Vor dem Hintergrund steigender antisemitischer Übergriffe kritisiert der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin einen Grünen-Antrag zur Förderung muslimischen Lebens im Bundestag. „Wir müssen kein jüdisches Leben fördern, wir müssen kein christliches Leben fördern und wir müssen kein muslimisches Leben fördern“, sagte Sarrazin im Gespräch mit WELT TV. Religionen förderten sich selbst.

Der Antrag der Grünen mit dem Titel „Vielfältiges muslimisches Leben in Deutschland fördern“ umfasst 24 Maßnahmen. Die Grünen beklagen eine „anhaltende Diskriminierung und Muslimfeindlichkeit“ und fordern unter anderem besseren Schutz von Moscheen, den Ausbau islamischen Religionsunterrichts sowie rechtliche Verbesserungen bei islamischen Feiertagen. Auch Kopftuchverbote im öffentlichen Dienst sollen fallen, muslimische Organisationen langfristig stärker unterstützt werden. In Deutschland leben laut Bundesinnenministerium rund 5,6 Millionen Muslime.

Die geplante Bundestagsdebatte wurde jedoch bereits zum zweiten Mal kurzfristig von der Tagesordnung genommen. Während die Grünen organisatorische Gründe anführen, vermutet die Union politisches Kalkül – auch mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz. Dort stehen die Grünen in aktuellen Umfragen bei 9 Prozent, nach der AfD (19 Prozent), der SPD (27 Prozent) und der CDU (29 Prozent).

Sarrazin sieht ein grundsätzliches „Ungleichgewicht“ im politischen Umgang mit Religionen: „Mehr und mehr Politiker gehen zum Ramadan – und währenddessen werden unsere Weihnachtsmärkte zu Festungen ausgebaut.“ Das habe „auch irgendwo mit dem Islam zu tun“, sagte er mit Blick auf islamistischen Terrorismus.

Auch kulturell laufe etwas „schief“: „Es wird von vielen das kulturell Fremde begrüßt, weil man das eigene ablehnt.“ Von manchen habe er „den Eindruck, als ob sie deutsche Kultur eigentlich gar nicht so mögen“. Den Grünen unterstellte Sarrazin strategische Motive: „Alles, was gegen das weiße Abendland ist, genießt in bestimmten Kreisen emotionale Sympathie.“

Mit Blick auf Integration sagt er: „Die Muslime leben ja völlig mit dem Rücken zur europäischen Kultur.“ Es komme „keinem in den Sinn, mal eine Weihnachtsmesse zu besuchen“. Viele bewegten sich sozial vor allem untereinander, während sie zugleich „die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die sie hier haben“, nutzten – was „auch legitim“ sei.

Langfristig warnt Sarrazin vor demografischen Veränderungen: „Wenn das so weitergeht mit den Geburtenraten und mit der Zuwanderung, dann werden wir in 50, 60 Jahren in diesem Land muslimische Mehrheiten haben.“ Es wirke, „als ob sich viele Politiker darauf bereits geistig und seelisch vorbereiten“.

Die Debatte über den Grünen-Antrag soll in der kommenden Sitzungswoche nachgeholt werden.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke