Weil Trump Venezuela und Mexiko verbietet, Öl an Kuba zu liefern, verschärfen sich dort die Probleme drastisch: Montag fiel komplett der Strom aus. Im Hintergrund laufen Verhandlungen.

Schon wieder kommt es auf Kuba zu einem totalen Stromausfall, diesmal sogar im gesamten Land. Ursache sei ein „vollständiger Zusammenbruch des nationalen Stromnetzes“, wie die Energiebehörde fast schon lakonisch mitteilt. Seit Langem gibt es immer wieder Ausfälle im Stromnetz, wenn auch selten so drastische. Die Stromausfälle haben mit mangelnden Investitionen zu tun, ein Ergebnis der jahrzehntelangen Misswirtschaft. Dass es zuletzt aber immer schlimmer wird, liegt am Ölboykott durch die USA.

Denn Donald Trump will das Land in die Knie zwingen. Seit einigen Wochen lässt er immer wieder bei Pressegesprächen und bei offiziellen Anlässen fallen, dass Kuba kurz vor der Übernahme stehe. Seiner Übernahme. Am späten Montag sprach Trump vor Journalisten im Weißen Haus erneut darüber: „Mein ganzes Leben lang höre ich schon von den Vereinigten Staaten und Kuba. Wann werden die Vereinigten Staaten es tun?“, sagte er. „Ich glaube wirklich, dass ich die Ehre haben werde, Kuba zu nehmen.“ Ob er es „befreie“ oder es „nehme“: Er könne mit dem Inselstaat machen, was er wolle, sagte Trump. „Sie sind im Moment ein sehr geschwächtes Land.“

Im Hintergrund verhandelt Trumps Außenminister

Geschwächt ist Kuba tatsächlich. Auch weil Trump nach der Intervention gegen Venezuela dem Land untersagte, weiter Öl an Kuba zu liefern. Auf Mexiko machte Trump ebenfalls Druck – das Land hatte eine Weile „aus humanitären Gründen“ Kuba Öl verkauft. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel erklärte, sein Land habe seit drei Monaten keinerlei Treibstofflieferungen mehr bekommen. Die Stromversorgung stützt sich vor allem auf alte Ölkraftwerke.

Im Hintergrund laufen bereits Verhandlungen zwischen Kuba und den USA. Wie die US-Zeitung „New York Times“ berichtet, habe die US-Regierung kubanischen Vertretern zu verstehen gegeben, dass Washington eine Entmachtung des kubanischen Präsidenten Miguel Díaz-Canel wünsche. Der Kommunistischen Partei solle jedoch ermöglicht werden, an der Macht zu bleiben. 

Die Kommunisten sollen weiter Kuba regieren dürfen

Der US-Präsident hatte am Sonntag zum wiederholten Male ein Abkommen mit Kuba in Aussicht gestellt – ohne allerdings zu konkretisieren, auf welche Themen sich dieses beziehen soll. Am Freitag hatte die kubanische Regierung ihrerseits erstmals bestätigt, dass man mit Vertretern der USA verhandle. Es gehe um die „Lösung von bilateralen Differenzen“.

Offenbar ist auch US-Außenminister Marco Rubio an den Gesprächen beteiligt. Das berichtet ebenfalls die „New York Times“. Auf kubanischer Seite ist soll Raúl Guillermo Rodríguez Castro, ein Enkel von Raúl Castro, einer der Hauptverhandler sein.

Große Absetzbewegung aus Kuba

Kuba leidet schon seit Jahrzehnten unter Misswirtschaft. Seit den ausbleibenden Öllieferungen aber steigen die Preise erheblich, auch der Tourismus leidet, ein wichtiger Devisenbringer. Aufgrund der großen Repressionen durch die Regierung regt sich aber vergleichsweise wenig Widerstand. Dafür wandern viele Kubaner aus. Die „New York Times“ spricht davon, dass nach inoffiziellen Schätzungen allein in den vergangenen fünf Jahren rund zwei Millionen Kubaner das Land verlassen hätten. Das wäre etwa ein Fünftel der Bevölkerung. 

Am Wochenende gab es denn doch mal Ausschreitungen. Eine Gruppe Protestierender soll eine Parteizentrale in der Nähe Havannas verwüstet haben. Aber die großen Proteste bleiben aus.

Am Montag sprach Kubas stellvertretender Ministerpräsident Oscar Pérez-Oliva Fraga mit dem US-Sender NBC und erklärte: „Kuba ist offen für flexible Handelsbeziehungen mit US-Unternehmen sowie mit in den Vereinigten Staaten lebenden Kubanern und deren Nachkommen.“ Doch wie weit das gehen wird und wer dann die Führung in Kuba haben wird, das ist noch unklar.

Quellen: Nachrichtenagenturen DPA und AFP, sowie zwei Beiträge der „New York Times“ (1 und 2) 

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