Linnemann wünscht sich jemanden wie Gauck als Bundespräsident – Künast und Trittin loben Merkel
Wer folgt Frank-Walter Steinmeier 2027 als Bundespräsident? CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann ist offen, einen Kandidaten auszuwählen, der nicht beruflich in der Politik tätig ist oder war. Unter Grünen-Politikern hingegen ist die Sympathie für Altkanzlerin Angela Merkel weiter groß.
Auf eine Frage des Magazins „Stern“, ob jemand, der nicht aus der Politik kommt, ins höchste Staatsamt kommen sollte, sagte Linnemann: „Ich würde mich nicht festlegen. Ich bin großer Fan von Joachim Gauck. Er war einer der besten Bundespräsidenten. Ein unglaublicher Charakter, toller Typ, mutig. So eine integre Persönlichkeit brauchen wir.“ Der Theologe Gauck war von 2012 bis 2017 Bundespräsident. Er war als gemeinsamer Kandidat von CDU/CSU, FDP, SPD und den Grünen angetreten.
Linnemann äußerte auch Sympathien für eine Frau im höchsten Staatsamt. „Ich persönlich fände eine Frau gut“, sagte er. Es freue ihn, dass aus der Union so viele Kandidatinnen gehandelt würden. Im Gespräch sind etwa die Namen von Familienministerin Karin Prien (CDU) und der bayerischen Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU). Auch Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz sowie CSU-Chef Markus Söder hatten bereits geäußert, sie fänden die Wahl einer Frau zur Bundespräsidentin 2027 gut.
Trittin und Künast loben Merkel als qualifiziert – trotz Absage
Im Gespräch ist auch Altkanzlerin Merkel (CDU), obwohl sie bereits über ihr Büro erklärt hatte, für das Amt nicht zur Verfügung zu stehen. Prominente Grünen-Politiker sprechen dennoch weiter über die 71-Jährige. „Natürlich ist eine ehemalige Kanzlerin mit dieser weltpolitischen Erfahrung geeignet für das Amt des Staatsoberhaupts“, sagte der frühere Bundesumweltminister Jürgen Trittin dem „Spiegel“. Aber Merkel habe gesagt, dass sie das Amt nicht anstrebe, so der Grünen-Politiker. „Der Respekt gebietet es, diese Entscheidung zu akzeptieren.“
Auch die ehemalige grüne Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast hält sie für geeignet. „Frau Merkel wäre eindeutig qualifiziert. Denn eine Bundespräsidentin braucht Berufs – und Lebenserfahrung, Ausstrahlung und ein starkes Bewusstsein für die Aufgaben des Amtes“, sagte Künast dem Magazin. Das reiche von der Verfassungsprüfung von Gesetzen bis „zum Zuhören und Wahrnehmen, wo im Land der Schuh“ drücke. „Und nicht zuletzt, frühzeitig Diskussionen anzustoßen über die Zukunft des Landes und seiner Menschen.“
Man müsse wohl akzeptieren, dass Merkel „nein sagt“, so Künast. Sie habe ihren Dienst am Land in den 16 Jahren als Kanzlerin allemal geleistet. Doch die Grüne wünscht sich eine aktive Rolle der Altkanzlerin bei der Suche nach einer geeigneten Kandidatin für das höchste Staatsamt. Deutschland brauche gerade in diesen harten Zeiten Orientierung durch eine „überparteilich agierende und politisch erfahrene“ Person. „Frau Merkel traue ich zu, hier einen professionellen Blick drauf zu werfen und durch erfolgversprechende Überlegungen zu bereichern“, sagte Künast.
Linnemann: Merz kann „noch sehr lange Politik machen“
Auch zu einer weiteren Personalie äußerte sich CDU-Generalsekretär Linnemann im „Stern“ – Friedrich Merz (CDU). Eine Debatte über eine erneute Kanzlerkandidatur hält Linnemann für verfrüht. „Ich gehe davon aus, aber das ist keine Frage, die sich im Jahr 2026 stellt.“
Dem Parteichef bescheinigte er beste Voraussetzungen für eine lange politische Karriere. „Er hat‘s selber gesagt: Sein Vater ist über 100 Jahre alt, seine Mutter knapp drunter. Er hat also die Gene, dass er noch sehr lange Politik machen kann.“ Merz ist 70 Jahre alt, er will sich auf dem CDU-Bundesparteitag Ende der Woche erneut zum Parteichef wählen lassen.
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