Palmer warnt Grüne davor, „zu einem linken Sektierertum zu degenerieren“
Der Tübinger Oberbürgermeister und ehemalige Grünen-Politiker Boris Palmer hat seine frühere Partei vor „linkem Sektierertum“ gewarnt. Im Interview mit „Focus Online“ äußerte sich Palmer zur Landtagswahl in Baden-Württemberg, die der Grüne Cem Özdemir hauchdünn gewann, und dem grundsätzlichen Kurs seiner früheren Partei.
Palmer war seit den 1990er-Jahren Mitglied bei den Grünen und saß für die Partei im Stuttgarter Landrat. 2006 wurde er zum Oberbürgermeister von Tübingen gewählt. Wegen umstrittener Aussagen geriet er in seiner Partei immer wieder in die Kritik, 2023 trat er aus.
Er erlebe nun „überraschenderweise in Tübingen bei vielen Menschen“, dass sie ihm zum Erfolg der Grünen bei der Landtagswahlen gratulierten, obwohl er ja nicht mehr Mitglied der Partei sei, sagte Palmer. Er sei weiterhin „im Herzen Grüner“. Außerdem ein „Ökologe, und darum hat es mich sehr besorgt, dass der ökologische Gedanke und die ihn tragende Partei in Deutschland so in Verruf geraten sind“.
Er spreche nicht für die Grünen, aber ihm sei „wichtig, dass wir die Menschheitsaufgabe Klimaschutz zum Erfolg führen, und ich weiß, dass das nur geht, wenn man dabei auch wirtschaftlich erfolgreich ist“.
„Ökologie nicht als Gegensatz zur Wirtschaft, sondern als gemeinsame Aufgabe“
Die CDU habe es „bedauerlicherweise“ nicht geschafft, zu einer konservativen Kraft der Ökologie zu werden. Vielmehr glaube sie, „man müsse die Ökologie bekämpfen. Darum versuchen die Christdemokraten im Bund derzeit das, was Robert Habeck wirklich erreicht hat, nämlich den massiven Zubau an erneuerbarer Energie, möglichst wieder zurückzudrehen.“
Zum Ruf der Grünen und der Skepsis gegenüber dem „ökologischen Gedanken“ sagte Palmer weiter: „Und es hat mich noch mehr besorgt, dass dies zu einem linken Sektierertum zu degenerieren drohte, wäre Baden-Württemberg als Realitätsanker verloren gegangen.“ Insofern sei er jetzt „einfach froh“, dass Özdemir „die politische Ökologie so vertritt, wie es sein muss, nämlich nicht als Gegensatz zur Wirtschaft, sondern als gemeinsame Aufgabe“. Das Ergebnis der Grünen bei der Landtagswahl sei „ganz wesentlich der Erfolg von Cem Özdemir persönlich“ gewesen.
Zu einem möglichen Posten in einem Özdemir-Kabinett befragt, gab Palmer sich zurückhaltend. Weder habe Özdemir ihn gefragt noch habe er den Wahlsieger darauf angesprochen. Würde er denn darauf eingehen, sollte er eingeladen werden? „Auf hypothetische Fragen könnte ich antworten, will ich aber nicht“, sagte Palmer dazu.
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