Angehörige von IS-Kämpfern waren zuletzt in dem berüchtigten al-Hol-Lager in Syrien untergebracht. Jetzt wird das Camp geschlossen. Was bedeutet das für die Menschen dort?

Nach der Übernahme des zuvor von kurdischen Kräften kontrollierten berüchtigten Lagers al-Hol hat das syrische Innenministerium eine Massenflucht von Angehörigen dschihadistischer Kämpfer bestätigt. Bei ihrem Eintreffen vor Ort hätten die Streitkräfte „Fälle von kollektiver Flucht“ aus al-Hol festgestellt, erklärte ein Ministeriumssprecher am Mittwoch vor Journalisten.

Zur Begründung sagte er, das Lager sei „willkürlich“ geöffnet worden. Die zuvor für dessen Kontrolle zuständigen Kämpfer der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) hätten sich „plötzlich“ und ohne vorherige Absprache mit den syrischen Behörden oder der internationalen Anti-IS-Koalition zurückgezogen. Tausende Frauen und Kinder entkamen aus dem Lager, die dort verbliebenen Menschen wurden syrischen Regierungsangaben zufolge in eine andere Einrichtung im Norden des Landes gebracht.

Der Ministeriumssprecher fügte an, nach dem Rückzug der kurdischen Kräfte seien „mehr als 138 Öffnungen“ in der rund 17 Kilometer langen Außenbegrenzung des Lagers festgestellt worden. Dies habe die Flucht „mithilfe von Netzwerken“ erleichtert.

Schlimme Zustände in IS-Lager in Syrien

Das Lager al-Hol in der syrischen Provinz Hasakeh war von kurdischen Kämpfern eingerichtet und jahrelang kontrolliert worden. Es galt als das größte Lager für Angehörige von Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Dieser soll starken Einfluss auf die Bewohner gehabt haben, auch wenn es dort keine IS-Kämpfer gegeben haben soll, wie der Sprecher des Innenministeriums in Damaskus heute sagt.

Zuletzt hätten 23.500 Menschen in dem Lager gelebt, viele davon mit chronischen Krankheiten. Unter den Campbewohnern seien auch etwa 6500 Menschen aus mehr als 40 weiteren Ländern.

Das berüchtigte Al-Hol-Lager in Syrien von oben © Moawia Atrash / DPA

Offiziell war al-Hol kein Gefängnis, wurde von Bewohnern aber oft als ein solches beschrieben. Freiwillige Ausreisen waren nicht möglich. Auch nach Angaben der Regierung in Damaskus herrschten in dem Lager schrecklichen Bedingungen. Es gleiche einem „Internierungslager“ in einer Wüste, wo Tausende Menschen „in schockierenden Zuständen“ lebten, sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

al-Hol-Lager aufgelöst

Die syrische Übergangsregierung hatte Anfang des Jahres eine Offensive im Norden und Nordosten des Landes gestartet, um auch die bis dahin kurdisch geführten Gebiete Syriens unter ihre Kontrolle zu bringen. Die syrische Regierung übernahm daraufhin die Kontrolle über das Lager.

Das Lager im Nordosten Syriens wurde der zuständigen Nichtregierungsorganisation SSU zufolge am Sonntag geschlossen. Rund 22.000 Iraker wurden in ihr Heimatland verlegt, das an Syrien grenzt. Vertreter der Übergangsregierung hatten in den vergangenen Tagen damit begonnen, das Camp aufzulösen. Vor Ankunft der Sicherheitskräfte hätten viele Menschen versucht, durch Löcher im 17 Kilometer langen Zaun und mithilfe von Schleusern auszubrechen.

DPA · AFP cl
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