Will US-Präsident Donald Trump die Menschen des Iran von ihrem brutalen Regime befreien oder doch den Bau von Atomwaffen verhindern? Das meint die internationale Presse dazu.

Der Krieg im Iran und seine Auswirkungen auf die umliegenden Länder und den Rest der Welt sind nicht nur in den deutschen Medien derzeit das vorherrschende Thema. Auch die internationale Presse berichtet natürlich über die Entwicklungen. Und viele Medien fragen sich: Was will US-Präsident Donald Trump eigentlich erreichen? 

Die USA und Israel hatten am Samstag massive Luftangriffe auf den Iran begonnen. Dabei wurden der oberste Führer Ayatollah Ali Chamenei und weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet. Als Reaktion auf die Angriffe Israels und der USA greift der Iran seit Samstag Israel, mehrere Golfstaaten sowie US-Einrichtungen in der Golfregion an. Gestern hatte sich Donald Trump erstmals live zum Iran-Angriff geäußert. 

Iran: Was will Donald Trump erreichen?

„Dagens Nyheter“ (Schweden): „Dass die Iraner Chamenei loswerden wollten, steht außer Frage. Dass er weg ist, ist eine Freude. Donald Trump spricht – genau wie Benjamin Netanjahu – von einem Volksaufstand und einem Regimewechsel. Aber das hat er auch Anfang Januar getan, als er die Iraner zum Protest aufrief und versprach, einzugreifen, falls das Regime zurückschlagen sollte. Tausende – vielleicht sogar bis zu 30.000 Menschen – wurden getötet. Der amerikanische Präsident sah einfach zu. Es wird kaum die Sehnsucht der Menschen nach Freiheit sein, die ihn jetzt zum Handeln bewegt.“ 

„La Vanguardia“ (Spanien): „Nach den gestrigen Auftritten von Trump und Verteidigungsminister Pete Hegseth ist klar: Ziel der Militäroperation gegen den Iran ist nicht – wie zunächst angekündigt – der Sturz des Regimes. (...) Stattdessen dominiert nun die Darstellung einer akuten Bedrohung durch den Iran für die Vereinigten Staaten. (...) Unbestritten ist, dass der Iran seit Jahrzehnten als zentraler Förderer terroristischer Strukturen weltweit gilt und als Erzfeind Israels wahrgenommen wird. Beobachter stellen jedoch die Frage, ob ein militärischer Schlag tatsächlich der geeignete Weg ist, um das Regime der Ajatollahs zu beenden – und ob der Angriff nicht eine politische und vor allem wirtschaftliche Krise auslösen könnte, deren Ausmaß derzeit niemand absehen kann. (...) Alles ist in der Schwebe, alles kann passieren. Willkommen im Chaos.“

„Libération“ (Frankreich): „Das Problem von Präsident Donald Trump ist, dass er schnelle Ergebnisse braucht. Die Midterms – die Wahlen zur Halbzeit der Amtsperiode – stehen bevor, und seine Anhänger werden eine internationale Pattsituation (die er während seines Wahlkampfs ausgeschlossen hatte) nicht hinnehmen, geschweige denn den Tod von Soldaten. Für ihn geht es um alles oder nichts. Das iranische Regime hat leider erkannt, dass es in seinem Interesse liegt, die Ölmonarchien am Golf in den Krieg hineinzuziehen und mit der Blockade der Straße von Hormus zu drohen, um den internationalen Handel, den Flugverkehr und die Finanzmärkte so weit wie möglich zu stören. Und damit den Groll der Gegner Trumps zu schüren.“

Australische Medien äußern Besorgnis

„Sydney Morning Herald“ (Australien): „Trump hat seine früheren Antikriegsabsichten aufgegeben. Doch er hat aus dem Debakel im Irak zwei Lehren gezogen. Erstens: Man sollte keine falschen Beweise für eine Bedrohung durch ausländische Massenvernichtungswaffen erfinden; Trump behauptete sie stattdessen einfach, ohne jegliche Beweise. Zweitens: Man sollte nicht mit Bodentruppen einmarschieren, sondern ausschließlich Luftstreitkräfte einsetzen, um die US-Verluste so gering wie möglich zu halten. Und nun, nach der ersten Welle von Tod und Zerstörung – was kommt als Nächstes? Es ist schwer zu sagen, was Trump genau beabsichtigt.“ 

„The Age“ (Australien): „Die iranischen Angriffe der letzten drei Tage, bei denen Soldaten und Zivilisten getötet wurden, sind von ungezügelter Gewalt geprägt – und die Gefahr, die vor uns liegt, ist noch größer. Die Islamische Republik verfügt über genügend Waffen, um Ziele in der gesamten Region wochenlang anzugreifen, was weitere Opfer und noch mehr Chaos bedeutet. (...) Flughäfen. Hotels. Wohnhäuser. Militärbasen. Das Regime betrachtet sie alle als legitime Ziele, seit es seinen Obersten Führer Ali Chamenei verloren hat. Es geht mit voller Wucht gegen seine Feinde vor.“

Und inwiefern betrifft das Europa?

„Hospodarske noviny“ (Tschechien): „Der amerikanische Präsident Donald Trump hat gesagt, dass die Angriffe auf den Iran vier Wochen dauern könnten. Falls dem tatsächlich so sein sollte, hätte das erhebliche negative Folgen für die Weltwirtschaft. (...) Zwar ist es noch zu früh, darüber zu spekulieren, wie hoch der Ölpreis noch steigen könnte. Katastrophenszenarien sprechen von 100 und mehr Dollar je Barrel, denn ein langfristiger Ausfall rund eines Fünftels der weltweiten Öllieferungen würde sich zweifellos auf die Preise auswirken. Zuerst merkt man das an den Weltmärkten. Und dann spürt es jeder von uns in seiner Geldbörse.“

„La Repubblica“ (Italien): „Angesichts des Angriffs auf den Iran wissen die Europäer nicht, wie sie sich verhalten sollen. Verurteilen sie die Aggression wie China und Russland, brechen sie endgültig mit ihrem amerikanischen Verbündeten und riskieren, als Verbündete eines blutrünstigen Regimes zu erscheinen, gegen das sie Wellen von Sanktionen verhängt und unzählige Verurteilungen ausgesprochen haben. Unterstützen sie jedoch die Aktion, machen sie sich mitschuldig an einem offensichtlichen Verstoß gegen das Völkerrecht. Merz' Aufgabe wird es sein, herauszufinden, was Trumps wahre Pläne für den Iran sind, sofern es solche überhaupt gibt. Und vielleicht wird er den US-Präsidenten darauf hinweisen, dass die systematische Umwälzung jeder Weltordnung nicht unbedingt der beste Weg ist, um die Interessen der Amerikaner selbst zu wahren.“

DPA wt
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