertvollster Agent im Westen ist Viktor Orbán. Der Kreml hat keinen besseren Mann, um russische Interessen im Innersten der EU und der Nato zu vertreten“, sagte Balázs im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Putin ist bereit, einen hohen Preis dafür zu zahlen, um Orbán in seiner Position als russischen Agenten zu halten.“

Orbán spiele diese Rolle meisterhaft, so der frühere Außenminister. „Orbán weiß genau: Er ist nur ein guter Agent für Putin, Xi Jinping und Donald Trump, solange er in der EU und Nato sitzt.“

Schon 2018 und 2022 hätten viele Ungarn auf Orbáns Abwahl gehofft, so Balázs. „Doch nie war die Unzufriedenheit über die Regierung so groß wie heute“, erklärt er. „Die Ungarn warten sehnsüchtig auf einen Messias – und jetzt betritt Péter Magyar die politische Bühne.“ Viele hätten lange auf diesen Moment gewartet, auf jemanden, der eine echte Chance habe, dem System Orbán ein Ende zu bereiten.

Balázs rechnet jedoch nicht damit, dass Ungarn unter Tisza-Chef Magyar schnell zum Ukraine-Unterstützer wird. „Ich erwarte eine schrittweise Rückkehr zur Normalität, wenn Tisza die Wahl gewinnt“, so Balázs. „Anfangs wird es einen sehr schwierigen Übergang geben, ähnlich wie in Polen nach der Abwahl der rechtspopulistischen PiS. Doch in Ungarn wird der Übergang viel schwieriger sein, weil Orbán loyale Anhänger in allen wichtigen Institutionen platziert hat.“

Balázs war von 2009 bis 2010 Außenminister in Ungarn. Orbán regiert das Land nach einer ersten Amtszeit von 1998 bis 2002 seit 2010 erneut.

Opposition baut Vorsprung zu Orbán-Partei aus

Kurz vor der Parlamentswahl in Ungarn baut Tisza in den Umfragen ihren Vorsprung vor der Regierungspartei Fidesz von Ministerpräsident Orbán aus. In einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts 21 Research Centre zwei Wochen vor der Wahl kommt Tisza unter den Wählern, die sich bereits entschieden haben, auf 56 Prozent, drei Prozentpunkte mehr als Anfang März. Die Fidesz-Partei des seit 16 Jahren regierenden Orbán verliert dagegen zwei Punkte und liegt bei 37 Prozent.

Allerdings sind der vom Nachrichtenportal „24.hu“ veröffentlichten Erhebung zufolge 26 Prozent der Befragten noch unentschlossen. In ‌der Gunst aller Wahlberechtigten liegt Tisza demnach bei 40 Prozent und Fidesz bei 28 Prozent.

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