T-Shirt statt Anzug: So reagieren asiatische Staaten auf die Ölkrise
Der Konflikt rund um den Iran trifft viele asiatische Länder besonders hart, da sie stark von Öl- und Gaslieferungen aus der Golfregion abhängig sind. Vor allem die blockierte Straße von Hormus – eine der wichtigsten Transportrouten für Energie – führt zu Lieferengpässen und stark steigenden Preisen. Regierungen reagieren daher mit teils drastischen Sparmaßnahmen und Eingriffen in den Alltag.
Bangladesch
In Bangladesch führt die Öl-Knappheit zu stundenlangen Wartezeiten beim Tanken. Die Regierung rationiert Treibstoff und drosselt die Industrieproduktion. Die Ramadan-Ferien an den Universitäten wurden vorgezogen und landesweit geplante Stromabschaltungen eingeführt, um Energie zu sparen. Wie der „Standard“ berichtet, kündigte Innenminister Salahuddin Ahmed an, dass die Festbeleuchtung zum Unabhängigkeitstag am 26. März reduziert werde.
China
China ist dank großer Reserven und alternativer Lieferanten weniger stark betroffen, beobachtet die Lage aber aufmerksam und sichert die eigene Versorgung. Peking forderte die wichtigsten Raffinerien im Land auf, vorerst kein Benzin und Diesel mehr ins Ausland zu exportieren.
Indien
Indien kämpft vor allem mit Engpässen bei Erdgas und ruft zur Zurückhaltung beim Verbrauch auf, kann aber teilweise auf alternative Lieferquellen ausweichen.
Indonesien
Indonesien bereitet Kürzungen bei einigen Regierungsprogrammen vor, sollten die weltweiten Ölpreise auf hohem Niveau verharren, wie das Portal „Marketscreener“ berichtet. Als weitere Möglichkeit werde die Einführung von Sondersteuern auf „Zufallsgewinne“ durch Rohstofffirmen diskutiert, sollten die Preise bestimmter Kraftstoffe weiter steigen.
Japan
Japan greift bereits massiv auf seine Vorräte zurück und subventioniert Kraftstoffe, um Preise stabil zu halten. Die Regierung gibt an, die staatlichen und privaten Ölvorräte im Land reichten für 254 Tage, die Flüssigerdgasvorräte (LNG) für drei Wochen.
Kambodscha
Im Königreich erhöhte das Handelsministerium die Preise an den Tankstellen. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, keinen Treibstoff zu horten. Die Reserven des Landes reichen den Angaben zufolge für drei Wochen.
Laos
Laut „Marketscreener“ blieben in der vergangenen Woche viele Tankstellen geschlossen, sodass Verbraucher stundenlang Schlange stehen mussten, um Benzin zu kaufen. „In einigen Fällen, in denen es viele Kunden gibt, kann es zu Lücken kommen, aber wir werden versuchen, die Situation in den Griff zu bekommen“, sagte ein Verantwortlicher der größten Tankstellenkette im Gespräch mit „Marketscreener“.
Myanmar
Privatfahrzeuge dürfen in Myanmar nur an jedem zweiten Tag – je nach ihren Kennzeichen – fahren.
Pakistan
Pakistan geht noch weiter: Neben höheren Spritpreisen gibt es eine Viertagewoche für Staatsbedienstete, Rationierungen und Schulschließungen. Auch Universitäten stellen auf Online-Unterricht um.
Philippinen
Die Philippinen haben ebenfalls eine verkürzte Arbeitswoche für Behörden eingeführt und verpflichten staatliche Einrichtungen, ihren Energieverbrauch deutlich zu senken. Einige Regierungsbehörden ordneten an, dass ihre Mitarbeiter mindestens einen Tag pro Woche von zu Hause aus arbeiten müssen, während Präsident Ferdinand Marcos Jr. nicht unbedingt notwendige Reisen im öffentlichen Dienst verboten hat.
Sri Lanka
Sri Lanka hat jeden Mittwoch zum Feiertag für viele öffentliche Einrichtungen erklärt, um Treibstoff zu sparen. Die neue Viertagewoche gilt auch für Schulen und Universitäten.
Südkorea
Auch wirtschaftsstarke Länder reagieren: Südkorea prüft den Einsatz strategischer Reserven. Präsident Lee Jae Myung kündigte am Montag ein „System zur Begrenzung der Preise für Erdölprodukte“ an, mit dem die Privathaushalte entlastet werden sollen.
Taiwan
Der Inselstaat hat sich nach Angaben von Wirtschaftsminister Kung Ming Hsin 20 LNG-Lieferungen für März und April gesichert, wie der „Standard“ berichtet. Die Preise sollen durch eine „Formel zur Festlegung der Kraftstoffpreise“ stabilisiert werden.
Thailand
In dem Königreich ruft die Regierung zum Energiesparen auf: Klimaanlagen sollen wärmer eingestellt und formelle Kleidung soll vermieden werden – Anzüge sollen gegen kurzärmelige T-Shirts getauscht werden. Bei weiterer Zuspitzung könnten Tankstellen nachts schließen.
Vietnam
In Vietnam wird die Bevölkerung zu sparsamerem Verhalten aufgerufen, etwa durch weniger Autofahrten oder Fahrgemeinschaften. Gleichzeitig kam es dort bereits zu langen Warteschlangen und Hamsterkäufen an Tankstellen. Das Land appelliert eindringlich an seine Bürger, mehr Zeit zu Hause zu verbringen, um Kraftstoff zu sparen. Die Regierung rief die Bevölkerung außerdem dazu auf, Fahrrad zu fahren und vermehrt öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.
Insgesamt zeigt sich: Die Energiekrise infolge des Konflikts zwingt viele asiatische Staaten zu schnellen und teils einschneidenden Maßnahmen, um Versorgung und wirtschaftliche Stabilität zu sichern.
Quellen: BBC, „Standard“, Marketscreener (1), Marketscreener (2)
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