„Habeck kann es einfach nicht lassen“ – Ex-Vizekanzler mischt plötzlich in Wahlkämpfen mit
Nach seiner gescheiterten Kanzlerkandidatur hatte er sich eigentlich aus der Politik zurückgezogen. Als Senior Analyst arbeitet der frühere Grünen-Vorsitzende Robert Habeck inzwischen an der Forschungseinrichtung Danish Institute for International Studies (DIIS). Doch anlässlich der bayerischen Kommunalwahl an diesem Sonntag mischt der einstige Vizekanzler nun auch wieder politisch mit.
Bereits Mitte Februar ist Habeck gemeinsam mit dem Grünen-Kandidaten für das Amt des Münchner Oberbürgermeisters, Dominik Krause, in der Muffathalle vor etwa 1000 Besuchern aufgetreten. „Ich habe ihn einfach angerufen und er hat sofort gesagt: ‚Ja, klar, komme ich nach München‘“, schilderte der Lokalpolitiker einleitend mit einigem Stolz, wie es zur Unterstützung seines Parteikollegen gekommen sei.
Auf Instagram intensiviert Habeck nun sein Engagement für die bayerischen Grünen. „Ich weiß nicht, ob es unstatthaft ist, dass ich als Norddeutscher Wahlwerbung in Bayern mache. Aber ich hatte hier so tolle politische Erlebnisse und hab‘ mich immer so zu Hause und so wohlgefühlt hier in diesem Land, dass ich es einfach mal probiere“, sagt der frühere Bundeswirtschaftsminister. „Wählen Sie die Menschen, die Nachhaltigkeit und Zukunftsorientierung mit konkreter Politik verbinden.“
Die Kommunalwahl gelte zu Unrecht als die „kleine Wahl“, führt er zudem aus. In Wahrheit werde dabei „die Unmittelbarkeit des Lebens ganz direkt entschieden“. Dazu gehörten etwa der Wohnungsbau sowie die Kultur- und Verkehrspolitik. „Sie entscheidet ganz maßgeblich über die konkrete Lebenswirklichkeit in ihrer Stadt, in ihrem Dorf, in ihrem Landkreis, in ihrer Kommune.“
Neben der Kommunalpolitik wird sich Habeck am Wochenende auch dem Wahlkampf auf Landesebene widmen. Anlässlich der Wahl des rheinland-pfälzischen Landtags am 22. März soll der Grünen-Politiker am Samstag in Mainz mit den Landesministerinnen und Parteikolleginnen Katrin Eder und Katharina Binz auftreten. In der Halle 45 plant er, eine Ausgabe des Podcasts „Habeck live“ aufzunehmen.
Im Gegensatz zu den Grünen aus Bayern und Rheinland-Pfalz hält Cem Özdemir, Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg, seinen prominenten Parteikollegen auf Distanz. „Bisher hat doch jeder Realo-Landesverband in den letzten Jahren versucht, Robert Habeck zu reaktivieren“, beobachtete Robin Alexander im Podcast „Machtwechsel“. „Robert Habeck hat die Hallen gefüllt, Robert Habeck, der Heiland, und jeder hat versucht, Habeck zu bewegen, nochmal den Wahlkampf mitzuprägen.“
Im Kampf um die Nachfolge von Winfried Kretschmann gelte dies nun nicht. „Özdemir, der noch nie ein Freund Habecks war, verzichtet darauf“, erklärte Alexander, obwohl dieser „immer noch viele Fans hat, aber natürlich auch für die Ampel“ stehe. „Er ist der Spitzenkandidat, er ist die Lokomotive.“ Und statt von Habeck suche er die Unterstützung von den „alten Realo-Schlachtrössern“ wie dem aktuellen Ministerpräsidenten oder dem früheren Bundesaußenminister Joschka Fischer.
Ob seine Einbindung in die Wahlkämpfe in Bayern und Rheinland-Pfalz auf eine Wiederbelebung seiner politischen Ambitionen hinweist, bleibt vorerst unklar. Die „Bild“ hat sich dazu in Parteikreisen umgehört. „Habeck kann es einfach nicht lassen“, soll ein Parteikollege gegenüber der Zeitung geäußert haben. „Vielleicht hofft er noch immer, dass wieder nach ihm gerufen wird.“ Entscheidend dafür dürften die Grünen-Ergebnisse der kommenden Monate sein. „Sollten die Wahlen im Osten verloren gehen, werden die Karten neu gemischt.“
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