Der Sicherheitsexperte Christian Mölling warnt: Deutschland ist längst Teil des Konflikts mit dem Iran – und könnte auch selbst zur Zielscheibe für das Mullah-Regime werden.

Auch Deutschland könnte nach Ansicht des Sicherheitsexperten Christian Mölling direkt ins Visier des Iran geraten. „Ja, wir müssen uns Sorgen machen“, sagte der Politologe vom Brüsseler Thinktank European Policy Centre mit Blick auf die sicherheitspolitische Lage in der jüngsten Folge des stern-Podcasts „Die Lage – International“.

In Deutschland werde die Tragweite des Konflikts häufig unterschätzt. „Wir reduzieren diesen Krieg auf das Gebiet, wo er stattfindet“, kritisierte Mölling. Stattdessen konzentriere sich die öffentliche Debatte auf die Energiepreise und die Frage des Völkerrechts. 

Mölling widersprach dabei auch Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD). Deutschland sei nicht „Teil des Krieges“; Klingbeil hatte die Lage mit  den Worten „Das ist nicht unser Krieg“ eingeordnet.

 „Natürlich ist es unser Krieg“

 „Natürlich ist es unser Krieg“, so der Experte. Allein durch militärische Infrastruktur und politische Unterstützung könne die Bundesrepublik in den Fokus geraten. „Deutschland kann relativ einfach Zielscheibe sein“, sagte Mölling und verwies dabei auch auf US-Stützpunkte, Datenzentren und Nato-Strukturen in Europa.

Hintergrund der aktuellen Debatte ist ein iranischer Raketenangriff auf den britischen Inselstützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean, rund 4000 Kilometer von der iranischen Küste entfernt. Bislang waren Militärexperten davon ausgegangen, dass iranische Raketen eine maximale Reichweite von 3000 Kilometern haben. 

Ist das eine Drohung des Iran?

Zwischen Berlin und Teheran beträgt die Luftlinie etwa 3500 Kilometer. Zwar gibt es bislang keinerlei Anzeichen dafür, dass der Iran auch Europa militärisch ins Visier nehmen könnte. Allerdings gibt es mit Ramstein auch in Deutschland eine wichtige US-Militärbasis. Vergangene Woche hatte der Botschafter des Irans in Deutschland bei der Bundesregierung angefragt, ob Ramstein für Angriffe auf den Iran genutzt werde.

Dies könne man durchaus als Drohung verstehen, sagte Mölling. Auch könnte Deutschland zum Ziel von iranischen Terrorakten werden. „Es geht nicht darum, dass die Iraner nicht zu uns kommen – die sind schon da“, sagte er. Deutschland sei „Operationsgebiet und Rückzugsgebiet“ für entsprechende Netzwerke.

Nicht zuletzt könnte die erkennbare Schwäche der amerikanischen Regierung im Konflikt mit dem Iran auch Auswirkungen auf den Ukrainekrieg – und damit auch auf Deutschland – haben. Immerhin seien der Iran und Russland Verbündete, sagte Mölling. „Aus russischer Sicht wäre es gar nicht so schlecht, wenn die Deutschen Angst vor iranischen Raketen bekommen“, sagte er. 

Im Umgang mit dem Irankrieg wähle die Bundesregierung momentan eine typische Haltung, die aber gefährlich sei, so Mölling. „Wir versuchen uns kleinzumachen – aber das schützt uns nicht.“

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