Das ist Münchens erster Grünen-Oberbürgermeister Dominik Krause
Er ist gerade 35 Jahre alt, studierter Physiker, homosexuell: Dominik Krause ist das neue, frische Gesicht im Münchner Rathaus. Krause bezwang in der Stichwahl am Sonntag deutlich mit 56,4 Prozent zu 43,6 Prozent den zwölf Jahre lang amtierenden Oberbürgermeister Dieter Reiter von der SPD. Der bisherige Zweite Bürgermeister profitierte von Reiters Patzern im Wahlkampfschlussspurt – und einer gewachsenen Grünen-freundlichen Stimmung in Bayerns Landeshauptstadt.
Krause übernimmt die Amtsgeschäfte in München direkt – denn der unterlegene Reiter meldete sich am Tag nach der Niederlage krank. Ob Reiter nochmals ins Rathaus am Marienplatz zurückkehren wird, scheint ungewiss. Offiziell wird der Wechsel dann zum 1. Mai.
„Es war Aufbruch, es war Erneuerung“, erklärte Krause noch am Wahlabend seinen sensationellen Erfolg. Für München ist der Sieg des Grünen eine Zäsur. Seit dem Zweiten Weltkrieg regierte mit Ausnahme von wenigen Jahren CSU-Regentschaft immer ein Sozialdemokrat die bayerische Landeshauptstadt, die damit im von der CSU geprägten Bayern eine stabile Sonderrolle einnahm. Mit der SPD-Vorherrschaft ist nun Schluss. Das lag zu einem großen Teil allerdings am bisherigen Amtsinhaber Reiter.
SPD-Mann Reiter nach Wahlschlappe: „Habe es verbockt“
„Ich hab's verbockt“, räumte Reiter am Wahlabend ein. Er hatte Details seiner Funktionärsarbeit für den FC Bayern München verschwiegen – als das bekannt wurde, kippte die Stimmung gegen den 67-Jährigen.
Die Frage, wer eigentlich Krause ist, stellten sich viele Münchner erst kurz vor der Wahl. Offensichtlich überzeugte der junge Mann dabei. 1990 in München geboren und in den Stadtteilen Moosach und Untermenzing mit zwei Geschwistern aufgewachsen, studierte Krause nach dem Zivildienst Physik und machte einen Master. In die Politik kam er nach eigenen Worten, weil ihn ein Aufmarsch von Neonazis schockierte. Krause trat in die Grünen ein, kam 2014 als junger Student in den Stadtrat. Privat gibt er sich als typischer Münchner – zum Wandern, Klettern oder Skifahren zieht es ihn in der Freizeit in die Berge.
Seit vielen Jahren lebt er mit seinem Verlobten Sebastian Müller im einstigen Arbeiterviertel Giesing - die beiden Männer lernten sich als Jugendliche beim Tanzkurs kennen. Bei der Münchner Parade zum Christopher Street Day trat Krause als „Bürgaymeister“ auf. Krause weiß Schlagzeilen zu setzen: 2023 brachte er als Bürgermeister die Oktoberfestwirte gegen sich auf, als er München als die „Stadt mit der weltweit größten offenen Drogenszene, nämlich dem Oktoberfest“ bezeichnete. Krause wollte so für eine Cannabislegalisierung werben – die harschen Reaktionen der Wiesnwirte brachten ihm über München hinaus Bekanntheit.
Söder macht Grünen Angebot
Als Oberbürgermeister wird er nun unter stark erschwerten Bedingungen liefern müssen. München hat hohe Schulden, der Grüne versprach trotzdem den Bau von 50.000 Wohnungen. Außerdem versprach er Wohltaten für Familien, Kinder und Senioren.
In der Münchner Staatskanzlei dürfte nun Ministerpräsident Markus Söder (CSU) deutlich genauer als bisher hinschauen, was im Münchner Rathaus passiert. Die in München ansässige Internationale Automobilausstellung wurde von den Grünen genau wie die Olympiabewerbung zwar nicht ablehnend, aber kritisch begleitet. Schwieriger dürften die Gespräche über den von der Lufthansa forcierten weiteren Ausbau des Münchner Flughafens werden.
Söder, der sich seit langem auf die Grünen einschießt, machte Krause nach dem Wahltag das „Angebot zu einer fairen Zusammenarbeit“. Krause müsse vor seiner Ernennung im Mai nun aber zunächst eine Mehrheit im Stadtrat organisieren – allerdings sind die Grünen auch dort stärkste Kraft. Unerwähnt ließ Söder, dass der Sieg des Grünen auch eine Niederlage der CSU ist. Denn die hatte eine klare Wahlempfehlung für Reiter gegeben. Und Söder dürfte schwanen, dass ein erfolgreicher Grünen-Oberbürgermeister der CSU auch bei der nächsten Landtagswahl 2028 das Geschäft schwerer machen könnte.
AFP · DPA mth- Dominik Krause
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