Weimer gegen Erweiterungsbau für Deutsche Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig bekommt keinen erhofften Erweiterungsbau. Wie die Bibliothek mitteilte, hat sich Kulturstaatsminister Wolfram Weimer gegen die Realisierung des Vorhabens entschieden. Ein Sprecher des Ministers bestätigte, dass der Neubau nicht kommen soll.
Die Erweiterung sollte langfristig Platz schaffen, um Bücher und andere Medien sammeln und aufbewahren zu können. Die Bibliothek kritisierte die Absage und erklärte, die neuen Flächen würden dringend benötigt. Die Magazinkapazitäten in Leipzig seien nahezu erschöpft. Der Ministeriumssprecher teilte hingegen mit, Weimer setze sich für die Umstellung der Bibliothek auf Digitalisierung ein.
Der Direktor der Nationalbibliothek, Johannes Neuer, zeigte sich enttäuscht. Er sagte MDR AKTUELL, er sei "im ersten Moment geschockt" gewesen. Man habe jahrelang an dem Projekt gearbeitet.
Verantwortliche sehen Bibliothek als Stütze der Demokratie
Die Direktorin des Deutschen Buch- und Schriftmuseums, Stephanie Jabobs, mahnte bei MDR KULTUR, die Bibliothek gehöre zur zentralen Infrastruktur der Demokratie. Ohne sie drohten Wissensressourcen unwiederbringlich verloren zu gehen: "Und das können wir uns gerade nicht leisten, denn es ist im Grunde eine Nagelprobe, wo Wissen zugänglich und verifizierbar bleibt. Da zirkuliert Orientierung, da entsteht Urteilskraft und da entsteht eben auch Demokratie." Jacobs sieht ein Nein zum Erweiterungsbau deshalb als deutlichen Einschnitt in die gesellschaftspolitische Verantwortung der Deutschen Nationalbibliothek.
Weimer will Bürokratieabbau durch Digitalisierung
Laut Gesetz müssen Verlage derzeit grundsätzlich zwei physische Exemplare an die Bibliothek liefern. Weimer wolle, dass es in Zukunft nur noch ein Exemplar sein wird, und das wenn möglich digital, so der Ministeriumssprecher. Das sei ein Beitrag zum Bürokratieabbau.
Im Übrigen seien noch Magazinkapazitäten am zweiten Standort der Nationalbibliothek in Frankfurt vorhanden. Es werde geprüft, wie es angesichts der ausgereizten Flächen mit den Beständen in Leipzig weitergehen soll.
Direktor Neuer sagte, Weimer habe beim Thema Digitalisierung grundsätzlich einen Punkt. Zugleich entgegnete er: "Was wir ablehnen, ist, alles auf die digitale Karte zu setzen und keine analogen Medien mehr zu sammeln."
Die Nationalbibliothek wies zudem darauf hin, dass auch alternative Lösungen Geld kosten. Zudem seien bereits rund sieben Millionen Euro in die Planung des Erweiterungsbaus geflossen.
Täglich rund 13.100 neue Werke
Die Deutsche Nationalbibliothek archiviert seit 1913 sämtliche Publikationen in deutscher Sprache. Täglich gehen nach ihren Angaben rund 13.100 neue Werke ein, davon 3.300 in analoger und 9.800 in digitaler Form.
dpa/KNA (mze)
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