Aus Protest gegen den neuen Wehrdienst sind heute in zahlreichen Städten Tausende Schüler auf die Straße gegangen. Die Demonstrationen standen unter dem Motto „Schulstreik gegen Wehrpflicht“. Seit Januar gilt ein neues Wehrdienstgesetz.

In Berlin versammelten sich mehrere Tausend Schüler am Vormittag am Potsdamer Platz und liefen zum Oranienplatz in Kreuzberg. Zur Teilnahme an der Demonstration im Rahmen eines „Schulstreiks“ mussten die Schüler den Unterricht schwänzen oder sich von den Eltern krankschreiben lassen.

Die Berliner Polizei sprach von 3000 Teilnehmern. Die Veranstalter nannten zunächst die Zahl 6000 und später dann 10.000 Demonstranten in Berlin und mehr als 50.000 in ganz Deutschland.

„Sterben steht nicht auf dem Stundenplan“

Auf Transparenten und Plakaten im Berliner Demonstrationszug stand: „Sterben steht nicht auf dem Stundenplan“, „Friedrich Merz an die Front“ und „Ein kluger Kopf passt unter keinen Stahlhelm“. Zu sehen waren auch Palästina-Flaggen, außerdem Fahnen von Parteien wie Die Linke und BSW sowie von kommunistischen Gruppen.

In Sprechchören riefen die Jugendlichen: „Nie, nie, nie wieder Wehrpflicht“ und „Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft“. Eine Rednerin rief: „Auf dem Schlachtfeld habe ich doch mehr gemeinsam mit den Menschen gegenüber als mit denen, die mich anweisen, auf sie zu schießen.“

Ein zehnjähriger Junge meinte: „Ich will nicht töten und ich will nicht getötet werden.“ Eine Oberstufenschülerin sagte: „Ich habe einen kleinen Bruder und ich will nicht, dass der in den Krieg geht.“ Ein 17-jähriger Schüler und sein 13-jähriger Bruder ließen sich für die Demonstration von ihren Eltern krankschreiben.

Auch in Hessen demonstrierten am Donnerstag mehr als 1300 Schüler. Nach Polizeiangaben versammelten sich in Frankfurt am Main 400 bis 500 Schüler, in Kassel 300 bis 400. In Darmstadt waren es 180, in Marburg zum Auftakt rund 130, in Gießen 120. In Hanau versammelten sich rund 60 Schüler, in Wiesbaden 25. Im benachbarten Mainz in Rheinland-Pfalz kamen an die 100 Schüler zusammen, in Koblenz ebenfalls.

In Schleswig-Holstein schlossen sich ebenfalls viele dem Aufruf der Initiative „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ an. Bei der größten Demonstration in der Landeshauptstadt Kiel gingen rund 600 Menschen auf die Straße, wie die Polizei mitteilte. Dabei waren auch Flaggen und Transparente der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) zu sehen. In Lübeck wurden rund 190, in Flensburg etwa 100 Teilnehmende gezählt.

Das Bündnis erklärte, die Schulstreiks richteten sich sowohl gegen die von der schwarz-roten Bundesregierung vorangetriebene Vorbereitung einer flächendeckenden Wehrpflicht als auch gegen die geplante Ausweitung des im Dezember beschlossenen Wehrdienstmodernisierungsgesetzes. Die Streikenden verlangten mehr Geld für Bildung, Soziales und Umweltschutz statt für Aufrüstung.

„Die Proteste gehen so lange weiter, bis wir das Wehrdienstmodernisierungsgesetz, die Einführung von Wehrpflicht und anderen Zwangsdiensten zu Fall gebracht haben“, sagte eine 18-jährige Schülerin aus Itzehoe (Kreis Steinburg). Eine kommende Demonstration soll am 8. Mai stattfinden – dem 81. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs in Europa.

Seit Anfang des Jahres ist das neue Gesetz zum Wehrdienst in Kraft. Derzeit ist der Dienst freiwillig. Finden sich nicht genügend Freiwillige, steht aber eine Reaktivierung der Wehrpflicht im Raum, die seit 2011 ausgesetzt ist. Deutschland reagiert damit auf die Bedrohung durch Russland und die in der Folge geänderten Nato-Ziele.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke