Inhalt des Artikels:

  • Fast 13 Prozent der bundeseigenen Wohnungen ungenutzt
  • Nur 49 Wohnungsangebote über das Online-Portal der Bundesimmobilien zu finden
  • Bundesfinanzministerium spricht von hohem Sanierungsbedarf

Fast 13 Prozent der bundeseigenen Wohnungen ungenutzt

Stand Juli 2025 wurden 38.341 Wohnungen vom Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, auch Bundesimmobilien oder BImA genannt, verwaltet. Davon stehen 3.725, also fast jede zehnte Wohnung leer. Hinzu kommen 1.127 nicht "marktaktive" Wohnungen. Das heißt: Sie sind entweder stark sanierungsbedürftig oder sollen verkauft werden. Das macht zusammen 4.852 leere bundeseigene Wohnungen. Das ist eine Quote von 12,65 Prozent.

Diese Zahlen sorgen für Kopfschütteln bei Melanie Weber-Moritzder Präsidentin vom Deutschen Mieterbund. Sie verweist gegenüber dem MDR-Magazin Umschau auf 1,4 Millionen fehlende Wohnungen. Zudem liege der durchschnittliche Leerstand bei allen anderen Vermietern bei maximal vier Prozent. Beim Bund ist es also mehr als das Dreifache. "Das ist ein gravierendes Problem. Zumal man auch sieht, dass in den letzten zehn Jahren die Leerstandquote der BImA noch weiter gestiegen ist, von etwas über acht Prozent 2012 auf heute 12,6 Prozent. Es ist schon kaum nachvollziehbar, warum gerade der Bund hier nicht auch als Vorbild vorangeht und schneller aktiv wird, um diesen Leerstand zu beseitigen", so Weber-Moritz.

Beispiele für Chemnitz und Dresden

In Chemnitz gehört eine über 100 Jahre alte, denkmalgeschützte Stadtvilla dem Bund, also dem Staat. Die drei Wohnungen in dem Haus stehen seit fast zwei Jahren leer. Dabei befindet sich das Objekt im Chemnitzer Gründerzeitviertel Kaßberg. Die ist eine bevorzugte Wohngegend mit top-sanierten Häusern – bis auf die Stadtvilla. Verwaltet wird sie von der BImA. Die hat jedoch nicht vor, das Haus zu sanieren und wieder zu vermieten. Die Villa soll für rund eine halbe Million Euro verkauft werden.

Diese Stadtvilla in Chemnitz beherbergt bundeseigene Wohnungen, die ungenutzt bleiben.Bildrechte: MDR/Umschau

In der sächsischen Landeshauptstadt gibt es einen Häuserblock mit vier Eingängen im vor allem bei jungen Menschen beliebten Viertel Dresden-Neustadt, der von der BImA verwaltet wird. Viele Wohnungen scheinen leer zu stehen. "Wir haben gehört, das soll abgerissen werden. Aber ich weiß nicht, ob das stimmt. Das wird so im Moment darüber gesprochen", so eine Frau vor Ort zum MDR-Magazin Umschau. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben bestätigt die Aussage auf MDR-Anfrage: "Das Gebäude ist leergezogen, wird nicht neuvermietet und aus wirtschaftlichen Überlegungen zurückgebaut. Die Rückbaumaßnahmen erfolgen noch in diesem Jahr.“ Damit werden 32 Wohnungen verschwinden. Doch spätestens 2028 sei dafür ein Wohnungs-Neubau geplant.

"So abrissbedürftig sieht das Haus ja gar nicht aus", erklärte dagegen Caren Lay, die für Die Linke im Deutschen Bundestag sitzt und dort den Bundestagsausschuss für Wohnen und Bauwesen leitet. Der Leerstand von bundeseigenen Wohnungen sei ihr schon lange ein Dorn im Auge. Erst recht, wenn Häuser sogar abgerissen werden sollen. "Das halte ich wirklich für absolut skandalös. Und dieses Vorgehen, dass man bezahlbaren Wohnraum quasi leer zieht und abreißt, das ist völlig aus der Zeit gefallen. Das macht man heute einfach nicht mehr so. Die neu gebauten Wohnungen, die sind doch dann ein Vielfaches teurer", sagte Lay dem MDR-Magazin Umschau.

Übrigens: In Dresden gibt es noch weitere Häuser des Bundes, in denen mehrere Wohnungen nicht vermietet sind. Die BImA begründete auf Umschau-Anfrage den aktuellen Leerstand mit laufenden oder bevorstehenden Sanierungsarbeiten.

Nur 49 Wohnungsangebote über das Online-Portal der Bundesimmobilien zu finden

3.725 bundeseigene Wohnungen, die vermietet werden könnten, stehen leer. Dann müssten sich doch Angebote zur Miete im Online-Portal der Bundesimmobilien finden lassen? Fehlanzeige für Leipzig und Dresden. Hier gibt es jeweils null Treffer bei einem Test des MDR-Magazins Umschau. In Chemnitz gab es zwei Angebote, eins davon war eine 2-Raum-Wohnung mit 44 Quadratmetern für 393 Euro Warmmiete.

Bundesweit wurden 49 Ergebnisse angezeigt. Der überwiegende Teil wird jedoch in einem geschützten Bereich zunächst Bundesbediensteten angeboten, erklärt die BImA auf MDR-Anfrage. "Wenn man niemanden findet, der in diesem geschützten Portal eine Wohnung sucht, dann wäre es doch trotzdem die Aufgabe, es schnellstmöglich auch der Allgemeinheit anzubieten", kritisierte Lay gegenüber dem MDR-Magazin Umschau die mangelnde Kommunikation der freien Wohnungen auf dem allgemein zugänglichem Wohnungsmarkt.

Bundesfinanzministerium spricht von hohem Sanierungsbedarf

Viele der bundeseigenen Wohnungen, die vermietet werden könnten, sind laut Bundesfinanzministerium sanierungsbedürftig, weil jahrelang nur das Notwendigste für den Erhalt unternommen wurde. Es liege "oftmals ein aufwändiger Grundsanierungsbedarf" vor, erklärt das Bundesfinanzministeriumauf MDR-Anfrage. Dies liege auch an einer Neuausrichtung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, denn diese sei bis 2018 strategisch auf den Verkauf ihrer Liegenschaften ausgerichtet gewesen.

Das begründe den hohen Wohnungsleerstand, die Wohnungen seien dadurch auch von jahrelanger Nichtnutzung gezeichnet. Für Abhilfe solle auch ein bereits 2024 initiiertes Leerstandabbauprogramm sorgen, so das Bundesfinanzministerium. Das Ziel: bis zum Jahresende den Leerstand auf ein marktübliches Niveau zu reduzieren. "Rund 3.000 Wohnungen, die aufgrund ihres Zustandes nicht vermietbar sind, sollen schnellstmöglich wieder dem Wohnungsmarkt zugeführt werden", erklärt die BImA auf ihrer Homepage.

Bauturbo durch schnellere Genehmigungsverfahren?

"Was erstmal positiv ist, dass die BImA ihre Strategie geändert hat. Nichtsdestotrotz dauert es einfach zu lange", so Weber-Moritz vom Deutschen Mieterbund gegenüber dem MDR-Magazin Umschau. Es sei mehr Aktivität bei den Bestandsvermietungen als auch beim Neubau nötig, um zu "einer schnelleren Bereitstellung von Wohnungen, als wir es bisher gesehen haben", zu kommen. Doch dafür muss auch der Wohnungsbaumarkt agiler werden.

Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) hatte im Oktober letzten Jahres im Bundestag den Willen zu einem beschleunigten Wohnungsbau erneut bekräftigt. "Ich will, dass wir mehr bauen. Ich will, dass wir schneller bauen. Und einen Teil dieses Versprechens werden wir heute einlösen. Wir werden gemeinsam den Bauturbo zünden", erklärte sie. Und sie führte aus: "Statt fünf Jahre für ein Bebauungsplanverfahren kann die Gemeinde dem Bauvorhaben nun innerhalb von drei Monaten zustimmen". Ob dadurch wirklich mehr Wohnungen entstehen und der Bauturbo seine Wirkung entfaltet hat, werden die nächsten Zahlen zeigen.

MDR (cbr)

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