Atomkraft, ja bitte? Diskussion über Wiedereinstieg mit kleinen Kraftwerken
- Die CDU sieht den Atomausstieg als Fehler und wirbt für einen Wiedereinstieg – allerdings mit kleineren Reaktoren.
- Im sächsischen Landesverband sieht man das kritischer: Kleine Reaktoren seien zu schlecht erforscht und der Atommüll falle trotzdem an.
- Der Bundesverband für Energiewirtschaft sieht das Vorhaben kritisch. Atomenergie sei die teuerste Energieform.
Es gibt sie: Die Freunde der Atomenergie. Und vielleicht gibt es sogar welche, die sagen: So ein kleines Atomkraftwerk vor meiner Haustür – kein Problem.
"Wenn Sie jemanden haben, der sich bewerben möchte, der kann sich gern an mein Büro wenden", meint Sepp Müller, Unionsfraktionsvize im Deutschen Bundestag. Der Abgeordnete aus Lutherstadt Wittenberg kümmert sich um Energie- und Wirtschaftspolitik.
CDU: Kernkraft für grundlastfähigen Strom notwendig
Er findet, seine Parteifreundin Ursula von der Leyen hat recht: "Die Entscheidung, die wir in Deutschland auch unter unserer damaligen Führung getroffen haben, die jetzigen Kernkraftwerke zurückzubauen, war und ist ein Fehler. Und deswegen müssen wir jetzt mit klugem Kopf agieren. Die Leute nicht auf den Baum treiben, sondern einfach sagen: Wir brauchen grundlastfähigen Strom mit erneuerbaren Strom und da gehört Kernkraft dazu. Egal wo sie steht, wann sie steht und wann sie kommt."
Kleine Anlagen statt großer Reaktoren: Bisher nur Pilotprojekte
Müller denkt dabei weniger an klassische Großreaktoren, sondern an neue, kleine, flexible Anlagen. Auf die hoffen derzeit diverse Staaten. Auch Antonio Hurtado, Energietechnik‑Professor aus Dresden, hält sie grundsätzlich für sinnvoll: "Ich sage ganz klar, dass Kernenergie, so wie sie sich auch entwickelt hat, zu einem Mix dazugehört."
Tatsächlich gibt es solche kleinen, flexiblen Kernkraftwerke bislang aber kaum. Die meisten Projekte weltweit sind reine Pilotvorhaben. Und deswegen ist sich die CDU auch uneins, ob sie überhaupt eine Zukunft haben.
Sachsen: Kleine Kraftwerke zu unerforscht, Atommüll problematisch
Ina Klemm ist energiepolitische Sprecherin der CDU im Sächsischen Landtag. Sie warnt vor überzogenen Erwartungen: "Das ist zu unerprobt und unerforscht. Und es ist natürlich weiterhin unsicher: Was passiert denn dann mit dem Atommüll? Wir haben jetzt schon das Problem, dass wir bei der Endlagersuche ja eigentlich gar nicht so richtig vorankommen. Kein Mensch will, auf gut Deutsch gesagt, den Atommüll im Keller haben. Das ist jetzt schon ein Problem und aus Sicht der sächsischen CDU ist das kein Thema."
Forschung an Kerntechnik, insbesondere an Kernfusion, findet Klemm richtig. Allerdings sei die Kernfusion erst recht eine Technologie, die erst in Jahrzehnten relevant werden könnte.
Bundesverband der Energiewirtschaft: Wiedereinstieg nicht sinnvoll
So ähnlich bewertet das auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Dessen Vorsitzende Kerstin Andreae war früher Grünen-Abgeordnete. Sie sagt, der Atomausstieg sei 2011 von einer breiten Mehrheit getragen worden. Jetzt wieder einzusteigen, sei wirtschaftlich nicht sinnvoll: "Ich kenne auch keine Betreiber, für die das ein lukratives Geschäftsmodell ist. Wir wissen, dass die Atomenergie die teuerste Energieform ist. Deutschland hat sich entschieden. Und diese Entscheidung heißt, die Erneuerbaren sind im Zentrum der Stromversorgung."
Dazu gebe es als Partner die Gaskraftwerke, sagt Andreae. "Die liefern, wenn Sonne und Wind nicht liefern. Und perspektivisch müssen die auf Wasserstoff umgerüstet werden.“
Diesen erneuerbaren Weg habe man vor vielen Jahren eingeschlagen. Es sei nicht klug, jetzt wieder umzuschwenken. Andreae betont, sie kenne niemanden, der ein Atomkraftwerk in seinem Bundesland haben wolle. Aber wer weiß: Vielleicht ruft ja doch noch jemand bei Unionsfraktionsvize Sepp Müller an und bekundet Interesse.
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