Nicolas Sarkozy jammert über Zustände im Gefängnis
Wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung kam Nicolas Sarkozy im Oktober des vergangenen Jahres ins Pariser Gefängnis La Santé. Schon nach drei Wochen durfte er unter Auflagen die Haftanstalt wieder verlassen. Über seine Erfahrungen in Haft hat der ehemalige französische Präsident dennoch ein Buch geschrieben.
Einen kurzen Auszug daraus hat die US-Monatszeitschrift „Harper's Magazine” auf Englisch veröffentlicht. Darin schildert Sarkozy die zahlreichen Unannehmlichkeiten, die er im Gefängnis erfahren musste. Der Titel lautet „Pain Quotidien“, was auf Französisch „tägliches Brot” bedeutet, aber auch ein Wortspiel mit dem englischen Wort für Schmerz ist.
„Ich bin niemand, der sich gerne beklagt, der Mitleid oder Beileid sucht”, beginnt Sarkozy den kurzen Text – um in den folgenden Sätzen dann ausnahmslos genau das zu tun: sich über die Haftbedingungen zu beschweren.
Harte Matratze, kein Kaffee und labberiges Baguette
Die Zustände in seiner Zelle seien ein „Schock“ gewesen, erklärt der 71-Jährige: „Ich hatte noch nie eine härtere Matratze erlebt, nicht einmal während meiner Zeit beim Militär. Kein Glas Wasser. Kein Kaffee. Nicht ein Fünkchen Menschlichkeit!”
Er, der Joggingrunden im prächtigen Pariser Park Bois de Boulogne gewohnt sei, habe zum ersten Mal ein Laufband ohne Motor nutzen müssen: „Der Unterschied war frappierend.” Auch die Dusche sei ständig ausgegangen: „Man musste ständig den Knopf suchen und erneut drücken.” Darüber hinaus beschwert sich Sarkozy über das „labberige Baguette”, das zum Mittagessen serviert wurde, sowie den fehlenden Ausblick aus seinem Fenster.
„Ich spürte, wie ich der Traurigkeit verfiel”, schildert der Ex-Präsident seine Gefühle in Haft. „Es war, als ob mein Herz aufgehört hätte zu schlagen. Ich fühlte mich am Rande eines Abgrunds.” Am Ende des kurzen Buchauszugs kommt der Kunstliebhaber zu dem Schluss: „Das Gefängnis ist nichts für Ästheten.“
Nicolas Sarkozy erntet Spott
Nach 20 Tagen wurde Sarkozys Antrag auf Haftverschonung stattgegeben. Über diese kurze Zeit schrieb er sein Buch „Tagebuch eines Häftlings”, das nur einen Monat später erschien. Seine Memoiren sind bisher nur auf Französisch erschienen, übersetzte Ausgaben liegen noch nicht vor.
Auch deshalb erregt der englische Auszug aus Sarkozys Erinnerungen Aufmerksamkeit – und viel Spott. In den sozialen Netzwerken vergleichen Nutzer sarkastisch seine literarisch anmutenden Zeilen mit Gefängnisberichten großer Persönlichkeiten wie Dostojewski oder Nelson Mandela. „Was dachte er denn, wie es im Gefängnis ist? Wie in einem günstigen Hotelresort?”, fragt eine Person.
Sarkozy geht in Berufung
Es läuft derzeit ein Berufungsverfahren, in dem der frühere Präsident gegen die Verurteilung zu fünf Jahren Haft vorgeht. Sarkozy soll 2007 illegal Geld von der Führung des damaligen libyschen Machthabers Muammar Gaddafi für seinen Präsidentschaftswahlkampf bekommen haben.
Sarkozy ist bereits in zwei anderen Fällen rechtskräftig verurteilt worden. 2025 wurde er in einer Affäre um versuchte Richterbestechung zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt, musste aber – wie in Frankreich bei kurzen Haftstrafen üblich – nur drei Monate lang eine elektronische Fußfessel tragen.
Im November 2025 wurde Sarkozy zudem wegen überzogener Wahlkampfkosten erneut zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt. Auch diese Strafe wird er wohl durch das Tragen einer elektronischen Fußfessel ableisten.
Quellen: „Harper's Magazine”, Nachrichtenagenturen DPA und AFP
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