Pro Asyl kritisiert Rückkehrdebatte um syrische Geflüchtete
Der Geschäftsführer der Flüchtlingshilfeorganisation Pro Asyl, Karl Kopp, hat die Debatte um die Rückkehr von Geflüchteten nach Syrien als "realitätsfern" kritisiert. "Es gibt da noch nicht die Sicherheit in Syrien und es gibt eine massive humanitäre Katastrophe“, sagte Kopp MDR AKTUELL und verwies auf Angriffe auf christliche Dörfer sowie Massaker an Drusinnen und Alawiten.
Gleichzeitig seien die Zahlen syrischer Asylsuchender in Deutschland und Europa stark zurückgegangen, weil Syrien nicht mehr der Haupttreiber für neue Fluchtbewegungen sei. Kopp warnte jedoch, dass neue Fluchtbewegungen drohten, falls die Menschenrechts- und Sicherheitslage in Syrien nicht stabilisiert werde.
Merz ruft Geflüchtete zur Rückkehr nach Syrien auf
Bei einem Treffen mit dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa am Montag in Berlin rief Bundeskanzler Friedrich Merz syrische Geflüchtete dazu auf, in ihre Heimat zurückzukehren und am Wiederaufbau des stark zerstörten Landes mitzuwirken. Dem CDU-Politiker zufolge sollen in den kommenden drei Jahren perspektivisch rund 80 Prozent der etwa eine Million Menschen, die während des Assad-Regimes in Deutschland Zuflucht gefunden haben, nach Syrien zurückkehren.
Merz betonte, dass die Mehrheit der Syrerinnen und Syrer den Wunsch habe, ihr Land wieder aufzubauen und dort sicher, frei und in Würde zu leben. "Diese Menschen (...) sind Ihnen willkommen", sagte der Kanzler an al-Scharaa gerichtet. Er lobte, dass der syrische Präsident dies ausdrücklich zum Ausdruck gebracht habe, und nannte dies "die entscheidende Botschaft Ihres Besuches heute hier in Berlin".
Organisationen sehen Gewalt durch al-Scharaa-Empfang legitimiert
Bereits im Vorfeld des Empfangs von al-Scharaa hatte Pro Asyl gemeinsam mit den Landesflüchtlingsräten scharfe Kritik geäußert. "Selbst nach den Massakern in Syrien an Alawit*innen, Drus*innen, Kurd*innen und anderen Minderheiten empfängt die Bundesregierung einen Mann, dessen Truppen an schwersten Menschenrechtsverbrechen beteiligt sind", erklärten die Organisationen am Montag. Ihrer Ansicht nach legitimiere die Bundesregierung mit dem Empfang die Herrschaft al-Scharaas.
MDR/AFP(mbe)
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