Donald Trump zieht andere Seiten auf. Zum zweiten Mal binnen eines Monats feuert der US-Präsident eine zentrale Ministerin in seinem Kabinett. Anfang März musste Heimatschutzministerin Kristi Noem ihren Hut nehmen, jetzt Justizministerin Pam Bondi. Am Donnerstagmittag kündigte der US-Präsident ihren Abgang auf seiner Plattform Truth Social an.

Sowohl Noem als auch Bondi haben in Trumps Augen schwere Fehler begangen: Sie haben ihn schlecht aussehen lassen. Ihr Handeln hat für so viel schlechte Presse gesorgt, dass der Präsident Konsequenzen ziehen musste – denn es handelte sich jeweils um für seine Wählerbasis entscheidende Themen.

Eigentlich wollte Donald Trump sich in seiner zweiten Amtszeit nicht mehr von dem öffentlichen Narrativ treiben lassen. „Ich feuere niemanden aufgrund von Fake News und Hexenjagden“, sagte er kurz nach Amtsantritt vergangenen Jahres im Interview mit dem Sender NBC.

Seine Regierung befand sich gerade mitten in einem handfesten Skandal. Ein Journalist wurde vom damaligen Nationalen Sicherheitsberater Mike Waltz versehentlich in einen Signal-Chat hinzugefügt, indem unter anderem Verteidigungsminister Pete Hegseth und Vizepräsident J.D. Vance das anstehende Bombardement der Huthi-Terroristen im Jemen planten und dabei geheime Informationen teilten. Am Ende musste Waltz seinen Posten räumen, wurde dafür aber mit dem prestigeträchtigen Posten des US-Botschafters bei den Vereinten Nationen entschädigt.

Pam Bondi hat seit Beginn von Trumps Amtszeit öffentliche Kritik auf sich gezogen, auch von der eigenen Basis. So versprach die Justizministerin, eine sogenannte Kundenliste von Jeffrey Epstein zu veröffentlichen. „Sie liegt auf meinem Schreibtisch“, sagte sie in einem Fox-News-Interview. Wenig später gab sie dann zu Protokoll, dass es eine solche Liste gar nicht gebe. Für die MAGA-Basis, die hinter dem Epstein-Skandal ohnehin eine riesige Verschwörung der Mächtigen vermutet, und Trump wegen dessen Transparenzversprechen in dem Fall gefeiert hatte, war das wie ein Verrat.

Als der Kongress im November ein Gesetz verabschiedete, dass das Justizministerium zwang, alle Epstein-Akten zu veröffentlichen, zog Bondi auch die Kritik der breiteren Öffentlichkeit auf sich. Denn ihr Haus nahm großzügige Schwärzungen vor, vor allem von Namen mutmaßlicher Mitbeschuldigter und Mitwisser.

Nicht das erste Mal unzufrieden

Das war jedoch nicht das erste Mal, dass Trump mit Bondis Arbeit unzufrieden war. Im September vergangenen Jahres adressierte er sie in einem Post auf Truth Social direkt: „Pam:“, schrieb er, und wies sie an, konsequenter gegen seine ehemaligen Rivalen vorzugehen. „Wir dürfen nicht länger zögern, das schadet unserem Ruf und unserer Glaubwürdigkeit“, so Trump. Er forderte Anklagen gegen den ehemaligen FBI-Direktor James Comey, dem er die Russland-Untersuchung übelnimmt, und die New Yorker Staatsanwältin Letitia James, die Anklage gegen die Trump-Organisation wegen Betrugs erhoben hat.

Bondi folgte der Aufforderung, jedoch enthielten die Anklagen erhebliche handwerkliche Fehler, dass sie jeweils von Gerichten abgewiesen wurden. Lange wehrte sich Trump gegen den Gedanken, Bondi zu feuern. Schließlich wollte er sich nicht dem öffentlichen Druck beugen. Doch besonders in der Epstein-Affäre regte sich in der Öffentlichkeit zu viel Unmut. 60 Prozent der Amerikaner sind unzufrieden damit, wie mit den Dokumenten umgegangen wird, ergab eine Umfrage des Instituts Navigator im Februar. Unter republikanischen Wählern sind es ganze 28 Prozent.

Auch die ehemalige Heimatschutzministerin Kristi Noem stürzte in Ungnade, nachdem ihre Politik negativ auf den Präsidenten zurückgefallen war. Nach den Schüssen von Beamten der Einwanderungsbehörde ICE auf zwei Amerikaner in Minneapolis im Januar, zog das Vorgehen der Beamten massive Kritik auf sich. Zwei Drittel der Amerikaner waren daraufhin laut einer Umfrage des Instituts Marist der Ansicht, dass ICE zu weit gegangen ist. Noem selbst hat sich selbst zum Gesicht des harten Vorgehens gegen illegale Einwanderer gemacht, indem sie beispielsweise Videos von sich im Gefängnis von El Salvador veröffentlichte. Trump bemühte sich um Schadensbegrenzung und beauftragte seinen Vertrauten, den Grenz-Zar Tom Homan, die Situation in Minneapolis zu deeskalieren. Anfang März feuerte er Noem schließlich.

Sowohl Noem als auch Bondi taten, was der Präsident von ihnen erwartete – sie setzten seine Politik um. Doch angesichts der schlechten Umfragewerte steigt im Weißen Haus die Nervosität. Denn es sind mittlerweile nicht mehr nur die Themen Einwanderung und Epstein, bei denen Trump Kritik erntet. Der Iran-Krieg und die schlechte wirtschaftliche Lage kommen nun hinzu. Bei ersteren hat Trump nun die Schuld auf seine Minister abgewälzt.

Ob Bondis Interims-Nachfolger, Trumps ehemaliger persönlicher Anwalt Todd Blanche, im Epstein-Fall die erhoffte Transparenz schaffen kann, bleibt offen. Bislang hatte er Bondis Linie vertreten, Schwärzungen verteidigt und Vorwürfe der Vertuschung zurückgewiesen.

Nachfolger Todd Blanche

Im Fall einer Nominierung und einer dann nötig werdenden Anhörung vor dem Senat dürfte die Aufmerksamkeit vor allem auf sein Treffen mit Epsteins Komplizin Ghislaine Maxwell fallen. Blanche traf die verurteilte Sexualstraftäterin im Juli vergangenen Jahres und im Anschluss erhielt sie eine Hafterleichterung. Bislang ist unklar, was die beiden besprochen haben.

Gregor Schwung berichtet als außenpolitischer Korrespondent über transatlantische Beziehungen, internationale Entwicklungen und geopolitische Umbrüche mit einem besonderen Schwerpunkt auf die Ukraine und die USA.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke