Boom bei Medizin-Cannabis: Bundesregierung will Online-Verschreibung wieder beschränken
- Der Bedarf für medizinisches Cannabis wächst. In Deutschland gibt es nur drei Unternehmen dafür.
- Die Gewerkschaft der Polizei betrachtet den Online-Handel mit Sorgen.
- Auch die Bundesregierung plant, künftig Cannabis-Verschreibung nur noch persönlich beim Arzt zu erlauben und den Versand zu beschränken.
Süßlicher Geruch zieht über den Empfangstresen der Firma Aurora in Leuna. Hier wird in großem Stil Cannabis angebaut. In einer Halle gedeihen hunderte Pflanzen, werden für optimales Wachstum künstlich beleuchtet und mit CO2 begast. Mehrmals im Jahr ist Ernte.
Bedarf für medizinisches Cannabis wächst
Die Blüten kommen als Medizin in den Handel, erzählt Manager Dirk Heitepriem: "Das, was wir hier anbauen, ist quasi der Grundbedarf, den wir für Deutschland sichern. Wir haben einen Grundstock, den wir in Deutschand produzieren. Den Rest importieren wir über unsere Produktionsanlagen in Kanada."
Drei Unternehmen in Deutschland: Aurora expandiert
Insgesamt gibt es in Deutschland nur drei Firmen, die mit staatlicher Erlaubnis Cannabis anbauen dürfen, ausdrücklich für medizinische Zwecke. Die Nachfrage wächst. Aurora will die Ernte in Leuna verdoppeln und entsprechend ausbauen.
Dirk Heitepriem sagt: "Für uns ist das ganz wichtig. Dieses Investment ist ein Symbol für uns, für den Standort Leuna und für den Standort Sachsen-Anhalt. Wir fühlen uns hier wirklich zuhause, weil wir großartige Kooperationen mit der Landesregierung und mit den Behörden haben."
Dieses Investment ist ein Symbol für uns, für den Standort Leuna und für den Standort Sachsen-Anhalt. Wir fühlen uns hier wirklich zuhause, weil wir großartige Kooperationen mit der Landesregierung und mit den Behörden haben.
Illegaler Weiterverkauf: GdP sieht Kontrolldefizit
Was die Freude trübt: An der Abgabe von Medizin‑Cannabis wächst die Kritik. Auch von anderen Anbietern sind die Verkaufszahlen rasant gestiegen, was sich kaum mit einem Zuwachs an Kranken begründen lässt.
Bei der Gewerkschaft der Polizei macht sich Alexander Poitz Sorgen: "Wir haben momentan einen Anstieg des Imports an Medizinal-Cannabis. Wir haben eine Zunahme des Marktes an Online-Plattformen für die Beschaffung des Medizinal-Cannabis. Und wir haben in diesen Bereichen ein Kontrolldefizit."
Reformplan: Rezepte nur noch nach persönlicher Vorsprache
Der Verdacht: Viele bestellen Cannabis nicht zur eigenen Therapie, sondern für den Weiterverkauf. Der ist aber noch immer verboten. Um den Trend zu stoppen, arbeitet die Bundesregierung an einer Reform.
Künftig sollen Rezepte nur nach einem persönlichen Arztbesuch ausgestellt werden dürfen – und nicht per Telemedizin. Und auch das Einlösen soll nur noch in der Apotheke vor Ort erlaubt sein. Versand wäre dann tabu.
Poitz begrüßt das: "Der Gesetzentwurf der Bundesregierung ist grundsätzlich zu befürworten. Das haben wir auch in der Anhörung als GdP im Bundestag deutlich gemacht."
Nicht alle Apotheken vor Ort führen Cannabis
Zuspruch kommt auch von Sachsen-Anhalts Wirtschaftsstaatssekretärin Stefanie Pötzsch – mit einem Aber: "Ich kann das schon nachvollziehen, dass man da ein Auge drauf hat und vielleicht mehr Regulierung drauf packt, als bei anderen Medizinprodukten, die es schon lange auf den Markt gibt. Man muss dann aber diese Regulierung auch beobachten und schauen, wie sich das entwickelt."
Man muss dann aber diese Regulierung auch beobachten und schauen, wie sich das entwickelt.
Geschäftsführer Dirk Heitepriem im Gespräch mit Sachsen-Anhalts Wirtschaftsstaatssekretärin Stefanie Pötzsch.Bildrechte: MDR/Ralf GeißlerWenig begeistert von mehr Regulierung ist dagegen Cannabis-Produzent Aurora. Manager Heitepriem findet, Telemedizin und Versand sollten erlaubt bleiben: "Nicht alle Apotheken führen Cannabis oder möchten es führen. Das ist für den Patienten auf dem Land, der nicht den Zugang hat, extrem wichtig, dass er da eine Möglichkeit sieht, wie das Produkt zu ihm kommt."
Bedarf weiterhin hoch – trotz Regulierungsplänen
Noch hat der Bundestag nicht entschieden. Die Politik diskutiert, während Heitepriem ausbauen will: "Natürlich ist es uns wichtig, das voneinander zu trennen. Wir investieren hier, weil wir an den Standort glauben."
Der Manager beteuert, die Erweiterung in Leuna hänge nicht von der politischen Entscheidung ab. Bedarf gäbe es auch mit strengeren Gesetzen.
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